
- Evile im Underground Köln 18.1.2012 - Wolfgang Weitzdörfer
Es war ein verregneter und dementsprechend ungemütlicher Sonntagabend, an dem im kleinen, aber feinen Underground in Köln drei Bands zum munteren Kopfschütteln luden. Neben den beiden schwedischen Bands "Dr. Living Dead" und "Portrait" waren dies als Headliner die britischen Thrash-Metaller "Evile", die auf ihrer Europatournee der Metalgemeinde gerade ihr drittes Album "Five Serpent's Teeth" vorstellen. Und das Album hat es in sich, keine Frage. Das zeigt sich auch am Merchandise-Stand, wo es den Kölner Fans leider vorenthalten werden muss, da es ausverkauft ist. Gut für die Band, schlecht für diejenigen, die sich das Album nach dem Konzert bei der Band selbst kaufen wollten.
Wüster Schweden-Thrash mit Totenkopfmasken - "Dr. Living Dead" im Underground, Köln
Wenn man die Tatsache, dass man "nur" Opening-Act bei einem Konzert ist, mit einer derartig intensiven Perfomance zu neutralisieren versucht, wie es die Schweden-Bengel von "Dr. Living Dead" am Sonntagabend, pünktlich um 20 Uhr machten, und dabei dann eine gute halbe Stunde bestens unterhaltenes Publikum herauskommt, dann kann man zu dieser Strategie nur gratulieren: Auftrag ausgeführt! "Dr. Living Dead" lassen den Crossover-Thrash der 1980er-Jahre hochleben, so wie es zur Zeit einige junge Bands machen - "Gama Bomb" oder "Toxic Holocaust" etwa - und haben als Gimmick ihre Gesichter hinter Totenkopfmasken aus Gummi versteckt. Es muss enorm heiß darunter sein, was Dr. Toxic (Gitarre), Dr. Bad (Bass), Dr. Ape (Gesang) und Dr. Dawn (Schlagzeug) jedoch keineswegs daran hindert den etwa 150 Anwesenden Songs wie "World War Nine", Dead End Life", Hard Target" oder "Gremlin's Night" mit Verve und Zunder um die Ohren zu hauen. Starker Auftritt!
Stilistischer Kategoriefehler - "Portrait" im Underground, Köln
Als nächste Band waren die Schweden "Portrait" an der Reihe - und man musste sich mehrfach fragen, ob die Band sich einen Gefallen getan hat, auf dieser Tour mitzufahren. Man spielt nämlich typischen Heavy Metal der 1980er-Jahre, in der Tradition von Mercyful Fate und King Diamond. Heißt: hymnischer, pathetischer Heavy Metal mit gedoppelten Gitarren und perfekt ausgefeilten, langen Songs, die gekrönt werden vom Gesang von Per Karlsson, der seinem großen Vorbild, King Diamond natürlich, leider weder in Sachen Bühnencharisma noch in der Gesangsleistung große Konkurrenz machen kann. Songs wie "Beast Of Fire" oder "Bloodbath" sind durchaus tolle Kompositionen, kommen im Kontext des Abends jedoch irgendwie nicht so recht passend daher. Dementsprechend ist das Stimmungslevel auch lange nicht so hoch, wie noch bei "Dr. Living Dead". Sowas nennt man wohl "Achtungserfolg" - und als nach "The Nightcomers" dann Schluss ist, ist keiner im Publikum so wirklich traurig...
"Evile" aus Großbritannien thrashen das Kölner Underground in Schutt und Asche
Es war allerdings ohnehin schon beim ersten Ton des Openers "Killer From The Deep" völlig klar, wer an diesem Abend im Underground die dicksten Hosen hatte: die jungen Thrasher von "Evile" aus Huddersfield in Großbritannien. Die Band ist mit ihrem dritten Album im Gepäck auf großer Europatournee und hat sich, so schien es, im Vorfeld des Konzerts fest vorgenommen, das Underground in Schutt und Asche zu thrashen. Im Grunde genommen hätte das auch Ben Carter mit seinem Schlagzeug schon ganz gut alleine hinbekommen. Meine Güte, dieses Vieh hinter den Kesseln prügelte mit einer Wucht und Kraft auf sein Instrument ein, dass einem ganz Angst und Bange werden konnte... Doch auch die beiden Gitarristen Matt und Ol Drake und Bassist Joel Graham ließen sich nicht lumpen und hauten eine Thrash-Granate nach der anderen ins Publikum.
Laut, lauter, Thrash, oder: Das Summen im Ohr nach dem Konzert...
Es war laut, schließlich war man ja auch auf einem Heavy Metal-Konzert und nicht bei einem Kindergeburtstag! Und Songs wie "Eternal Empire", "We Who Are About To Die", "Cult" oder "Descent Into Madness" gehören schlicht und ergreifend auch laut gespielt, um ihre ganze Magie entfalten zu können. Als jedoch der Jubel im Publikum beinahe die ersten Töne von "First Blood" zu übertönen scheint, und Matt Drake ein leicht überraschtes Lächeln ins Gesicht zaubert, ist die Frage nach der Lautstärke ohnehin sekundär und man gibt sich einfach nur noch der eindrucksvollen Musik von "Evile" hin. Das Summen im Ohr, das einen auf der Heimfahrt in der S-Bahn ebenso begleitet, wie durch die Nacht hindurch, erinnert an einen einfach nur tollen Auftritt. Schöner Abend!
