
- Bio-Apfel - ja oder nein? - Lucky Luke, pixabay
Der Goldene Windbeutel ist in Bezug auf Lebensmittel mit der Goldenen Himbeere in Hollywood vergleichbar, den so genannten Anti-Oscar, für die schlechteste schauspielerische Leistung, den schlechtesten Film und so weiter.
Der Goldene Windbeutel des jeweiligen Jahres wird zwar von Foodwatch auf deren Homepage präsentiert, abstimmen können jedoch die Verbraucher – nicht etwa Lobbyisten der Lebensmittel-Industrie, die sich als sachverständiges Gremium deklarieren - auf der Schwesterseite abgespeist.de.
Die Ziele von Foodwatch
Foodwatch, eine unabhängige Organisation, bestehend aus neun Vollzeit- sowie drei Teilzeitkräften zuzüglich Praktikanten und Zivis, entlarvt die völlig legalen Werbelügen von Lebensmittelherstellern, um Verbraucher darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alles, was die Werbung als gesund deklariert, auch tatsächlich gesund sein muss. Sie nennen jedoch nicht nur das jeweilige Produkt, das mit Lügen beworben wird, sondern prangern auch den jeweiligen Hersteller an. Verbrauchern wird geraten, sich beim entsprechenden Hersteller zu beschweren, unter anderem wegen irreführender Werbung.
Das primäre Ziel von Foodwatch ist die Stärkung der Verbraucherrechte – je mehr Verbraucher sich gegen die fragwürdigen Praktiken der Lebensmittelindustrie wehren, desto eher besteht die Chance, auch tatsächlich etwas zu ändern.
Die Preisträger des Goldenen Windbeutels der Jahre 2009 und 2010
Im Jahr 2009 wurde der angeblich gesunde Trinkjoghurt Actimel von Danone, der laut Werbeslogan Abwehrkräfte aktivieren soll, mit dem Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge ausgezeichnet. In der dazugehörigen Pressemitteilung von Foodwatch heißt es, dass Actimel nicht besser oder schlechter vor Erkältungen schütze als andere Joghurts, dafür aber wesentlich teurer sei und jede Menge Zucker enthalte.
Der Goldene Windbeutel 2010 wurde Monte Drink von Zott verliehen. Obwohl es sich bei dem Drink angeblich um eine gesunde Zwischenmahlzeit für Kinder handelt, ist das Getränk extrem zuckerhaltig, noch zuckerhaltiger als Coca-Cola. Möglicher späterer Diabetes, Übergewicht und Schäden am Zahnschmelz lassen grüßen.
Der Preisträger für das Jahr 2011 steht bis dato noch nicht fest, soll jedoch im Sommer verkündet werden.
Weitere Mitbewerber für den Goldenen Windbeutel 2009 und 2010
Dazu zählen unter anderem der von Carlsberg als besonders gesund beworbene Softdrink „Bio Heimat Apfel und Birne“. Der Fruchtanteil ist gering, das Aroma wird eher durch künstliche Zusatzstoffe – im konkreten Fall E330 (Zitronensäure) und E300 (Ascorbinsäure) – erreicht.
Bei den Pasta-Saucen von Bertolli (Hersteller: Unilever) wird stets damit geworben, dass auf künstliche Aromen und Geschmacksverstärker verzichtet wird. Dennoch finden sich darin jede Menge künstliche Aromen. Sowohl im Jahr 2009 als auch im Jahr 2010 ist Bertolli mit einer Pasta-Sauce vertreten.
Gerade bei Produkten für Kinder ist die Werbung häufig irreführend
Die meisten Eltern achten selbstverständlich auf eine gesunde Ernährung für ihre Kinder, um eine gesunde Entwicklung ihrer Sprösslinge sicher zu stellen. Leider stellt sich jedoch gerade bei Produkten für Kinder, die besonders gesund sein sollen, vielfach heraus, dass es sich um regelrechte Zuckerbomben mit vielen Kohlehydraten handelt. Als Beispiele können angeführt werden „Biene Maja“-Kinderdrink von Bauer, „Frucht-Tiger“ von Eckes-Granini, die Milchschnitte von Ferrero, die angeblich besonders leicht schmeckt und nicht belastet, obwohl sich in der kleinen Zwischenmahlzeit ebenso viele Kalorien befinden wie in einem Stück Sahnetorte vom Konditor.
Der Süßwarenhersteller Storck wirbt gerade in seinen Spots für Nimm 2 –egal, ob klassisch als Bonbons oder als Lachgummi – mit der Aussage „Vitamine und Naschen“. In Wirklichkeit sind diese Bonbons auch nicht gesünder als Schokolade, Weingummis oder andere Süßwaren. Gesunde Süßigkeiten gibt es generell nicht, auch wenn die Werbung etwas anderes verspricht.
Fettreduziert heißt nicht gleich gesund
Da der Schlankheits- und Diät-Wahn spätestens Ende der 1990er Jahre auch in der Werbung Einzug gehalten hat, wird oft mit Produkten geworben, die angeblich nur extrem wenig Fett enthalten und somit zur Gewichtsreduktion beziehungsweise zum Erhalt des Idealgewichts gut geeignet sind, insbesondere wenn auch noch Obst darin enthalten ist, weil Obst und Gemüse ohnehin als gesunde Kost gewertet werden. Abgesehen davon, dass Fruchtgeschmack häufig auch nur über den Zusatz von künstlichen Aromen und Geschmacksverstärkern erreicht wird, verschweigt die Werbung gerne, dass das jeweilige Produkt zwar nur einen geringen Fettanteil enthält, dafür aber eine total hohe Menge Zucker. Ein gutes Beispiel hierfür ist der angeblich so gesunde Joghurt-Drink Jogolé von Zott, der zwar nur 0,1 Prozent Fett enthält, dafür aber mehr Zucker als die gemeinhin als besonders zuckerhaltig bekannte Coca-Cola.
Gleichwohl wird übersehen, dass Fett in Maßen – nicht etwa in Massen – ebenso ein wichtiger Nahrungsbestandteil ist wie etwa Kohlehydrate oder Eiweiß. Fett macht also nicht zwangsläufig dick. Hierbei spielen auch andere Ernährungsfaktoren eine Rolle. Wie bereits angesprochen, nützt es auch nichts, wenn ein Produkt zwar fettreduziert ist, diese Reduktion jedoch durch eine übermäßige Verwendung von Kohlehydraten in Form von Zucker aufgehoben wird. Dennoch sind Kohlehydrate als Energielieferant in Maßen ebenso essentiell wichtig wie andere Nahrungsbestandteile.
----------------------------
Quellen:
- Homepage von Foodwatch sowie deren Schwesterseite
- Sendung „Visite“ vom 3. Mai 2011 (20.15 Uhr, NDR)
Bildnachweis:
Alle Fotos: © Lucky Luke, pixabay
