Essens Einwohnerzahl schrumpft immer mehr

Reduzierung der Kultur in der Kulturhauptstadt 2010?

Bankgebäude gegenüber dem ehemaligen Gildehofbad - Hans-Christian Hein, Pixelio
Bankgebäude gegenüber dem ehemaligen Gildehofbad - Hans-Christian Hein, Pixelio
Bis vor wenigen Jahren war Essen noch die viertgrößte Stadt Deutschlands mit über 600.000 Einwohnern. Mittlerweile wurde Essen von Dortmund überholt.

Die Einwohnerzahl in Essen liegt aktuell bei 580.000, Tendenz weiter abnehmend. Die Gründe sind sicherlich in einigen politischen Maßnahmen zu finden, die nicht immer auf uneingeschränkte Zustimmung der Bürger stießen beziehungsweise stoßen.

Das Bädersterben in Essen

Auch wenn die SPD das Thema "Hesse" zum Schwerpunkt ihres Wahlkampfes bei der Kommunalwahl 2009 gemacht hat, so ist das Tauziehen um das traditionsreiche Freibad in Dellwig an der Stadtgrenze zu Bottrop immer noch nicht beendet. Es fehlt immer noch an einem klaren Konzept. Mittlerweile ist sogar im Gespräch, auf dem ehemaligen Güterbahnhof Essen-West in Frohnhausen ein Kombi-Bad zu errichten, vor einigen Jahren wurde jedoch das in der Nähe liegende Nöggerathbad geschlossen. Auf dem ehemaligen Gelände des Freibades wurden Eigenheime errichtet.

Auch die Oase in Frohnhausen, das erste Spaßbad in Essen, soll zum 1. April 2010 geschlossen werden. Einige Kommunalpolitiker verweisen in Bezug auf Hesse und die Oase auf die Möglichkeit, doch das neu zu bauende Bad in Oberhausen aufzusuchen und treiben mit dieser resignativen, gleichgültigen Haltung sicherlich noch mehr Einwohner und Besucher aus der Stadt.

Bis zum Jahr 1999 gab es im Essener Norden das sehr beliebte Kuhlhoffbad in Altenessen-Nord. Trotz guter Besucherzahlen in den Sommermonaten und gegen den Willen der Bewohner des Essener Nordens wurde das Schwimmbad nach der Freibadsaison 1999 geschlossen. Die Bewohner von Altenessen, Karnap und Katernberg sind nun gezwungen, weiter entfernte Freibäder aufzusuchen wie etwa Hesse in Dellwig, das Bad im Revierpark Nienhausen in Gelsenkirchen oder das Sol- und Freibad Vonderort auf der Stadtgrenze Bottrop/Oberhausen. Für motorisierte Schwimmwillige mögen diese Entfernungen noch problemlos überbrückbar sein, für Kinder und Jugendliche hingegen, die den ÖPNV nutzen müssen, sind diese Wege kaum in kurzer Zeit zu schaffen. Selbst weitere Freibäder in Essen wie etwa das Grugabad in Rüttenscheid würden einen immensen Zeitaufwand darstellen, um dorthin zu kommen.

Immer mehr Lehrer, Schwimmmeister und Rettungskräfte beklagen, dass immer weniger Kinder und Jugendliche richtig schwimmen können, sodass es infolge dessen zu einer steigenden Zahl der Badeunfälle kommt. Der Anreiz, schwimmen zu lernen, wird jedoch nicht gerade durch weit entfernte Bäder und die Reduktion des Schwimmunterrichts in der Schule geboten.

Millionengrab Gildehofbad

Im Jahr 1987 öffnete das Gildehofbad an der gleichnamigen Straße seine Pforten. Für mehrere Millionen D-Mark wurde ein Hallenbad mit Wellness-Zone, ampelgeregelter Wasserrutsche und ähnlichem eingerichtet. Die Stadtväter erhofften sich wohl, dass das Bad ein Publikumsmagnet würde aufgrund seiner Nähe zum Essener Hauptbahnhof, zumal das Bad dann auch gut für Besucher aus den Nachbarstädten zu erreichen gewesen wäre.

