Essen mit Kleinkindern – Ein Rollenspiel

Bei den Mahlzeiten gelten klare Spielregeln für Eltern und Kind

Eltern machen sich ständig Sorgen um das Ess-Verhalten ihrer Kinder. Klar definierte Spielregeln für beide gewährleisten eine gesunde Ernährung im Kleinkind-Alter.

Im Hinblick auf die Nahrungsaufnahme beginnt die Entwicklung vom Säugling zum Kleinkind ab dem sechsten Lebensmonat und verläuft stetig. Zunächst stillen die Kleinen ihr Saugbedürfnis entweder durch die Aufnahme von Muttermilch oder durch Pre-Nahrung aus der Flasche. Nach dem ersten Lebenshalbjahr – bei manchen Babys auch mit dem Durchbruch der ersten Zähnchen – entflammt das Interesse an fester Nahrung. Mit gierigem Blick wird den „Großen“ beim Essen zugeschaut; lauter Protest weist darauf hin, dass die Kleinen mit am Tisch sitzen und an den Mahlzeiten teilnehmen wollen. In vielen Fällen ist jedoch nicht klar, was und wie viel kleine Kinder essen sollten. Zur Vereinfachung dieses immer wiederkehrenden Themas können klare Spielregeln sowohl für Eltern als auch für die Kinder aufgestellt werden. Dabei kommt beiden eine genau definierte Rolle zu, an die sie sich zu halten haben.

Die Aufgabe der Eltern – Was, Wann und Wie wird gegessen?

Die Rolle der Eltern beim Thema Essen ist klar definiert. Zunächst entscheiden sie, was ihr Kind zu Essen bekommt. Sie suchen aus, welche Speisen-Zusammenstellung auf den Tisch kommt und nutzen dabei ihre Erfahrungen und Kenntnisse über gute und gesunde Ernährung. Ihr Job ist es außerdem, die Mahlzeiten auch zuzubereiten. Desweiteren bestimmen die Eltern, wie oft und zu welchen Zeiten sie ihrem Kind das ausgewählte Essen anbieten. Sie stellen das Essen auf den Tisch. Zusätzlich legen die Eltern auch ganz klar fest, wie gegessen wird; sie stellen Verhaltensregeln auf, die bei den Mahlzeiten gelten und setzen diese auch durch. Kann ihr Kind noch nicht selbständig essen, bieten sie ihm ihre Hilfe an, wobei sie so viel wie nötig, jedoch so wenig wie möglich helfen sollten. Während der Mahlzeiten sollten die Eltern für eine angenehme Atmosphäre sorgen, als gutes Vorbild für ihre Kinder fungieren und selber mit Genuss essen.

Die Aufgabe des Kindes: Ob und wie viel wird gegessen?

Auch die Aufgabe des Kindes ist klar definiert; es entscheidet selbst, ob es von der ihm angebotenen Mahlzeit etwas essen möchte. Ebenso wählt es eigenständig aus, welche Speisen es davon essen möchte und vor allem bestimmt es allein, wie viel es von dem ihm gereichten Nahrungsangebot essen möchte, das heißt, es hört auf zu essen, wenn es satt ist. Während der gemeinsamen Mahlzeiten sollte das Kind auch die von den Eltern vorgegebenen Verhaltensregeln einhalten.

Was braucht ein Kind zum Leben?

Eine gesunde Ernährung für Kleinkinder ist gewährleistet, wenn das Angebot der Speisen vielfältig und ausgewogen ist, wobei die Gerichte möglichst reich an langkettigen Kohlenhydraten (enthalten in Nudeln, Reis und Kartoffeln), jedoch arm an Fett und Zucker sein sollten. Ein Blick auf die Ernährungs-Pyramide ist für die optimale Zusammenstellung eine anschauliche Hilfe. Als Grundnahrungsmittel sollten Obst und Gemüse immer reichlich angeboten werden, denn davon kann ein Kind nie zu viel bekommen. Ist der Tisch mit einer bunten, reichhaltigen Auswahl an Nahrungsmitteln gedeckt, kann ein Kind stets ganz allein entscheiden, ob und wie viel es essen möchte, ohne irgendwelche Mangelerscheinungen davon zu tragen. Auch der gegensätzliche Fall, die Gefahr des Überessens, besteht dann nicht.

Wenn sich Eltern um das Ess-Verhalten ihrer Kinder sorgen

Viele Eltern von Kindern im Kleinkind-Alter machen sich Sorgen über das Ess-Verhalten ihres Kindes; die meisten befürchten, dass ihr Sprössling zu wenig zu sich nimmt, andere haben Angst, ihr Kleines esse zu viel und ist bzw. wird daher zu dick. Grundsätzlich gilt für all diese Fälle: ist das Kind gesund und entwickelt es sich normal, dann isst es höchstwahrscheinlich auch gesund und richtig; egal, ob sein Körper zu dünn, zu dick oder durchschnittlich erscheint. Ein gleichmäßiges Wachstum ist immer ein gutes Zeichen. Eltern sollten um Himmels Willen keine Traumfigur für ihre Kinder anstreben, sondern es so annehmen und lieben wie es ist. Jedes andere Verhalten kann gesundheitsgefährdende Folgen für die Kleinen haben. Bei Beachtung der zu Beginn beschriebenen Spielregeln findet ein Kind seine optimale, durch Veranlagung vorgegebene Gewichtslinie von ganz allein.

Regelmäßige U-Untersuchungen bei Kindern decken Entwicklungsstörungen auf

Bestehen dennoch Zweifel an der körperlichen Entwicklung, so können diese im Rahmen der regelmäßig durchgeführten und als Vorsorge dienenden U-Untersuchungen mit dem Kinderarzt besprochen werden. Anhand der im Untersuchungsheftchen enthaltenen Wachstumskurven von Gewicht und Größe können Unregelmäßigkeiten oder eventuelle Abweichungen sofort erkannt werden.

Essen funktioniert nach klaren Spielregeln

Werden die zu Beginn beschriebenen Spielregeln zum Thema Essen befolgt und nimmt jeder seine Rolle an, gibt es mit Kindern bei Tisch so gut wie keine Probleme. Die Mahlzeiten verlaufen sowohl für Eltern als auch für Kind stressfrei und entspannt. Die Kleinen lernen, ohne Druck selbständig und mit Genuss zu essen. Zusätzlich bekommen sie alle essentiellen Nährstoffe in einer Menge, die für eine gesunde Entwicklung nötig sind.

Quellenangabe:

Jedes Kind kann richtig essen von Anette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth, Oberstebrink-Verlag, Ratingen, 1999.

Michaela Maerten, Michaela Maerten

Dr. Michaela Märten - Seit dem Abitur bin ich darauf aus, meine Hobbys zum Beruf zu machen. Als natur(wissenschaftlich) begeisterte Person ist mir dies bisher ...

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