
- WGA rally in Culver City am 9.11.2007 - Pulblic Domain
Mehr als 3000 Drehbuchautoren standen Anfang 2008 auf der Strasse und demonstrierten für ihre Rechte. Die Studios drohten Sparmaßnahmen an: Wegen der Streiks sollten bis zu 1000 Autoren entlassen werden. Aber Moment mal – waren das nicht jene Autoren, die in Hollywoods Traumfabrik arbeiten? Waren das nicht jene Schöpfer von fremden und altbekannten Welten sowie ihrer unsterblichen Leinwandhelden, die uns immer wieder scharenweise auf die Kinosessel treiben? Also was trieb dann die Drehbuchautoren jener Traumfabrik dazu ihre Schreibfeder niederzulegen?
Aus der Traum?
Die Realität der meisten Autoren ist tatsächlich kein Traum. Zumal das Studio dem Kreativen seine Urheberrechte in der Regel abkauft und bei der weiteren Verwertung auf DVD, Video oder Internet gerne links liegen lässt. Hätten die Autoren sich nicht schon 1988 aufgelehnt, als es um die Beteiligung auf dem Heimmedienmarkt ging, ständen sie heute noch mit leeren Taschen da. Die erreichten 0,3 Prozent Beteiligung pro Datenträger erscheinen aus heutiger Sicht, allerdings nachbesserungswürdig. Heute bringt die DVD-Auswertung oft sogar mehr ein, als das Einspielergebnis im Kino. Vor allem TV-Serien, die nur auf DVD erscheinen, entpuppen sich immer öfter als Cash-Cow und Goldesel zugleich.
Hollywood und die DVD
In den wochenlangen Arbeitskämpfen Ende des Jahres 2007, verlangten die Autoren der Writers Guild of America deshalb eine höhere Beteiligung an DVD-Erlösen. Außerdem wollte die WGA die so genannten Reality-TV Autoren mit ins Boot holen, denn Reality-Formate wie America´s Most Wanted oder Cops waren schon beim letzten Streik der finanzielle Joker der TV-Studios. Bis heute sind solche Formate dermaßen erfolgreich, dass die Autoren nicht genügend Druck auf die TV-Studios ausüben können. Ursache des ersten Streiks 1988 war die Argumentation, auf dem Heimmarkt könne man noch keine Erfolgsprognosen machen – das teure Geschäft mit den Videokassetten sei so unrentabel, dass Zahlungen vorerst nicht sinnvoll seien. Die gleiche Argumentation 2007. Selbst als die DVD zum marktbeherrschenden Medium wurde, gab es keine Erhöhung der Autorenbeteiligung. Der noch junge Internet-Filmmarkt sei den Produzenten ebenfalls zu unsicher. Ein Déjà vu, das die Autoren um ihre Zukunft bangen ließ. Ob solch düsterer Prognosen mussten jene Weltenschöpfer auf dem Boden der Tatsachen landen. Das Resultat: Viele gut gemachte TV-Serien verkümmerten zur überflüssigen Produktion von der Stange.
Der Film im WEB 2.0
Noch hat sich der Markt nicht genug entwickelt und die Absatzzahlen sind gering, dennoch künden zahlreiche neue Onlinevideotheken und die Bemühungen, um das BLU-RAY Profil 2.0, von einer Zeit des Downloads: Apple TV und die Abrechnung über den iTunes Store sind nur Vorboten einer neuen Vermarktungspolitik von Filmen und TV-Serien. Solange sich die Studios aber die Forderungen der Autoren vom Hals halten können, machen sie mit dem Testballon-Internet gute Kasse. Noch schlimmer: Wenn die Autoren nicht mehr mitmachen wollen, leidet auch die inhaltliche Qualität der Stoffe, denn so ist die Regel allemal: was der erfahrene Autor nicht mehr gerne schreibt, macht der junge aus Geldnot oder als Portfolio-Kapriole. Die jungen Autoren stehen Schlange und das Wissen die Produzenten. Doch es ist wie immer: Qualität hat seinen Preis. Und das sollten die Studios wissen.
