
- Thelodus scoticus - Sammlung und Foto Rudolf Stanzel
Vor ca. 100 Jahren begann E. Stroemer von Reichenbach sein Lehrbuch der Paläozoologie Wirbeltiere Teil II mit den Worten: "Die meisten, den Wirbeltieren verwandten Formen, die Tunicata und Acrania, sind fossil gänzlich unbekannt. Die fossile Überlieferung beginnt mit den zweiseitig symetrischen Wirbeltieren"
Stand der Forschung
Heute geht man davon aus, daß die ersten Wirbeltiere Agnathen aus dem Kambrium waren. Von diesen Vorläufern hat man bis jetzt keine fossilen Überreste gefunden. Als Modell der ersten Wirbeltiere wird heute der rezente Cephalochordat Branchiostoma angesehen. Dieses etwa 4 cm lange Tierchen hat alle Merkmale, die für eine Weiterentwicklung zum Wirbeltier notwendig waren. Dieses auch Lanzettfischchen genannte Tier, steht nach dem heutigen Stand der Wissenschaft am Beginn der Fischentwicklung und damit auch am Beginn aller Wirbeltiere. Diese ersten Fische hatten keine Kiefer und gehörten somit zu den Agnathen, auch Rundmäuler genannt. Das noch lebende Neunauge gehört auch zu diesen Rundmäulern.
Eventuelle Vorläufer
Vor etwa 550 Mill. Jahren tauchen in den Schiefern des Burgesshale (Kanada) in größerem Maße Metazoen (Vielzeller) auf, die auch Hartteile entwickelt haben. In diesen Schiefern hat man mit Pikaia auch ein Tier gefunden, daß ein Vorläufer der Lanzettfischchen sein könnte. Vieles spricht dafür, daß Pikaia zu den Cephalochordata gehört und damit an den Anfängen der Wirbeltierentwicklung steht. Auch die V-förmigen Muskelbündel an den Flanken sprechen für einen Vorläufer der Fische. Pikaia gehört zu den seltensten Funden im Burgesshale.
Zu den weiteren Kandidaten gehören auch die Manteltiere (Tunicata) die im Larvenstadium eine Chorda dorsalis ausbilden, die aber beim erwachsenen Tier wieder verschwindet. Hier ist die Vorläuferschaft zu den Fischen sehr zweifelhaft.
1984 erschien eine Arbeit von Hannelore Steul, in der sie aufgrund von Röntgenaufnahmen von Conularien aus dem Hunsrückschiefer, diese als Vorläufer der Wirbeltiere deutete. Es geht hierbei um die Deutung von möglichen Weichteilen, in denen sie Linsenaugen, Keimdrüsen und Muskelstränge zu erkennen glaubte. Heute wird diese Auffassung nicht mehr vertreten, und die Conularien sind in die Gruppe der Nesseltiere eingereiht.
Eine zeitlang hielt man auch die Flachtiere (Homalozoa) für Vorläufer der Wirbeltiere. Diese Flachtiere kommen ebenfals im Hunsrückschiefer vor. Auch hier gilt die Vorläuferschaft inzwischen als zweifelhaft. Abb.3 zeigt eine nicht näher bestimmte Conularia ca. 10 cm lang. Abb.4 zeigt das Flachtier Rhenocystis latipedunculata DEHM ca. 3,5 cm lang.
Die ersten wirklichen Fische
Einer der ersten wirklichen Fische dürfte Astraspis aus dem Ordovicium sein. er besaß einen gepanzerten Körper und hatte eine Schwanzflosse mit der er sich schlängelnd fortbewegte. Mit seinem Rundmaul saugte er Nahrungspartikel auf. Man kann sagen, daß diese ersten Fische noch sehr unbeweglich waren, außerdem waren alle kieferlos, also sogenannte Agnathen. Auch aus Australien, Estland und Polen, sind einige Fossilien bekannt die man in die Gruppe der frühen Agnathen des Ordoviciums einreihen kann.
Im Silur waren Fische noch nicht häufig zu finden, aber man hat inzwischen einige Belege gefunden die man problemlos den ersten Fischen zuordnen konnte.
Abb.1 zeigt den Nackthaut-Agnathen Thelodus scoticus aus dem oberen Silur von Lanarkshire GB. Die Form dieses Fisches deutet auf einen Bodenbewohner hin.
Abb.2 zeigt einen Kielrücken-Agnathen Birkenia elegans aus dem oberen Silur von Muirkirk GB. Bei diesem frühen Fisch kann man aufgrund der Form annehmen das er bereits ein recht guter Schwimmer war.
Links
Quellen
Paläontologie und Evolution der Wirbeltiere Robert L. Carroll et al Gerog Thieme Verlag 1993
Leben Richard Fortey Deutscher Taschenbuch Verlag 2002
Fossilien Atlas Fische K.A.Frickinger 1991
H. Steul Die systematische Stellung der Conularien Gießener Geologische Schriften 37 1984
