Europa - Wasser auf dem Jupitermond entdeckt?

Künstlerische Sicht eines Sees in der Kruste - NASA
Künstlerische Sicht eines Sees in der Kruste - NASA
Ein US-Forscherteam will einen See in der Kruste von Europa entdeckt haben - Nur eine weitere Theorie oder ein handfester Beweis für flüssiges Wasser?

Schon lange vermuteten Astronomen einen unterirdischen See auf dem Jupitermond Europa, nun wurden scheinbar durch Aufnahmen der Raumsonde „Galileo“ erstmals handfeste Hinweise für die Existenz von Wasser und damit möglichen Lebens gefunden.

Raumsonde Galileo

Die Raumsonde Galileo startete 1989 ihre sechsjährige Reise zum Planeten Jupiter. Die Forschungsergebnisse dieser Mission waren bahnbrechend für das Verständnis des Sonnensystems. Es wurden die enormen Stürme auf Jupiter entdeckt, die um ein vielfaches stärker sind als die Erdstürme, sowie die Jupiterringe.

Doch auch die vier galileischen Monde sorgten für Überraschungen: Io hat aktive Vulkane, Ganymed ein eigenes magnetisches Feld und sowohl Kallisto, als auch Europa vielleicht einen Ozean unter ihrer Oberfläche. Im Gegensatz zu Europa muss sich Kallistos Ozean aber unter einer sehr dicken Oberfläche befinden.

Durch die mögliche Existenz von Wasser auf Europa, ist auch das Vorhandensein von Leben auf diesem Mond nicht auszuschließen. Leben bedeutet aber in diesem Falle nicht intelligentes und hochentwickeltes Leben wie auf der Erde in Form von Pflanzen und Tieren, sondern eher einfaches ein- oder mehrzelliges Leben.

Diese Möglichkeit des vorhandenen Lebens beudeutete aber gleichzeitig das Ende für die Galileo-Mission. Aus Angst einer möglichen Kontamination von Europa mit terrestrischen Bakterien wurde die Raumsonde 2003 gezielt zum Absturz in den Jupiter gelenkt und verbrannte in seiner Atmosphäre. Denn es bestand die Gefahr, dass die defektanfällige Raumsonde bald nicht mehr lenkbar sein würde und auf Europa stürzen könnte.

Europa – der Eismond

Europa gehört zu den vier galileischen Monde, benannt nach ihrem Entdecker Galileo Galiei. Diese vier Monde (Io, Europa, Ganymed und Encleadus) sind gleichzeitig auch die vier größten Monde Jupiters. Europa ist davon mit einem Durchmesser von 3121 km der kleinste dieser Monde und bewegt sich auf der zweitinnersten Bahn um Jupiter herum.

Europa ist aufgrund seines Aufbaues schon seit langer Zeit ein Hot-Spot der Forschung nach extraterrestrischem Leben in unserem Sonnensystems. So besitzt Europa nicht nur eine dünner Atmosphäre aus Sauerstoff, sondern auch wahrscheinlich einen Ozean unter seiner Eiskruste.

Die Oberfläche des Mondes ist aber vergleichsweise sehr jung, wie durch die Erforschung der Raumsonde Galileo festgestellt wurde. Galileos Bilder zeigen, laut NASA-Beschreibung, „Eisschollen“, die abgebrochen und weggeströmt sind. Dazu gefrorene „Pfützen“, die sich über ältere Einrisse gebildet haben. Dazu zeigen die Bilder Blasenbildungen auf der Eisoberfläche, die durch heraufströmendes, wärmeres Material aus dem Untergrund erzeugt werden. Wärme entsteht durch eine Art Jahreszeiten unterhalb der Oberfläche Europas, die wiederum durch die starke Gravitation Jupiters bedingt sind.

Durch diese Ergebnisse wurde die Vermutung eines unterirdischen Ozeans laut, der sich 10 bis 30 km unter der Eiskruste befinden könnte. Allerdings scheinen kleinere Seen bereits ab 3 km unterhalb der Oberfläche wahrscheinlich.

So ein See scheint nun gefunden zu sein.

Wasser auf Europa = Leben auf Europa?

Eine erneute Auswertung einiger Bilder der Galileo-Sonde von Europas Oberfläche scheinen nun die Theorie eines flüssigen Gewässers zu bestätigen. Anhand der Bilder konnte man Entwicklungen in der Eiskruste feststellen und verglich diese mit Prozessen auf der Erde, woraus das Forscherteam ein Vier-Phasen-Modell entwickelte. Wenn dieses Modell stimmt, dann hat das Team in der von ihnen untersuchten Region wirklich einen See in den Ausmaße der Großen Seen Nordamerikas entdeckt.

Dieser See befindet sich eingebettet innerhalb der Eiskruste von Europa. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass sich die Eisoberfläche und der darunter befindliche riesige Ozean in einem kontinuierlichen Austausch von Nährstoffen und Energie befinden müssen. Bislang gingen viele Wissenschaftler davon aus, dass die Eiskruste und der möglicherweise darunter befindliche Ozean keinen direkten Austausch miteinander haben. Kein Austausch bedeutet auch kein Leben, ein Austausch allerdings bedeutet mögliches Leben.

Für die Astrobiologie, der wissenschaftlichen Suche nach Leben im Weltall, würde Europa durch diese Erkenntnisse noch interessanter werden, als der Mond ohnehin schon ist. Endgültigen Aufschluss kann aber nur die intensive Forschung einer Sonde mit entsprechenden Instrumenten von Europa bringen. NASA und ESA planen gemeinsam bereits für das Jahr 2020 den Start einer „Europa-Jupiter System Mission“ (kurz EJSM). Ab dem Jahre 2028 soll dann Europa tiefgehend erforscht werden.

Fazit: Ein Grund zum Feiern?

Ein gefundener See auf Europa ist eine Sensation, wenn die Beobachtungen und das entwickelte Modell wirklich stimmen. Ein letzter Beweis kann aber nur durch eine neue Space-Mission Richtung Europa erbracht werden, die mit entsprechenden Instrumenten ausgestattet gezielt nach Wasser und Leben auf dem Mond suchen kann.

Der vielleicht gefundene See bietet sich aber somit als ersten Untersuchungsort für eine Raumsonde an. Sollte wriklich Leben gefunden werden, wäre dies ein Meilenstein in der Erforschung des Universums.

Weitere Quellen und Informationen:

Daniela Haarmann - Ich studiere Geschichte im 8. Semester an der Universität Wien und schreibe derzeit meine Diplomarbeit, welche ich voraussichtlich im ...

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