Ethnische Gruppen in Afghanistan

Ethnische Gruppen in Afghanistan-Skizze - Celestina Warbeck
Ethnische Gruppen in Afghanistan-Skizze - Celestina Warbeck
Die ethnische Vielfalt in Afghanistan ist vor allem auf die zentrale geografische Lage und auf die Geschichte des Landes zurückzuführen.

Afghanistan ist sehr zentral im Mittleren Osten gelegen und wurde bereits im Altertum als Durchfahrtsland genutzt. Die Seidenstraßen, die die Mittelmeerküste mit dem alten China verbanden und durch Nord-Afghanistan verliefen, waren wichtige Handelsverbindungen, durch die die unterschiedlichsten Menschen in Afghanistan zusammentrafen.

Auch durch einige Feldzüge, wie zum Beispiel dem des Alexander der Große, vermischten sich diverse Bevölkerungsgruppen. So wurde aus Afghanistan nach und nach ein Vielvölkerstaat mit so vielen unterschiedlichen ethnischen Gruppen, dass es kaum möglich ist, eine Gruppe als „die Afghanen“ zu bezeichnen.

Die Paschtunen

Die Paschtunen bilden mit gut 10 Millionen Menschen die größte ethnische Gruppe in Afghanistan. Sie leben bevorzugt in den südöstlichen Gebieten des Landes. Ihre Hauptidentitätsmerkmale sind die gemeinsame Sprache, das Paschtu, sowie das Paschtunwali, eine Art Ehrenkodex. Dies sind soziale Normen und Werte wie Gastfreundschaft, Schutz und Vergebung, die für jeden Paschtunen selbstverständlich sein sollten. Im Zuge der Paschtunisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts sollten viele Paschtunen auf Anordnung des Staates in den Norden Afghanistans umsiedeln, was vor allem der Eingliederung des durch russische Expansionsbestrebungen gefährdeten Nordens dienen sollte.

Die Tadjiken

Die Tadjiken stellen die zweitgrößte Ethnie Afghanistans dar und sind als weit heterogenere Gemeinschaft zu verstehen. Anstatt sich wie die Paschtunen über die gemeinsame Ethnie zu identifizieren, sehen die Tadjiken vor allem in ihren Dörfern den größten Zusammenhalt. Die Tadjiken sind in der Regel sunnitische Muslime und leben überwiegend im Nordosten Afghanistans. Ihre gemeinsame Sprache ist das Farsi Dari, was im Grunde Persisch ist.

Die Hazara

Die Hazara leben mehrheitlich in Zentralafghanistan. Aufgrund ihrer äußeren Ähnlichkeit zu den Mongolen und den zahlreichen mongolischen Lehnwörtern in ihrer Sprache, dem Hazaragi, gelten sie als direkte Nachkommen der mongolischen Eroberer. Die Hazaras sind schiitische Muslime, was vor allem in den urbanen Regionen zu Konflikten mit der sunnitischen Mehrzahl der afghanischen Bevölkerung führt.

Die Usbeken

Die Usbeken, sunnitische Muslime, leben vor allem am nordwestlichen Rand von Afghanistan. Dieses Gebiet wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts integriert, da es zuvor nicht mit den Paschtunen kooperieren wollte. Die Mehrheit der heutigen Usbeken kam um 1930 als Flüchtlinge aus dem dem Untergang geweihten zaristischen Russland nach Afghanistan.

Die Turkmenen

Auch die Turkmenen, ebenfalls sunnitische Muslime, leben im Nordwesten Afghanistans. Sie kamen, genau wie die Usbeken, als Flüchtlinge vor dem Kommunismus nach Afghanistan. Eine zwar kleine, aber bedeutende Gruppe der Turkmenen sind die schiitischen Qizilbasch (Rotköpfe, von ihrem roten Turban hergeleitet), die überwiegend in den urbanen Regionen Ostafghanistans leben. Diese kamen ursprünglich als Söldner nach Afghanistan, erwiesen sich jedoch schnell als wichtige Stütze des Königshauses.

Die Aimaq

Die Aimaq leben vorwiegend in Westafghanistan. Sie sprechen wie die Tadjiken Persisch und gehören dem sunnitischen Islam an. Sie leben allerdings teilweise noch in nomadischen Lebensformen.

Die Belutschen und die Brahui

Diese beiden ethnischen Gruppen Afghanistans leben im Süden des Landes. Die Belutschen und die Brahui sind zwar zwei unterschiedliche Ethnien, jedoch sind sich ihre Kulturen durch jahrelanges Zusammenleben sehr ähnlich geworden. Vor allem die Belutschen erweitern ihre Stämme gern durch die Aufnahme fremder Gruppen nach Kampfhandlungen oder durch Hochzeiten.

Araber und Inder in Afghanistan

Zwar hinterließen die Araber Afghanistan den islamischen Glauben, jedoch wird nur in kleinen Teilen im Norden des Landes Arabisch gesprochen. Viele Sikhs, Hindus und Jats sind nach der Teilung Indiens nach Afghanistan emigriert. Während die Sikhs und Hindus als Kaufleute angesehen sind, werden die Jats eher verachtet. Dies rührt von ihren Tätigkeiten als Musikanten, Zirkusleute und Wahrsager her.

Lesen Sie hier, wie die Taliban afghanische Frauen diskriminieren.

Quelle:

Olumi, Yama: Die Taliban 1994 – 1998. Der Stellenwert von Ethnizität im afghanischen Bürgerkrieg, Verlag für Wissenschaft und Forschung, Berlin 2002, S. 39 – 50.

Schreiben, Celestina Warbeck

Celestina Warbeck - - Studium der Islamwissenschaft und Skandinavistik - Sprachen: Deutsch, Englisch, Arabisch, Türkisch, Schwedisch, Dänisch, ...

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