
- Herkulesturm und Breogan - Lou Avers
Einen Leuchtturm aus der Antike, der noch in Funktion ist, gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Der Herkulesturm in der spanisch-galicischen Küstenstadt La Coruña (oder A Coruna auf Gallego) trotzt seit tausend Jahren Wind und Wetter und weist den Seeweg zu den Britischen Inseln. Seit 2009 gehört er zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Römer bauten die ursprüngliche Form im 1. Jahrhundert, die Grundfeste stammen noch aus dieser Zeit. Die heutige Version entstand weitgehend im 18. Jahrhundert nach vielen vorhergehenden Umbauten.
Kurzportrait des Herkulesturms von La Coruña
Der Torre Hercules thront 120 Meter über dem Meeresspiegel auf den wellenumtosten Klippen am Nordrand der Hafenstadt La Coruña in Galicien. Er ist 59 Meter hoch und hat einen quadratischen Grundriss mit 11,40 Metern Seitenlänge. Der römische Ursprungsbau aus dem 1. Jahrhundert war etwas niedriger (41,5 Meter) und etwas breiter (14 Meter). Dieser stammt aus der Feder des römischen Bauherrn Caio Sevio Lupo, ursprünglich aus Aeminium (heutiges Coimbra in Portugal), wie eine erhaltene Inschrift am Fuß des Turmes beweist. Experten gehen davon aus, dass der Architekt im Namen des Gottes Mars Augustus ein Gelübde abgelegt hatte und diesem ein Bildnis weihte. Heute kann man die Grundfeste und eine archäologische Ausgrabungsstätte mit den Resten der Fundamente besichtigen. Damals war an dem Turm eine Befestigungsrampe befestigt, die den Transport des Öls (meist Olivenöl) für das Leuchtfeuer ermöglichte. Das heutige Aussehen verdankt der Herkulesturm weitgehend dem italienischen Ingenieur Eustaquio Giannini. Er umbaute die Reste des römischen Leuchtturms 1788 zusammen mit seinem Berater José Cornide Saavedra und gestaltete die aktuelle Fassade. In Erinnerung an die äußere Zugangsrampe entwarf Giannini ein steinernes Band, das um den gesamten Turm herum aufsteigend verläuft. Jede Seite wurde mit blinden Fenstern versehen, was dem klassizistischen Stil Nachdruck verleiht. Später kam der aktuelle Leuchtaufsatz dazu. 2009 nahm die UNESO den Torre Hercules ins Weltkulturerbe auf. Der Turm ist das wichtigste Markenzeichen der Stadt A Coruña.
Die Legende des Herkules
Seinen Namen verdankt der Leuchtturm dem griechischen Epos-Helden Heracles. Zahlreiche Legenden ranken sich um den bärenstarken Kämpfer. Eine dieser Mythen nahm Alfons X. zur Basis für seine Überlieferung aus dem 13. Jahrhundert.: Ein Riese namens Gereon soll im Einzugsgebiet der Flüsse Duero und Tajo die ansässige Bevölkerung terrorisiert haben. Herkules forderte ihn heraus und konnte Gereon im Kampf besiegen. Er schlug ihm den Kopf ab und begrub diesen. Auf dieser Stelle ließ er einen Turm bauen und gründete in der Nähe eine Stadt namens Crunia zu Ehren der Frau, der seine Liebe gehörte. Später zog Herkules weiter und sein Neffe Hispan vollendete den Turm. Er stattete ihn mit einer Öllampe aus, deren Feuer nie verlosch und installierte einen riesigen Spiegel, um feindliche Schiffe zu sichten.
Kelten-König Breogan und der Torre Hercules
Eine andere Legende des 12. Jahrhunderts, überliefert von irischen Mönchen, erzählt im „Buch der Invasionen“ von Breogan, einem Keltenkönig. Er soll die Stadt Brigantia gegründet und in der Nähe einen mächtigen Turm gebaut haben. Vom Turm aus sah eines Nachts Ith, ein Sohn Breogans, die Küste Irlands und entschloss sich, diese Insel zu erobern. Doch er wurde getötet und sein Bruder Mil zog in einem Rachefeldzug mit einem riesigen Heer und Schiffen nach Irland. Er unterwarf die Bevölkerung und eroberte das Land. Der Keltenkönig Breogan begrüßt heute in Stein gehauen als kriegerische Statue (erschaffen von José Cid) die Besucher des Torre Hercules.
Keltischer Skulpturenpark rund um den Herkulesturm
Auch rings um den eindrucksvollen Leuchtturm gibt es viel zu sehen. Die wilde Küste stürzt mit grün bewachsenen Granitsteinklippen ins tosende Meer. Ein keltischer Skulpturenpark (Parque de Esculturas Celtas) wurde geschaffen, der ein Dutzend Kunstwerke verschiedener Autoren unter freiem Himmel präsentiert. Darunter die oben erwähnte Statue des Breogan von José Cid, ein Menhir-Steinkreis, monumentale Sonnwendsteine, eine Windrose oder Riesenmuschel und viele andere sehenswerte Skulpturen. Der Park bietet schöne Spazier- und Radwege und das herrlichste Panorama der Stadt. Stundenlang kann man an den Klippen entlang mit Blick auf das Meer verweilen. Vor dem Park fahren die für A Coruña so typischen historischen Straßenbahnen aus der Jahrhundertwende hin- und her. Gleich in der Nachbarschaft liegt das ebenso lohnenswerte Aquarium Finisterrae.
A Coruña/La Coruña
A Coruña auf Gallego oder La Coruña auf Castillano ist eine der sehenswertesten Städte Nordspaniens und einer der wichtigsten Seehäfen Galiciens. Trotz der knapp 250.000 Einwohner wirkt sie übersichtlich. Allein ihre spektakuläre Lage an der Küste bietet 180-Grad-Rundblicke auf den Atlantik. Die Stadt gilt als sicherste in ganz Spanien, deshalb kann man sich auch nachts relativ unbesorgt bewegen. Das kulturelle Angebot ist zahlreich und auch die Altstadt bietet einige interessante Sehenswürdigkeiten. Dennoch ist das größte Plus die Lage am Meer und die Aussichten. Auch wenn man dafür viele Regentage in Kauf nehmen muss, denn die Region gehört zu der niederschlagsreichsten Galiciens.
Lage und Öffnungszeiten des Herkulesturms in A Coruña
Der Herkulesturm liegt an der einfach anzufahrenden Avenida de Navarra im äußersten Nordwesten der Stadt. Der Turm kann zwischen Oktober und März montags bis sonntags von 10-17:45 Uhr, April bis September von 10 -19 Uhr und im Juli und August von 10- 0 Uhr besichtigt werden. Eintritt: 3 Euro, montags Eintritt frei. Gegenüber des Torre Hercules liegen ein Sportzentrum und der Golfclub. Deshalb reicht der Parkplatz davor meist kaum aus für die Besucher. Vor allem an den Wochenenden kann es ziemlich eng werden. Außerhalb der Saison dürfen Wohnmobile auch über Nacht parken.
Quellen & weiterführende Informationen:
Turismo de Coruña, Ayuntamiento de A Coruña
