
- Espandrilles - Amazon
Espandrilles kamen in den 50er Jahren das erste Mal in Mode, als Stars wie Sophia Loren, Audrey Hepburn und Grace Kelly sie mit Caprihosen und Tellerröcken zum Sinnbild des unbeschwerten südländischen Lebensstils erhoben. Salvador Dali und Pablo Picasso machten die bequemen Graslatschen zumindest in der Künstlerszene sogar an Männerbeinen salonfähig.
Espadrilles: Herkunft und Wortbedeutung
Ob Fischer auf dem spanischen Festland oder mallorquinische Landarbeiter sie als erste trugen, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei klären, jedenfalls leitet sich der Begriff Espadrilles vom provenzalischen Wort Espardillo für Espart oder Espartogras ab, aus dem die Sohlen ursprünglich bestanden. Später setzten sich Hanf- und Flachsgeflechte durch, unter der heute oft eine dünne Gummischicht für längere Haltbarkeit sorgen soll.
In Spanien werden zwar alle Arten von Stoffslippern mit Hanf- oder Grassohle unter dem Oberbegriff Alpargatas zusammengefasst, aber auch die von Touristen eingeführte Bezeichnung Espa(n)drilles ist inzwischen überall geläufig.
80er Jahre: Siegeszug der Espandrilles in Bonbonfarben
In den 80er Jahren, dem Jahrzehnt der Karottenjeans und Neonfarben, wurden Espandrilles in der Sommerzeit zur fußfreundlichen Alternative der gesamten Turnschuhgeneration. Daran war nicht zuletzt die Serie "Miami Vice" maßgeblich beteiligt, in der Sonny Crocket die Stofftreter sogar zum italienischen Anzug kombinierte. Die einfachen flachen Modelle für damals 3 Mark konnte sich jeder gleich in mehreren kombifreundlichen Knallfarben kaufen. In den 90er Jahren verschwanden sie wieder aus dem Straßenbild, stattdessen traten Flipflops und später auch Gummiclogs ihren Weg in die Städte an.
Anfang des 21. Jahrhunderts entdeckten bereits einige High-Fashion-Designer die natürlichen Flechtsohlen wieder und kreierten edle Damen-Modelle mit hohen Keilabsätzen, Glitzerapplikationen und extravaganten Schnürungen.
Vor und Nachteile: verstecken den Fuß, aber vertragen keinen Regen
Die Stoffschuhe mit Hanf- oder Flachssohle bieten den entscheidenden Vorteil, dass die Sohle Fußschweiß gut absorbiert und auch der luftdurchlässige Leinen- oder Baumwollbezug die Haut atmen lässt. Sie sind- selbst in der Ausführung mit Keilabsatz- ausgesprochen bequem, ultraleicht und in der einfachen Version sehr preiswert. Außerdem lassen die Originale weder Fußspitze noch Ferse erkennen, so dass Hornhaut oder unästhetische Zehennägel sich vor allem an weniger vorzeigbaren Männerfüßen gut verstecken lassen. Wer an der Ferse Luftzufuhr möchte, kann die Slipper jedoch auch einfach hinten herunterklappen.
Ein Nachteil liegt darin, dass sie keiner Feuchtigkeit standhalten- bei starken Regenfällen tragen sich Espandrilles sehr ungemütlich, riechen anhaltend nach nassem Hund und lösen sich langsam aber unausweichlich auf. Außerdem bieten die Schuhe dem Fuß keinen festen Halt, so dass sie nur für Kurzstrecken am besten auf asphaltiertem Untergrund oder als Hausschuhe geeignet sind. Selbst die neueren Modelle mit gummiverstärkter Sohle sind nicht unbegrenzt haltbar; denn für die Befestigung des Gummis an der Naturfaser ist noch keine optimale Lösung gefunden worden.
Aktuelle Espandrilles: schlicht und einfarbig oder bunte Design-Kunst
Schon im Sommer 2009 waren flache Espandrilles für Frauen wie Männer nach langer Zeit wieder vereinzelt zu sehen, und der Trend soll sich im Sommer 2010 ausweiten. Eine Vorreiterrolle nahm zum Beispiel Stéphane Bucco ein, der zusammen mit einem Team von 30 Künstlern und Grafik-Designern 2009 eine fantasievolle sehr farbenfrohe Espandrilles-Kollektion entwarf und unter dem Label String Rebublic auf den Markt brachte.
Mit solch knallbunter Kunst am Schuh können Mutige beiderlei Geschlechts modisch nichts verkehrt machen und sie zu Shorts, langen Jeans oder jeder anderen einfarbigen Hose ebenso wie zum Rock kombinieren. Angesichts der kurzen Lebensdauer dieser Ein-Sommer-Schuhe empfehlen sich für alle Preisbewussten jedoch die günstigen schlichten Modelle- schließlich wurden Espandrilles nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil sich niemand ärgern musste, wenn er mal in den Regen geraten war oder die Slipper nach ein paar Monaten ihren Dienst getan hatten.