Die Besucherzahlen blieben jedoch weit hinter den Erwartungen zurück, was nicht alleine durch starke Konkurrenz in Gestalt des Bochumer Aquadroms erklärt werden kann. Beispielsweise waren die Damen-Umkleidekabinen von der Gildehofstraße aus sehr gut einzusehen, sodass sich die Schwimmerinnen eher wie auf einem Präsentierteller fühlten. Nicht umsonst schnellte die Zahl der Auffahrunfälle in Höhe des Gildehofbades während dieser Zeit in die Höhe, da einige Autofahrer offensichtlich von den halbnackten Damen abgelenkt waren.

Das Gildehofbad wurde bereits 1990 wieder geschlossen. In den Folgejahren wurden wiederum für mehrere Millionen D-Mark alle Schwimmbadeinrichtungen aus dem entsprechenden Gebäudeteil entfernt. Heute beherbergt dieser Teil des Gildehof-Centers eine Filiale der Spielwarenkette Toys R Us, ein weiterer Teil des ehemaligen Bades gehört heute zur Stadtbücherei.

Auch weitere kulturelle Einrichtungen setzen sich in Essen nicht durch

Im Jahr 2010 schließt das Musik-Theater Colosseum aufgrund mangelnder Besucherzahlen seine Pforten, obwohl es sehr verkehrsgünstig liegt. Der ÖPNV ist in weniger als zwei Minuten fußläufig zu erreichen und für Besucher, die mit dem eigenen Pkw anreisen, bestehen ebenfalls gute Verkehrsanbindungen, zumal sich das Musik-Theater unmittelbar an der Altendorfer Straße (B231) befindet und es in der Nähe weitere Anziehungspunkte wie das benachbarte Cinemaxx oder das neue Shopping-Center Limbecker Platz gibt. Auch die Autobahnen 40 und 42 sind von dort aus gut erreichbar und nicht allzu weit entfernt. Ein Sprecher von Stage Entertainment teilte mit, dass lediglich das Musical "Elisabeth" dem Colosseum schwarze Zahlen beschert habe, alle anderen, seit 1998 dort aufgeführten Musicals wie etwa "Mamma Mia!", "Ich will Spaß" oder "Buddy Holly" konnten noch nicht einmal annähernd die Produktionskosten decken. Die Spielzeiten der zuletzt gezeigten Shows wurden immer kürzer.

Obwohl die Nachbarstadt Oberhausen mit über 400.000 Einwohnern wesentlich kleiner ist als Essen, etablier(t)en sich jedoch dort mit Erfolg das Centro, das benachbarte Musik-Theater, das Sol- und Freibad Vonderort sowie der dazugehörige Revierpark, das Gasometer und der Kaisergarten. Lediglich die Einzelhändler in der ehemaligen Oberhausener Stadtmitte klagen aufgrund des Centros über Umsatzschwierigkeiten. Manche begründen den Erfolg der Kultur- und Shopping-Einrichtungen in Oberhausen damit, dass diese in unmittelbarer Nähe der Autobahnen 42 und 516 beziehungsweise direkt an der B223 liegen, doch dies kann nicht der alleinige Grund sein.

Auch die Grugahalle hat ihren Rang verloren

In früheren Jahrzehnten kamen für ihre Zeit sehr berühmte und beliebte Künstler und Bands in den Schmetterlingsbau direkt am Grugapark in Rüttenscheid. Status Quo, Alice Cooper, Rolling Stones und Falco sind nur einige der Künstler, die dort aufgetreten sind und damals entsprechend erfolgreich waren. Heute hingegen treten in der Grugahalle nur noch Künstler auf, die ihre größten Zeiten schon hinter sich haben wie etwa ZZ Top, Gary Moore, Alice Cooper und einige Schlagerstars. Richtig erfolgreiche Publikumsmagnete wie Robbie Williams, Metallica, Tokio Hotel, AC/DC, Die Toten Hosen et cetera treten entweder in der KöPi-Arena Oberhausen am Centro, in der Dortmunder Westfalenhalle oder in der Arena auf Schalke auf. Auch die LTU-Arena im etwa 30 Kilometer entfernten Düsseldorf wird lieber von bekannten Rockgrößen wie etwa Iron Maiden oder Doro genutzt als die Grugahalle, zumal die genannten Hallen und Arenen ein wesentlich größeres Fassungsvermögen haben als die Grugahalle für maximal 4.000 Zuschauer.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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