
- Suppe - Harald Rossa
Zum Thema Essen in China wird dem Mitteleuropäer daheim erstmal kräftige Angst gemacht. Von unhaltbaren hygienischen Zuständen hört er. Vor ungewöhnlichen Speisen wie Hund, Katze und Schlange wird gewarnt. Dann liest er, dass in Ostasien kein Fleisch gegessen wird. Außerdem wird alles scharf gewürzt sein. Und überhaupt: ihm wird ein ständiger Aufenthalt im WC prophezeit.
Doch in China stellt der Reisende ganz schnell fest, dass da in Europa vielfach nur uralte Stereotypen wiedergegeben werden, die mit der heutigen Realität wenig zu tun haben. Selbst die Speisen aus mobilen Garküchen bereiten in der Regel keine Probleme.
Paradies für Vegetarier und Laktoseopfer
Zwei Personengruppen aus Europa können eine Reise durch China doppelt genießen. Die Menschen, die Milchzucker nicht vertragen, kommen in ein laktosefreies Paradies. Auch ohne die Einnahme von Laktase ist deren ewiger Drang zur Entleerung des Darms gebändigt.
Und Vegetarier kommen in China besser zu ihrem Recht als hierzulande, wo vegetarische Gerichte in der Gastronomie entweder gar nicht oder nur am Rande angeboten werden. Dank der chinesischen Art des Servierens gibt es in jedem Restaurant eine breite Auswahl an zubereitetem Gemüse. Und niemand guckt den Gast, der kein Fleisch auftragen lässt, schief an. Aber zu dieser guten Nachricht gehört leider auch ein negativer Trend. Viele Köche veredeln inzwischen ihre Gemüseplatten mit Speck oder Fleisch. Diesen Wohlstandstrend finden Vegetarier nun nicht so toll. Aber auch in diesen Häusern ist ein fleischloses Essen organisierbar.
Womit die Meldung vom fleischlosen Essen offenbar vor allem andere Regionen Asiens betrifft und in Bezug auf China den Zeitungsenten zuzurechen ist.
Frühstück in China
So wie einst in Deutschland ab 4 Uhr die Backstuben zum Leben erwachten, so beginnt ab 4 Uhr morgens an den Straßen Chinas und in den Hotelküchen das Leben. Die Speisen zum Frühstück werden vorbereitet und die ersten Frühaufsteher wollen versorgt werden. Und hier gibt es kein Brot und kein Brötchen. Wurst, Käse und Marmelade oder Honig – meist Fehlanzeige.
Zum Frühstück beginnen die meisten Chinesen den Tag mit einer warmen Mahlzeit. Spezielle Frühstücksangebote sind im Dampf gegarte Teigtaschen mit den Bezeichnungen Baozi und Jiaozi. Auch im Bambuskorb gegarte Dim Sum kommen auf den Frühstückstisch. Dazu gibt es Suppen, Reis- oder Nudelgerichte und in einem Sud gegarte Eier.
In größeren Hotels wird in der Regel ein Büffet aufgebaut, das die ganze Palette der Karte des Hotelrestaurants abdeckt. Obst und Gemüse gibt es in breiter Auswahl. Der Orangensaft kann durchaus erhitzt sein. Das laut Reiseplan versprochene europäische Frühstück kommt dann auch. Meist 2 Scheiben Toast und ein Stückchen Butter. Auf dem Buffet gibt es dann noch eine Wurst nach Art des Corned Beef. Da kann nur der Rat gegeben werden: ran an den chinesischen Speck, ein paar Eier braten lassen und dann die Köstlichkeiten durchprobieren. Und schmeckt eine Sache nicht, dann die Nächste probieren. Niemand meckert, wenn etwas stehen bleibt.
Bestellen und Essen
Es wird in China mit Stäbchen gegessen, Und das ist gar nicht so schwer wie es zunächst aussieht. Nach kurzer Einführung geht es ganz wie von selbst und nach einigen Tagen fällt der Umgang mit Messer und Gabel echt schwer.
Das Bestellen ist ohne Sprachkenntnis ein echtes Problem. Aber selbst denen, die diese Schriftzeichen interpretieren können, geht es oft nicht besser. Denn auf der Karte werden Gerichte mit blumigen Namen bezeichnet und selbst der Sprachkundige weiß nicht unbedingt, was tatsächlich auf den Tisch kommt. Er ahnt beispielsweise Schweinefleisch. Das kann aber auch fetter Speck sein.
Also einfach blind wählen, sich vom Personal beraten lassen oder schauen, was die Tischnachbarn auf ihren Tellern haben. Das ist ein besonders sinnvolles Vorgehen. Denn auf den Tischen zeigt sich, was die Menschen in diesem Restaurant besonders gern essen. Das sollte dann auch der Fremde einfach mal probieren.
Chinesisches Tischsitten
Die Sitten des Speisens im Restaurant und auch im privaten Kreis sind in China etwas anders als bei uns in Europa. Man setzt sich gern in großer Gesellschaft an einen großen Tisch. Dann werden diverse Speisen bestellt: Fleisch-, Fisch- und Gemüseteller werden in der Mitte platziert. Der Reis wird meist deutlich später nach gereicht. Jeder Teilnehmer an der Tafel nimmt von dem, was ihm gerade besonders mundet.
Getränke werden eher nach dem Essen als zum Essen geordert. Viele Restaurants reichen vor dem Auftragen der Speisen bereits einen Tee.
Was kommt auf den Teller?
Nur nicht Bange machen lassen. Probieren, was auf dem Tisch steht. Hund, Katze und Schlange und viele anderen exotischen Speisen können zu horrenden Preisen in wenigen speziellen Restaurants bestellt werden. In dem Restaurant an der Ecke oder im Hotel wird Huhn, Schwein, Ente oder Rind auf dem Teller sein. In moslemischen Restaurant halt Lamm statt Schwein. Und beim Gemüse gibt es eigentlich nichts, wo ein Europäer grundsätzliche Vorbehalte an den Tag legen müsste.
Scharf, Mild, Süß oder Sauer? All dies liefern die chinesischen Küchen. Denn die chinesische Küche gibt es genauso wenig wie die deutsche oder gar die europäische Küche. Auch scharfe Speisen sind mit Genuss zu verzehren. In Lokalen, in denen die scharfe Geschmacksrichtung nach Sichuanart gepflegt wird, gibt es durchaus auch Gerichte mit wesentlich milderer Note.
Eine kleine Überraschung sind am Anfang die Knochen. Geflügel wird fast immer mit Knochen zerkleinert und so auf den Tisch gebracht. In den Mund damit, den Knochen abgenagt und den harten Rest auf dem Tisch ablegen. Den halben Hahn daheim essen wir doch auch so. Oder?
Und dann kann es sein, dass das Fleisch auf dem Teller deutlich fetter ist als es Europäer inzwischen gewohnt sind. Oder das sich Schweinefleisch als das entpuppt, was in Norddeutschland als „Snuten und Poten“ bezeichnet wird. Wenn das dann nicht das ist, was gesucht wurde: einfach was anderes kommen lassen. Irgendwas wird schmecken und trotzdem ist das Ganze immer noch viel preiswerter als ein Restaurantbesuch hierzulande.
Das Notprogramm
Wenn es dann Entzugserscheinungen gibt, dann bieten in den Großstädten „McDonalds“, „Kentucky Fried Chicken“ und „Subway“ ihren internationalen Einheitsbrei. Und an wenigen versteckten Orten, wie z.B. in „Station One“ auf der Insel Shamian in Guangzhou, gibt es sogar deutsche Gerichte.
