Eva Mattes im Gespräch mit Gero von Boehm

Eva Mattes - 3sat
Eva Mattes - 3sat
Am 5. Juli 2010 zeigte 3sat das Gespräch des Regisseurs von Boehm mit der interessanten und markanten Schauspielerin Eva Mattes.

Seit Juli 2010 ist Eva Mattes in dem Spielfilm "Mahler auf der Couch" in einer Rolle im Kino zu bewundern. Vielleicht war auch dies Anlass, dieses Gespräch zu senden.

Eva Mattes als Schauspielerin, als Tochter, Mutter und Mensch

Eva Mattes spricht beeindruckiend von ihrer Kindheit, ihrer Begeisterung für den Schauspielberuf und geht offen mit ihren Gefühlen um. Dabei gerät sie zwei mal mit ihrem Gesprächspartner an Themenbereiche, die für sie Tabu sind für ein öffentliches Interview: das schwierige Vater-Tochter-Verhältnis ihrer Kindheit und das Scheitern ihrer Beziehung zu Werner Herzog.

Die jugendliche Eva Mattes und die Schauspielerei

Als Jugendliche verläßt Eva Mattes ein Jahr vor dem Realschulabschluss die Schule. Ihr wirkliches Lernfeld ist das Kino. Durch zahlreiche Filmbesuche hat sie sich das Handwerk des Schauspielens abgeschaut. Ihre Schauspiellaufbahn begann bereits als Zwölfjährige. Sie konnte damals überzeugend eine Sechsjährige spielen.

In den folgenden Jahren (mit 13 bis 15 Jahren) arbeitete sie als Synchronsprecherin für Kinderfilme wie z.B. Pippi Langstrumpf. Hier lieh sie Tommy die Stimme im Kinofilm und in der Fernsehserie direkt der Pippi.

Familie Mattes

Eva Mattes kann nicht von einer angenehmen Kindheit sprechen. Still und bedrückt wird ihr Ton, wenn sie von dieser Zeit erzählt. Die Scheidung der Eltern belastete die Atmosphäre zuhause. Ihre Mutter litt, während ihr Vater selbst nach der Scheidung permanent versuchte in ihr Leben "rein zu funken". Im Spiel mit ihren Puppen suchte Eva Mattes kleine Fluchtwege und baute in ihren Tagträumen eigene Welten auf.

Evas Vater

Den Vater, Filmkonponist und Schlagerautor, hat Eva als "nicht nett" in Erinnerung, von daher ist sie froh, dass sie ohne ihn aufwachsen konnte. Als Musiker war der Vater zu sehr auf seine eigene Person bezogen und einfach nicht bereit für Kinder, sie störten ihn nur. Erst später haben sich Tochter und Vater ausgesöhnt. Im Laufe ihrer Schauspielkarriere wird Peter Zadek zur Vaterfigur in ihrem Leben.

Eva Mattes Mutter und Schwester

Eva war sehr auf ihre Mutter und Schwester fixiert. Selbst Schauspielerin, ließ die Mutter ihren Töchtern all den Entfaltungsspielraum, den sie benötigten. Für Eva Mattes war es schnell klar, dass sie Schauspielerin werden wollte. Die Mutter, die Eva Mattes wie sich selbst als "unspießig" bezeichnet, war stolz auf ihr Kind und sorgte später dafür, dass sie R. W. Fassbinder treffen konnte, sie stellte ihm Eva in einer Disco vor.

Eva Mattes spielt mit 17 Jahren im Stallerhof

Mit 17 Jahren stand Eva im Schauspiel "Stallerhof" von Xaver Kroetz splitternackt auf der Bühne in Hamburg, was im Stück so konzipiert war. Eva Mattes hat zu dieser Zeit ganz allein in Hamburg gewohnt. Sie fühlte sich sehr allein, war eher depressiv, es ging ihr gar nicht gut. Um sich auf die Rolle vorzubereiten, lief sie lange in ihrer Wohnung nackt herum. Sie musste sich die Rolle erarbeiten, betrachtete sich immer wieder nackt im Spiegel, nicht aus Eitelkeit, sondern um sich daran zu gewöhnen. Es gab nie negative Kritik über diese Szene. Frau Mattes glaubt, dass die 70er diesbezüglich freizügiger waren: viele liefen halb barbusig herum, mit durchsichtigen Kleidern oder Blusen. Das senkte die allgemeine Schamgrenze.

Schauspielerei und Samurai

Eva Mattes berichtet von ihrer Arbeit und der Beziehung zu den Regisseuren Fassbinder, Herzog, Adlon, Zadek. Sie vergleicht die Schauspielerei mit dem Leben eines Samurai: Disziplin und innere Ruhe sind wichtig. Große Freiheit ist notwendig, um den Beruf auszuüben. Zweifel gehören ebenso dazu wie Disziplin, Feuer, Inspiration. Die Selbstzweifel begründen sich auf ihre abgebrochene Schulbildung. Sie behauptet von sich, nichts gelernt zu haben und nicht viel zu wissen. Sie vergleicht die Schauspielerei mit einem Sprung ins Wasser: "Ich weiß nicht, wie kalt das Wasser sein wird." Eine Solospielerin ist sie nicht, keine Freundin langer Monologe. Wenn sie einen Monolog halten muss, sucht sie sich das Publikum als Ansprechpartner aus. Sie schätzt sich selbst als schwierig und "verdammt selbständig" ein.

Eine interessante Persönlichkeit

Lustig wird das Gespräch, als Frau Mattes von ihrer Rolle der Klara Blum im Tatort und ihrer Knallphobie spricht und den Tricks, diese zu überspielen. Sie wirkt sehr sympathisch. Die 56Jährige strahlt eine angenehme Ruhe aus. Sie ist eine brillante Schauspielerin und interessante Persönlichkeit. Außerdem verfügt sie über eine aussdrucksstarke und angenehme Singstimme, was viele Einspielungen während dieser Sendung belegen.

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