Essen und Identitätsbildung in Mittel-und Westeuropa

Persönliche Identität und Essen unterliegen im 21. Jahrhundert den Faktoren Globalisierung und Konsum gegenüber kulturellem Wandel und Familienbewusstsein.

Identifizieren wir uns durch Essen? Es scheint, als hätte jeder Mensch, jede Kultur, jedes Volk und jeder Staat seine eigene Esskultur. Der Konsum von Essen und Trinken spielt nach wie vor eine bedeutende Rolle in der Bildung von nationalen Identitäten. Trotz eines einheitlichen europäischen Marktes gibt es regionale Differenzen in der Konsumation von Essen und Trinken.

Unsere Essgewohnheiten, Nahrungszubereitung- und beschaffung haben sich seit Ursprung der Menschheit ständig gewandelt. Dies hat als Hauptursache die ständig wachsende Globalisierung, aber auch Veränderungen der persönlichen Einstellung zu Essen und Trinken.

Wie hängt Globalisierung mit unserem Essen zusammen?

Der Stellenwert der Nahrungsbeschaffung spielt heute wie damals eine entscheidende Rolle in Expansion und Handel. Jene Märkte waren die ersten im globalen Austausch mit Waren und somit auch der Esskulturen. Die Politik begann dies zu erkennen und regelte die Produktion, den Handel und den Konsum von Waren systematisch. Manche Länder könnten sich heute ohne Import nicht selbst ernähren. Nahrung ist auch maßgeblich an der Entwicklung von Finanzmärkten, Migration und Kommunikation. Essen ist behilflich in der Klassifizierung sozialer Normen. Einfach gesagt: Essen bedeutet überleben.

Jeder Mensch identifiziert sich anders mit Essen

Essen ist Teil von uns allen, eine Quelle persönlicher Identität. Nicht selten bekommen wir zu hören: "Du bist was du isst." Essen ist ein sozialer und kommunikativer Prozess, der die Familie verbindet - an besonderen Ereignissen wie Weihnachten, Geburtstage oder als Mittelpunkt gemütlichen Zusammentreffens.

In Zeiten moderner Globalisierung sind Faktoren wie "Schnelllebigkeit", Authentizitätsverlust (industriell hergestelle Nahrung dominiert), Stress und Esskrankheiten hinzugekommen. Biotechnologische Maßnahmen sorgen dafür, dass in der Gesellschaft ein breitgefächertes Angebot an Alternativen zur Verfügung steht. Der Mensch hat die Wahl, welche Nahrung er zu sich nehmen will. Woher unser Essen kommt, sollte jedoch ins Bewusstsein der Menschen gelangen.

Migration und der Effekt auf die kulturelle Identität

Was bedeutet gutbürgerlich oder Hausmannskost? Fast jede/r Österreicher/in und jede/r Deutsche/r identifiziert mit diesen Begriffen typisch traditionelle Gerichte wie z.B. Kohlrouladen und Tafelspitz aus vorwiegend nationalen Erzeugnissen.

Es ist sehr entscheidend, in welcher Art und Weise unterschiedliche Ethnien die Herstellung, den Handel und den Konsum von Essen geprägt haben und auch weiterhin prägen sowie mit vorherrschenden Identitäten verwoben sind. "Gastarbeiter" prägten in der Geschichte das Land maßgeblich. Die Pizza ist vom heimischen Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Gleichermaßen bedeutet dies eine Öffnung zu fremden Kulturen und Küchen auf beiden Seiten, mit dem Ziel friedvollen Zusammenlebens. Der Import der Kartoffel im 16. Jahrhundert oder dem Döner Kebab als das wohl berühmteste Fast Food ist schon lange entscheidend in unserer Kultur verankert.

Beim Japaner oder Inder zu essen, um hier nur Beispiele zu nennen, bedeutet, Lebensqualität als moderne Form von Unterhaltung zu leben oder "dem Alltag zu entfliehen". Essen in einem ethnischen Restaurant wird assoziiert mit Urlaub oder Interesse am Exotischen. Gleichzeitig ist das "Auswärts-Essen" Mittelpunkt kulturellen Zusammentreffens. Ohne dass wir es vielleicht bewusst merken, einverleiben wir uns Essen über die kulturellen Grenzen hinaus.

Quellen:

Nützenadel, Alexander; Trentmann, Frank: Food and globalization: consumption, markets and politics in the modern world. Oxford: Berg, 2008

Teuteberg, Hans Jürgen: Essen und kulturelle Identität: europäische Perspektiven. Berlin: Akad.- Verl., 1997

Christina Doleschal, Christina Doleschal

Christina Doleschal - Persönlichkeit Ich bin fleißig, verantwortungsbewusst, kreativ, sehr zuverlässig und verstehe es, micht für andere ...

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