Diesmal sind es nicht die Geistlichen aus den katholischen Reihen, die an den Medienpranger gestellt werden. Diesmal hat es ein evangelischer Pfarrer zu bunt getrieben, findet die evangelische Landeskirche und suspendiert diesen kurzerhand.

Oweia. Aber was hat er den angestellt, der Gute, dass als einzige Lösung eine Suspendierung seines Amtes infrage kommt?

Die Antwort mutet schon fast satirisch an: Die reformierte Kirche, die sich auf die Fahnenstange ihrer Glaubensüberzeugung geschrieben hat, das selbstständige, demokratische Denken und Handeln ihrer Schafe zu fördern, suspendier einen ihrer Vertreter, gerade weil dieser selbstständig und demokratisch gedacht und gehandelt hat. Ein Hohn, eigentlich. Aber wie kam es dazu?

Evangelischer Pfarrer Andreas Theurer plädiert für die Einheit der Kirche

Und angefangen hat alles so: "Warum werden wir nicht katholisch?", fragt der evangelische Geistliche seine Mitchristen und bekommt als Antwort eine mindestens so aussagekräftige wie überraschende Antwort: Er wird gefeuert. "Aber wegen dieser Frage doch nicht?", mögen kritische Leser sich jetzt empören. Doch! Genau wegen dieser Frage. Sie wurde nämlich in Buchform gestellt. Und das, so findet die evangelische Landeskirche zumindest, geht zu weit. Die demokratische Meinungsäußerung hat schließlich auch irgendwo ihre Grenzen. – "Klar, hat sie. Aber warum, liebe evangelische Mitbrüder, werdet ihr denn dann nicht wirklich katholisch?", fragen sich manche Katholiken. "Wenn die demokratische Meinungsäußerung da aufhört, wo die evangelische Glaubenslehre mit unangenehmen (vielleicht wahren?) Glaubensfragen und ihren Interpretationen konfrontiert wird, dann dürfte euch doch das 'katholische System' mehr als willkommen sein. Im Grunde seid ihr nämlich vielleicht tatsächlich katholischer als euch lieb ist. Und ein Geistlicher aus euren eigenen Reihen hat das jetzt aufgedeckt." Auch wenn diese aus den unterschiedlichsten Diskussionsquellen zusammengetragenen Paraphrasen etwas provokant anmuten, stellt sich aber doch tatsächlich die Frage: Was hat denn der Herr Pfarrer so Bahnbrechendes für sich herausgefunden, das bei seinen evangelischen Mitchristen so gar nicht gut ankam?

Andreas Theurer, der neue Martin Luther?

"Ein kleiner Luther", schmunzeln katholische Theologen unter vorgehaltener Hand, während sie sich mit der Lektüre "Warum werden wir nicht katholisch?" ins stille Kämmerlein verkriechen. Theurer tut nämlich tatsächlich genau das, was Luther getan hat: Er macht Missstände öffentlich. Nur, dass es diesmal nicht die katholische Kirche ist, die im Visier der Reformation ist. Diesmal bedarf die Reformation eine Reformation, wie Theuer findet. Und mit dieser Meinung wird es prompt abgestraft. Am 06.08.2012 ist es amtlich: Der evangelische Pfarrer Andreas Theurer ist nicht mehr länger evangelischer Pfarrer. Kurz: Er ist gefeuert. Seine Meinung sei nicht mehr mit dem evangelischen Glauben zu vereinbaren, heißt es aus den reformierten Reihen.

"Warum werden wir nicht katholisch?" – ein Buch, das für Wirbel sorgt!

Aber was sind denn nun die heiklen Fragen, die Theurer seinen Posten als evangelischen Pfarrer gekostet haben? Bereits nach einer Kurzrecherche wird uns klar: "Oweia. Da wollte einer wirklich reinen Tisch machen." Theurer hat sich nämlich mit seinem Buch "Warum werden wir nicht katholisch?" nicht nur an eine heikle Frage herangewagt, sondern gleich an alle: Von Fragestellungen, die das Papsttum betreffen, über feierliche Liturgiefragen und prunkvollen Kirchenschmuck bis hin zur Marien- und Heiligenverehrung greift er peu à peu alle Punkte auf, die auch heute noch der Grund sind, weshalb die Konfessionen – obwohl angestrebt – zu keiner echten Einheit gelangen.

Warum werden wir nicht katholisch? – Ja, warum eigentlich nicht?

Man mag Andreas Theurer viel vorwerfen, das er sich aber mit seinem Glauben nicht ausreichend auseinandergesetzt hat, das kann man nicht. Eigentlich hat er mit seinem Buch "Warum werden wir nicht katholisch?" sogar ganz und gar evangelisch gehandelt, indem er dem Ruf seiner evangelischen Mitchristen gefolgt ist, seinen Glauben immer wieder aufs Neue zu hinterfragen. "Prüfet aber alles, das Gute behaltet. Meidet jeden bösen Schein ...", hat er ernst genommen. Das Resultat dieser seiner Handlung kann nun zum Leidwesen seiner evangelischen Glaubensbrüder in Buchform erworben werden: Er und seine Ehefrau haben sich übrigens die Frage "Warum werden wir nicht katholisch?" bereits beantwortet. "Ja, warum eigentlich nicht?", haben sie sich gedacht und gaben aktuell bekannt: "Wir werden katholisch!". Na, das nennen wir mal konsequentes Handeln.