In vielen Gegenden gelten Eulen auch heute noch als Toten-, Galgen-oder Unglücksvögel. Ruft zum Beispiel der Steinkauz des Nachts sein "ku-witt, ku-witt", sind abergläubische Menschen davon überzeugt, dass dies ein "komm mit, komm mit" bedeute. Die Angst der Menschen vor den "Nachtgreifern" liegt wohl auch darin begründet, dass man lange Zeit nichts wusste über das Leben dieser Vogelordnung. Ihre geheimnisvolle nächtliche Lebensweise, der geisterhaft lautlose Flug, die schauerlichen Stimmäußerungen, die großen Augen sowie der eigenartige Gesichtsschleier trugen zum "schlechten" Ruf der Eulen bei. Sie wurden über Jahrhunderte hinweg verfolgt und ihre Lebensräume zerstört. Der Einsatz von Insekten -, Ratten - und Mäusegiften tat sein Übriges, sodass die nützlichen Jäger immer seltener werden. Inzwischen sind sie streng geschützt.

Eulen sind wichtige Mäusevertilger

Wie Untersuchungen gezeigt haben, gehören Eulen zu den wichtigsten Mäusevertilgern. So liegt zum Beispiel bei Schleiereulen der Nahrungsanteil an Mäusen bei 93 Prozent, bei der Waldohreule sind es 91 Prozent, beim Steinkauz 88 Prozent und beim Waldkauz 68 Prozent. Eine einzige Waldohreule kommt im Jahr auf etwa 1000 schädliche Nager.

Warum Eulen für ihren nächtlichen Fang bestens ausgerüstet sind

Die Augen der Eule sind so groß, dass sie beinahe ein Drittel des gesamten Kopfgewichtes ausmachen. Ihr röhrenartiger Bau ermöglicht eine immense Sichtweite. Aufgrund der Tatsache, dass die Netzhaut der Eulen sehr viele lichtempfindliche Stäbchen trägt, sind sie dazu in der Lage, auch den kleinsten Lichtschimmer wahrzunehmen. Ihre Augen sitzen zwar starr in den Augenhöhlen, aber dafür sind sie imstande, den Kopf bis zu 270 Grad zu drehen. (drei Viertel eines Kreises)

Weitere Orientierungshilfen der Eulen bei der Jagd

Das ausgezeichnete Gehör der Eulenvögel kommt ihnen bei den nächtlichen Beutezügen zugute. Das ausdrucksvolle Eulengesicht, der Gesichtsschleier, besteht aus Schallfangfedern. Diese haben die Bedeutung einer großen Ohrmuschel. Das innere Ohr ist ebenfalls so ausgestattet, dass Eulen selbst in mondlosen Nächten das Rascheln einer Maus wahrnehmen können. Dem Bau der Schwungfedern, deren Vorderrand kammartig, deren Breitseite aber weich und fast watteartig aufgelockert ist, verdanken sie ihren lautlosen Flug. Das Opfer kann den Feind nicht hören. Wenn die fixierte Beute den Luftzug des heranfliegenden Nachtgreifers wahrnimmt, ist es bereits zu spät.

Nachwuchs der Eulenvögel

Eulen brüten in Höhlen, alten Bäumen, Felsen, in Gebäudenischen oder in verlassenen Nestern anderer Vögel. Eine Ausnahme bildet die Sumpfohreule; diese baut sich ein Nest. Im Abstand von 2-8 Tagen werden kreisrunde schneeweiße Eier gelegt. Das Weibchen bebrütet vom ersten Tag an. Während der vierwöchigen Brutzeit füttert das Männchen sein Weibchen. Die blind - und nackt geschlüpften Jungen tragen ab dem dritten Tag ihr erstes und vom neunten Tag an ihr zweites Dunenkleid.

Quellen:

  • Die große farbige Tierwelt von Ursula und Willi Dolder, Bassermann Verlag, ISBN 978 3809402145, € 9,90
  • Planet Wissen