Esther Verhoef: Hingabe

Esther Verhoef spielt regelrecht mit dem Leser, versetzt ihn in Spannung, Verwirrung und bietet ihm einen lesenswerten, mit einem Preis versehenen Thriller.

Sie hofft auf einen Neubeginn. Ihren untreuen Ehemann hat sie verlassen. Ihren Job gekündigt. Margot Heijne, Anfang dreißig, rote Haare …

Er kann es nicht lassen. Und geht mit unglaublicher Präzision vor. Seine Morde sind wahre Kunstwerke. Seine Opfer sind Frauen. Frauen mit roten Haaren …“

Mit diesen Zeilen lockt Esther Verhoef jeden, der das Buch „Hingabe“ in seinen Händen hält, es augenblicklich zu lesen. Nicht umsonst bekam sie für ihr Werk den holländischen Thrillerpreis.

Der Inhalt

Margot Heijne ist eine vom Dorf- und kleinbürgerlichen Leben geprägte Frau, die jedoch schon immer anders war und dafür verspottet wurde. Sie hat eine Trennung mit ihrem Exfreund John hinter sich, der sie mit der Zeit abwertend behandelt und ihr Selbstvertrauen auf den Tiefpunkt gebracht hat und sie mit ihrer Freundin Mieke betrogen hat. Ein Kurztripp nach London soll den Herzschmerz lindern. Prompt macht sie die Bekanntschaft mit Leon, einem Kunstfotograf, der sie sofort in seinen Bann zieht. Er ist völlig anders als John, erkennt sofort ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte, bringt binnen zweier Tage völlig verborgene Eigenschaften und Gefühle in ihr auf. Seine mächtige, sichere Art weckt in ihr eine völlige Hingabe und lässt sie Dinge tun, die sie zuvor nie von sich erwartet hätte. Sie taucht, wieder zurück in Holland, in eine völlig neue Welt ein, eine Welt voller Verrücktheiten, skurriler Schönheit und Kreativität. Es kommen jedoch Geheimnisse um die ehemalige Freundin Leons auf, die Selbstmord begangen haben soll und ihr selbst erschreckend ähnlich sieht. Zweifel beginnen in ihr zu keimen, die immer größer werden, je mehr Leon ihr verbietet, über das Thema zu reden. Bald überschlagen sich die Ereignisse und ihr Exfreund John begeht Selbsmord. Sie merkt nicht, in welch schrecklicher Gefahr sie schwebt…

Während der gesamten Erzählung taucht der Leser in die zwischengeschobenen Gedanken und Handlungen eines Mörders ein, dessen Befriedigung in der Ausübung seiner Macht liegt: Der Mord - als Betrachtung einer Art persönlichen, perfektionistischen Kunst.

Die Figur Leon

Als Leser ist man von der strahlenden, schimmernden Art Leons regelrecht verzaubert und man kann sich einerseits ganz in Margots Zuneigung hineinversetzen. Andererseits wird man von einem unguten, lauernden Gefühl begleitet, das sich in Handlungen Leons bestätigt: Die Macht, die er nutzt, um Margot auf einen sexuellen Höhepunkt zu bringen ohne sie auch nur zu berühren, ihre bedingungslose Hingabe zu ihm, der scheinbar etwas Dunkles, Bösartiges verbirgt, weckt den Drang zu rufen: Margot tu’s nicht!

Die Sprache im Buch

Die Autorin versteht es, den Leser einzuwickeln in ein Netz aus Zweifeln und Sicherheiten, ihn zu bestätigen und gleichzeitig in die Irre zu führen – wie es sich für einen Thriller gehört; natürlich auch durch eine überraschende Wendung. Auch wenn der schleichende Vorgang der Geschichte und die unbemerkten Grenzen, die Margot überschreitet, eine kitzelnd kalte Spannung auslöst – zu Anfang ist sie doch etwas langatmig und von einfacher, dahinplätschernder Sprache. Die Mühe, das Buch zu Ende zu lesen lohnt sich jedoch: Niemand wird es durch den brillanten Ausgang bereuen.

Die Autorin: Esther Verhoef

Die Autorin wurde 1968 in s´Hertogenbosch geboren, einer niederländischen Stadt mit circa 136.000 Einwohnern. Gemeinsam mit ihrem Mann Berry Verhoef gründete sie das Pseudonym Escober. Unter dem Namen Esther Verhoef sind bereits folgende Thriller erschienen: "Déjà vu", "Erken mij", "Alles te verliezen", "Rendez-vous" (dt.: Der Geliebte), "De perfecte partner" sowie "Close-up". Letzteres ist der Originaltitel der deutschen Ausgabe "Hingabe". Der Titel Close-Up bezieht sich einerseits auf die Fotografien von Leon, der meist mit Nahaufnahmen arbeitet, sowie auch die teils gefährliche Nähe zwischen Margot und bestimmten Personen. Auch Esther Verhoef selbst fotografiert - vor allem Close-Ups - und vielleicht ist der Beruf ihrer Figur Leon durch ihre eigene Leidenschaft für Fotografie entstanden. Sowohl als Escober wie auch unter ihrem eigenen Namen gewann Esther Verhoef viele Preise, unter anderem den niederländischen Thrillerpreis, für den sie als erste niederländische Autorin ausgezeichnet wurde.

Heute lebt Esther Verhoef und ihr Mann in Südfrankreich.

Esther Verhoef: Hingabe, btb-Verlag.deutschsprachige Ausgabe erschienen 2010. gebundene Ausgabe.416 Seiten. 19,95 Euro

Sonja Köhler, Sonja Köhler

Sonja Köhler - Liebe Leser und Leserinnen, Da ich noch zur Schule gehe, konnte ich bis jetzt keine berufliche Erfahrung als Journalistin oder ...

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