Zusammen mit der Ausstellung zur Dokumentarfotografie von Jürgen Heinemann und Tobias Zielony wurden am 15.4.2011 zwei weitere Ausstellungen im Seitenbereich des Folkwangmuseums eröffnet: zum einen werden aus der Grafischen Sammlung Museum Folkwang "Formexperimente" des Informel, zum anderen Thetareplakate von Volker Pfüller und Frieder Grindler ausgestellt.

Informel-Druckgrafik: Experimente und Variationen

Der Informel war die dominante Stilrichtung der 1950er Jahre. Bekannt ist sie vor allem durch großformatige Gemälde mit großem Farbgestus - starken, leuchtenden Farben und manchmal geradezu exstatischer Pinselführung. In der kleinen Folkwang-Ausstellung "Formexperimente" geht es nicht um den großen Gestus, sondern ums Detail: Anhand von Druck-Serien aus der eigenen grafischen Sammlung macht das Folkwang die Experimentierfreudigkeit im Informel beispielhaft deutlich. Gezeigt werden Bild-Serien, die sich mit einem Thema oder einem Objekt beschäftigen, dieses aber über andere Verfahren, andere Farbgebung oder anderen Materialien variieren.

Vertreten sind unter anderem Radierungen von Gustave Singier, Ernst Wilhelm Nays und Alfred Manessier. Pierre Soulages erreicht reliefartige Strukturen des bedruckten Papiers durch Perforationen der Kupferplatte. Hans Hartung experimentiert rund um das Thema Linien herum: gerade oder geschwungene Linienbündel, einzelne Linien, schmale, dicke, wenige Striche und so weiter (siehe Fotos unten). Besonders deutlich wird dieser Ausstellungsansatz bei den Arbeiten von Hann Trier und Bernhard Schulze. Sie kombinieren ein Repertoire an Druckstöcken immer wieder neu. So variiert Hann Trier das Motiv einer gebeugt in embryonaler Stellung sitzenden Figur über die Farbe, aber auch durch Neben- oder Übereinanderlegen des transparenten Japanpapiers (siehe Foto unten). Da sich die Ausstellung um technische Details dreht und sie ohne Fachwissen kaum verstanden werden kann, sei zur Erläuterung der Katalog der Edition Folkwang für 28 Euro empfohlen: er erklärt kurz und allgemeinverständlich das Besondere der jeweiligen Grafik-Serien.

Programm für Kinder und Familien

Unter dem Titel "Summen und Brummen mit Gelb und Blau" veranstaltet das Folkwangmuseum einen Kindernachmittag am Sonntag, den 17.4., den 8.5., 19.6., jeweils um 15 Uhr. Die Workshops "Bildschöner Samstag: Mit Hochdruck und Farbe – Druckwerkstatt" für Kinder von 6 bis 12 Jahren finden Samstag, den 30.4., 28.5., 11.6., 25.6.2011 statt. Sie sollen Lust machen, selbst zu schnitzen und zu drucken. Die Workshops verbinden Ausstellungsbesuche mit bildnerisch-praktischem Arbeiten (Teilnahmebeitrag 7 Euro inklusive Eintritt; Anmeldung erforderlich).

Plakat-Theater: Werbung, Schauspieler, Schwarzer Humor

In der dritten am 15. April eröffneten Ausstellung zeigt das Folkwang-Plakatmuseum Arbeiten von Volker Pfüller (geboren 1939) und Frieder Grindler (geboren 1941). Plakate für das Theater zu entwerfen, das bedeutet, sich mit dem Theaterstück auseinanderzusetzen, wobei entweder die Interpretation der Aufführung oder die eigene maßgebend ist. Ein Theaterplakat ist aber nicht nur eine künstlerische Verarbeitung des Themas, es ist immer auch Werbung, und zwar "plakative" Werbung. Sowohl Pfüller wie Grindler nutzen die Montage und verletzen gewohnte Sehmuster.

Bei den Plakaten von Pfüller, der seit den 1960er Jahren in der DDR als Theatermaler tätig war, steht meist die Hauptfigur im Vordergrund, der Pfüller die Gestalt und das Anlitz des Schauspielers gibt, auch wenn sie abstrahiert oder künstlerisch verfremdet worden ist (siehe Foto unten). Pfüller sieht sich ausdrücklich in der Tradition der früheren Starplakate (meist im Glaskasten am Kino oder Theater oder an der Litfasssäule). Seine Portraits oder Fotos der Schauspieler werden jedoch angemalt, bemalt und zeichnerisch illustriert. Im Plakat für "Minotaurus" versieht er das abstrahierte Gesicht des Schauspielers mit Kuhaugen und den Hörnern des Stiers.

Auch Grindler verletzt unsere die Sehgewohnheiten, jedoch nicht subtil, sondern plakativer: manchmal in der Art des McDonald's-Werbeslogans "Wieder, größer, satter, lecker", ein anderes Mal mit einem Humor "unter der Gürtellinie". Er weckt die Aufmerksamkeit über seine skurrilen Montagen, die neben Sehmustern liebgewonnene, alltägliche, vertraute Einschätzungen verletzen oder umgekehrt demonstrativ Vorurteile, "Schubladen", ironisch verfremden und verstärken: Ein Portrait mit verzerrt wirkendem Gesicht: der Kopf gebildet aus einer Faust mit herausgestrecktem Daumen als Zunge, die Augen zwei Ringe mit großem Stein, diese Hand auf einen Anzug mit Hemd und Krawatte montiert. Oder ein bayrischer Bierseidel mit einem Hakenkreuz statt Brauerei-Siegel darauf (siehe Foto unten). Der Humor Grindlers ist bitterböse und etwas anrüchig - trotzdem oder gerade deswegen: seine Plakate sind einfach urkomisch.

Künstlerabende und Monographien

Beide Künstler sind an zwei Abenden im Folkwangmuseum zu Gast. Am Freitag, 20. 5., 19 Uhr, spricht Volker Pfüller über seine Plakate, am Freitag, den 24.6.2011, ist Frieder Grindler in Essen.

Zur Ausstellung der Theaterplakate erscheinen zwei Kataloge, die wie Monographien jeweils einen Künstler vorstellen und sich damit in der Tradition der "Monographien Deutscher Reklamekünstler" verstehen, die durch das "Museum für Kunst in Handel und Gewerbe" zwischen 1911 und 1914 herausgegeben wurden. Dieses Museum war übrigens von Karl Ernst Osthaus installiert worden, dem Begründer des Folkwangmuseums.

Infos zu den Theaterplakaten von Grindler/Pfüller und zu den Formexperimenten des Informel

"Flächen, die die Welt bedeuten. Theaterplakate von Frieder Grinder und Volker Pfüller." und "Formexperimente. Druckgrafische Folgen des Informel" laufen vom 16. April bis 26. Juni 2011 im Museum Folkwang in Essen, Museumsplatz 1. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Freitag bis 22.30 Uhr, Montag geschlossen.

Theaterplakate: Führungen Sonntag, 1. 5., 22. 5., 12. 6., jeweils 12 Uhr, und Mittwoch, 18. 5., 16 Uhr.

Formexperimente des Informel: Führungen am Sonntag, 24. 4., 15. 5., 5. 6., 26. 6., jeweils 12 Uhr, und am Mittwoch, 1. 6., um 16 Uhr.

Parallel zeigt das Folkwangmuseum Dokumentarfotografie von Jürgen Heinemann und Tobias Zielony, die große Kombi-Wechselausstellung zu Antje Dorn und den Folkwang-Neuerwerbungen (bis 29.5.2011) sowie bis 12.6. 3348 zur Neuen Kunst in Essen.