Der deutsche Ableger des red dot design museum residiert auf Zeche Zollverein, dem Weltkulturerbe in Essen (das andere red dot design museum befindet sich in Singapur). Seit Mitte der 1980er Jahre ist Zollverein aber sowieso keine Zeche oder Industriestätte mehr, sondern inzwischen Industriekulturstätte zur Erholung, für Museen, an einigen Stellen auch Ort der Kreativwirtschaft.

Zollverein: die Design-Zeche

Zollverein – erbaut 1928 bis 1932, mit ästhetischem Anspruch: nicht nur funktional sollten die Gebäude sein, sondern auch schön. Das Gelände mit seinen profanen Zechenbauten wurde so zum "Gesamtkunstwerk".

Und trotzdem gleichzeitig eine Billig-Bauweise, schon damals: Gebäude aus Stahlgerüsten mit dünnen Klinkern als Füllung, angelegt auf eine Nutzungsdauer von etwa 60 Jahren. Ende des Zechenbetriebs konsequenterweise 1986; vor dem unausweichlichen Verfall wird das Zollverein-Ensemble seit Mitte der 1990er Jahre in permanenten Sanierungsmaßnahmen gerettet.

red dot, Design und SANAA

Neben dem eigentlichen Ensemble aus ehemaligen, restaurierten Zechen- und Kokerei-Gebäuden gibt es auch neue Bauten, das auffälligste sicher das SANAA. Warum das trendige red dot-Designmuseum nicht statt im restaurierten Kesselhaus im wesentlich trendigeren SANAA-Gebäude, dem auffälligen weißen Kubus mit asymmetrischen Fenstern im nordwestlichen Bereich des Zollverein-Geländes an der Gelsenkirchener Straße (siehe Foto unten), untergebracht ist, bleibt eine offene Frage.

Ein Museum für todschickes Design

Vielleicht wollte man einfach nicht umziehen, denn als der weiße SANA-Kubus 2006 gebaut wurde, residierte das red dot-Designmuseum schon einige Jahre im Kesselhaus, das von außen und auch von innen wahrlich nicht innovativ und aktuell wirkt: Dort wird eher konventionell die Industriekultur (die Geschichte der vergangenen Kohl- und Stahl-Wirtschaftsgeschichte) aufbereitet, so wie dies 2010, als das Ruhrgebiet europäische Kulturhauptstadt war, ruhrgebietstypisch wurde, wie dies aber inzwischen in vielen ehemaligen Industrieregionen Usus ist, von Chicago bis Liverpool.

Industriekultur: Inszenierung der Industriearchitektur

Das Kesselhaus ist eigentlich eine Gebäudeensemble und umfasst neben dem Haupthaus auch zwei Seitenflügel. Es steht etwas abseits rechterhand des Haupteingangs und sieht, wenn man direkt davor steht, eher unscheinbar aus.

Seine heutige - wie schon in den 1930er Jahren sorgfältig inszenierte - Wirkung eröffnet sich aber vom Platz am Zollverein-Eingang, wo der Durchgang zwischen Halle 5 und 6 einen tollen Blick auf die geometrische, flächige Architekturinszenierung bietet mit einer treppenartigen Staffelung von den Seitenflügeln nach oben zur Mitte (Fotos unten) .

Kesselhaus: Flächige Treppenfassade schließt auf zu Schornstein

Wer in den 1970er Jahren auf das Kesselhaus schaute, war aber nicht nur umgeben von industriellem Treiben, Lärm und Dreck (wobei sich dies in Grenzen hielt, da der Haupteingang immer schon ein repräsentativer war, der nur von Besuchern genutzt wurde, nicht von den Arbeitern) - er blickte auch auf ein völlig anderes Gebäude.

Ursprünglich lief die Fassaden- "Höhenstaffelung" des Kesselhauses optisch auf den heute nicht mehr erhaltenen über 100 m hohen Kamin zu, der hinter dem Kesselhaus stand (Route Industriekultur). Man denke sich also noch einen 100 Meter hohen Schornstein dazu, der die höchste "Treppenstufe" der Kesselhaus-Fassade noch um mindestens 60 Meter überragt haben muss.

Was wurde im Kesselhaus gemacht?

Das Kesselhaus versorgte früher die Zollverein-Anlage mit Druckluft, denn für den Bergbau benötigte man Abbauhämmer, Schüttelrutschen, Druckluftlokomotiven und viele andere Geräte - und die wiederum brauchen eine große Menge Nieder- und Hochdruckluft, die im Kesselhaus produziert wurde (Route Industriekultur).

Und was ist eine Schürerhalle?

Für die Nutzung als Design-Museum wurde das Kesselhaus vom englischen Architekten Norman Foster umgebaut. Das red dot-Museum hat das historische Gebäude geradezu vollgestopft mit seinen historischen und aktuellen Designprodukten. Für Events wird die mittig gelegene 23 Meter hohe Schürerhalle (siehe Bilder) zusammen mit den imposanten Kesseln des Schürerstandes genutzt: das war der Bereich, wo früher das Feuer zur Erzeugung der Druckluft "geschürt" wurde - daher der Name "Schürerhalle".

Und auch wenn das Kesselhaus nicht wirklich aktuelle Architektur bietet und statt dessen etwas klassizistisch daherkommt - innen ist es trotzdem ein schöner Ausstellungsort, und das Neue und Alte zusammen - das, so eine Mitarbeiterin, sei ja gerade der Reiz des red dot-Museums.

Weitere Infos zum red dot design-museum mit Öffnungszeiten, Anfahrt und so weiter.