
- Eskobar Album - c eskobar.com
Im Jahr 2000 veröffentlichte die schwedische Band Eskobar ihr Debütalbum „‘Til we’re dead“ und war damit am Aufstieg (und Fall?) schwedischer Indie- und Rock’n’Roll Bands beteiligt, der sich in den folgenden Jahren bemerkbar machen würde (Mando Diao, Hives, Sugarplum Fairy, etc, etc). Nun war es aber so, dass dieses Album nicht unbedingt rockte. Die folgenden Alben der Schweden rockten dann schon etwas mehr.
Lichte Momente in dunkelblauen Samtteppichen
Schöne, sanfte Melodien, Daniel Bellqvists Schmeichelstimme, zurückgenommene Lautstärke und ernste, manchmal düstere Texte: Dies ist ein stilles Album für stille Stunden. Die ersten Worte „Hard times go/let them be“ klingen ja ziemlich tröstlich, und der Song „Tumbling Down“ gehört auch zu den lichteren Momenten zwischen den dunkelblauen Samtteppichen, die Eskobar auf dem Album weben. „On a Train“ klingt – wenig überraschend – wie ein dahinschnaubender Zug und ist einer der wenigen up-tempo Songs des Albums. Gemäß der Dramaturgie „licht-dunkel-licht“ folgt das melancholische Statement „Good Day for Dying“. Ein guter Tag, um zu sterben? Nein, dafür ist dieser Song viel zu schön und dieses Album viel zu großartig.
Betrug, Tod, Fröhlichsein: Eskobar spielen auf der Gefühlsorgel
Allzu fertig sollte man aber beim Hören nicht sein, sonst könnte „Sun in my Eyes“ doch Selbstmordgedanken heraufbeschwören. Ein Song übers Betrogenwerden, über Schmerz und die Frage nach Vergebung. Autsch. Auch „She’s not here“ handelt vom Ende einer Beziehung – und zumindest einem der Beteiligten scheint das egal zu sein. Auch wenn er sich fragt: „How should I act now?“ und wir im Laufe des Textes seine Hilflosigkeit erkennen können. „Angels“ kehrt zurück zum Thema Tod und beginnt mit einem Klavierpart, der verdächtig nach „Let it be“ klingt (das von Beatles, übrigens). Der abwechslungsreiche Faden spinnt sich weiter, „Someone told me“ klingt fröhlicher, sonniger, in „So“ übernimmt wieder die Schwermut. Kalt-warm, auf und ab, hell und dunkel – Eskobar spielen auf ihrem Debüt die menschliche Gefühlsorgel gekonnt und eindrucksvoll, wenn auch sehr leise.
„’Til we’re dead“ killt die Rock’n’Roll-Stimmung
„Love“ kommt mit einem jazzigen Feel des Weges und schlingert sich an einer lebhaften Melodie entlang. Dazu gibt’s einen pompösen Refrain – manchmal schrammen Eskobar haarscharf am Pathos vorbei, was aber nicht unattraktiv rüberkommt. „On my Side“ beschließt dieses wunderschöne Album mit einem Druck auf die Tränendrüsen, vergisst aber dabei den tröstlichen Refrain nicht. Nach nur 34 Minuten Spielzeit ist der Spuk vorbei: Schade, aber vielleicht auch gottseidank. Denn wenn man in Rock’n’Roll-Stimmung ist, sollte man dieses Album lieber sein lassen. Dann ist es nämlich nicht auszuhalten, bei aller Schönheit.
