
- Haltestellenschild - Viktor Mildenberger, Pixelio
Die Diskussionsrunde wurde von der Volkshochschule und der NRZ initiiert. Neben Vertretern aus Lokalpolitik, der Essener Verkehrs-AG (EVAG) und einem Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn nahmen auch interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Essen an der Veranstaltung teil.
Die Meinung von Pro Bahn zur Leistung der EVAG im Nahverkehr
Der Sprecher von Pro Bahn, Lothar Ebbers, kritisierte, dass die EVAG lediglich schlechter Durchschnitt sei. Darüber tröstet auch nicht hinweg, dass die meisten im Ruhrgebiet tätigen Nahvekehrsbetriebe wie etwa Bogestra (Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahngesellschaft) oder die STOAG (Verkehrsbetriebe der Stadt Oberhausen) ebenfalls als schlechter Durchschnitt einzustufen sind.
Die Hauptkritikpunkte von EVAG-Nutzern und Pro Bahn
- Das heilllose Chaos nach der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres 2010 auf dem Gelände der Zeche Zollverein. Die EVAG wirbt sowohl in den Gelben Seiten als auch mit Beilagen in lokalen Zeitungen mit der Kulturlinie 107, dennoch war sie nicht in der Lage, Besucher der Eröffnungsfeier aus Stoppenberg/Katernberg adäquat zu weiteren Verkehrsknotenpunkten abzutransportieren. Trotz des hohen Besucheransturms, der auf Zollverein zu erwarten war, wurden keine zusätzlichen Bahnen oder Busse eingesetzt, sodass manche Fahrgäste buchstäblich an der Bahnsteigkante zurückgelassen wurden, da die Bahnen irgendwann wegen Überfüllung keine weiteren Fahrgäste mehr aufnehmen konnten. Die EVAG gelobte Besserung zum nächsten Groß-Event im Ruhrgebiet: Am 18. Juli findet ein gigantisches Picknick auf der gesamten Länge der A40 zwischen Duisburg und Dortmund statt, die an diesem Tag somit für den Fahrzeugverkehr gesperrt wird
- schlechte Planung und Umsetzung beim Ausbau des Schiennetzes auf Essener Stadtgebiet. Hauptsächlich verkehren in Essen nach wie vor Straßenbahnen und Busse, es gibt lediglich drei U-Bahn-Linien. Der weitere Ausbau des U-Bahn-Netzes scheitert an fehlender finanzieller Unterstützung durch den Bund oder das Land Nordrhein-Westfalen
- Obwohl Essen mit über 580.000 Einwohnern zu den größten Städten der Bundesrepublik zählt, ist es für Schichtarbeiter und andere Berufsgruppen, die am späteren Abend auf den ÖPNV angewiesen sind, nahezu unmöglich, von ihrer Arbeitsstelle nach Hause zu kommen. Ähnliches gilt auch für Nachtschwärmer in Discotheken, Kneipen oder Restaurants. An Wochenenden und vor Feiertagen kommen zwar die so genannten Nachtexpresse zum Einsatz, aber auch diese decken nicht alle Stadtbezirke vollständig ab
- Manchen Bürgern ist zwar auch der Ausbau des bestehenden Verkehrsnetzes wichtig, vorrangig ist für sie jedoch zunächst einmal, dass das bestehende Angebot reibungslos funktioniert. Dies ist jedoch häufig nicht der Fall, insbesondere bei problematischen Witterungsverhältnissen wie Schneefall oder Glätte
- Gerade gehbehinderte Senioren beschweren sich, dass Busfahrer häufig nicht dicht genug an die Haltestellen heranfahren und die Busse vielfach erst auf Anfrage abgesenkt werden, was jedoch technisch problemlos möglich ist. Diese Technik ist nicht nur hilfreich für ältere Menschen oder gehbehinderte Personen, sondern auch für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen
- Häufig fehlende Höflichkeit der Fahrer gegenüber ihren Fahrgästen.
Technische Störungen in den Essener U-Bahn-Stationen
In der gleichen Woche fielen in der Schaltzentrale einige automatisierte Prozesse wie etwa Signalsteuerungen aus, sodass die Steuerung der Bahnen im Tunnel manuell erfolgen musste. Hiervon betroffen waren insbesondere stark frequentierte Verkehrsknotenpunkte wie die U-Bahn-Stationen Essen Hbf und Porscheplatz. Je nach Linie kam es zu Verspätungen zwischen 20 und 65 Minuten.
Obwohl es sich bei der U-Bahn-Trasse zwischen der City, Altenessen, Karnap und Gelsenkirchen-Horst um die neueste unterirdische Strecke auf Essener Stadtgebiet handelt, ist es hier im vergangenen Jahr bereits zweimal zu Schwel- und Kabelbränden gekommen. Betroffen waren hiervon die U-Bahn-Stationen Altenessen Bahnhof, Bäumingshausstraße und einige weitere Stationen, die näher an der Stadtmitte liegen.
Der Erhalt einiger Linien in Essen ist fraglich
Aufgrund fehlender finanzieller Mittel ist bereits in Frage gestellt, ob das bestehende Netz in der Form weitergeführt werden kann. Pro Bahn kritisiert in diesem Zusammenhang, dass mehr Geld in so genannte Prestigeprojekte gesteckt wird anstatt in die Erhaltung und Instandsetzung des bestehenden ÖPNV-Netzes in Essen.
Fatal wäre diese Entwicklung insbesondere für Stadtgebiete, die zwingend auf ihre Linie angewiesen sind, weil dort lediglich ein einziger Bus oder eine einzige Bahn verkehrt. Dies gilt beispielsweise für einige Bezirke in Kupferdreh im Südosten der Stadt oder die Bewohner in Frohnhausen-Breilsort im äußersten Essener Westen. Wenn die Linie 109, die zwischen Breilsort direkt an der Mülheimer Stadtgrenze und dem Steeler S-Bahnhof verkehrt, gekappt würde, müssten die Anwohner aus Breilsort Fußwege von mindestens zehn Minuten in Kauf nehmen, um ein öffentliches Verkehrsmittel erreichen zu können. Für Senioren, gehbehinderte Menschen und so weiter wäre dies ein Unding. Vor etwa zehn Jahren war es bereits im Gespräch, den Teil der Linie 109 zu kappen, der Breilsort mit Frohnhausen-Mitte und im Weiteren mit der City verbindet.
Insbesondere die Grünen fordern, im Sinne des Umweltschutzes vom eigenen Pkw auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Dieser kann jedoch nicht als Alternative zum Individualverkehr angesehen werden, wenn das bestehende Netz nicht funktioniert (Verspätungen, technische Defekte, schlechte Erreichbarkeit mancher Stadtbezirke) und manche Linien sogar noch gekappt werden sollen.
