
- Acanthodii Zeichnung nach Watson - R.Stanzel
Nach einem kurzen Hoch der Agnathen am Ende des Silurs ging es mit den Kieferlosen im Devon stetig, bis auf eine kleine Restpopulation, bergab. Dafür tauchten mit Quastenflosser, Lungen- und Panzerfisch neue Fischarten auf. Die vierte wichtige Fischart im Devon waren die Acanthodii auch Flossenstrahler oder Stachelhaie genannt.
Acanthodii (Flossenstachler)
Diese Fischgruppe tauchte, wenn auch extrem selten, schon im oberen Silur auf. Auch die Form schon der frühesten Acanthodier entsprach der eines modernen Fisches. Siehe Abb. 1 Zeichnung nach Watson. Durch die Ähnlichkeit der Flossenstachler mit den Haifischen nennt man sie auch Stachelhaie, obwohl sie mit den Knorpelfischen nichts zu tun haben. Alle Flossen, ausser der Schwanzflosse werden von einem Stachel aus Dentin verstärkt. Die Flossenstachler hatten von Anfang an Kiefer, deshalb kann man davon ausgehen, dass sie die Vorläufer aller Fische mit Kiefer waren. Endgültig geklärt ist diese Frage aber noch nicht. Zähne hatten die Flossenstachler meist nur im Unterkiefer. Es gab auch zahnlose Exemplare die wahrscheinlich reine Planktonfresser waren. Die Flossenstachler hatten ihre Blütezeit im unteren Devon und sind im mittleren Perm ohne Nachfolger ausgestorben.
Placodermi (Panzerfische)
Abb.2 der Panzerfisch Millerosteus minor aus dem mittleren Devon von Schottland. Länge ca. 9,5 cm dieser Panzerfisch zählt zu den kleinsten Panzerfischen. Reiner Bodenbewohner.
Auch diese Fischgruppe hatte Kiefer entwickelt. Die Mundöffnung war meist endständig, selten unter dem Körper. Der Körperbau der meisten Panzerfische deutet auf eine Lebensweise am Boden hin, da die Schwimmfähigkeit mit Sicherheit eingeschränkt war. Bei einigen Arten war die Panzerung auf den Kopf und vorderen Körperteil beschränkt, was die Schwimmfähigkeit deutlich verbessert hat. Es gab räuberische Exemplare die über 7 Meter lang wurden und damals mit großer Wahrscheinlichkeit die Meere beherrscht haben. Der Entwicklungsstand der Panzerfische war sehr hoch und ihre größte Verbreitung erreichten sie im oberen Devon. Trotz des hohen Entwicklungsstandes und der größten Verbreitung überlebten sie den Devon nicht. Im anschließenden Karbon sind nur noch einige wenige fragliche Reste von Panzerfischen gefunden worden.
Crossopterygii (Quastenflosser)
Abb.3 der Quastenflosser Glyptolepis paucidens AGASSIZ aus dem mittleren Devon von Schottland. Länge ca 48 cm. Spitzflosser mit räuberischer Lebensweise. Im Devon ausgestorben.
Quastenflosser gehören zur Gruppe der Fleischflosser und sind eng mit den Lungenfischen verwandt. Dieser Fisch galt seit ca 70 Mill. Jahren (obere Kreide) als ausgestorben. Im Dezember 1938 wurde der rezente Quastenflosser wiederentdeckt. Die Leiterin des Meeresmuseums im südafrikanischen East London M.Courtenay-Latimer entdeckte in einer größeren Fischanlandung einen großen blauen Fisch von ca. 1,5 m Länge und 52 kg Gewicht. Sie fertigte eine Zeichnung von dem Fisch und schickte diese an den Amateurichtyologen James L.B. Smith, der eigentlich Chemiker an der Rhodes-Universität in Grahmstown Südafrika war. Dieser identifizierte den Fisch als Quastenflosser, ein Fisch der seit der oberen Kreide als ausgestorben galt. Der wiederentdeckte Quastenflosser wurde nach seiner Entdeckerin und dem Fluss Chalumna in dessen Mündungsgebiet er gefangen wurde, "Latimeria chalumnae " benannt. Erst 1952 wurde ein zweiter Quastenflosser zwischen Madagaskar und den Komoren gefangen. Die Einheimischen kannten den Fisch schon lange und benutzten seine rauhen Schuppen als Sandpapier. Ende der neunziger Jahre wurde über 10000 km von den Komoren entfernt, eine zweite Population Quastenflosser (Latimeria menadoensis ) entdeckt. Molekulargenetische Untersuchungen ergaben, dass sich die beiden Gruppen schon vor ca. 10 Mill. Jahren getrennt hatten.
Als Fossilien spielen die Quastenflosser in der Wirbeltierentwicklung eine wichtige Rolle. Man geht davon aus, dass sich aus dieser Fischgruppe die Amphibien und daraus später die Landwirbeltiere entwickelt haben.
Ein entscheidender Schritt gelang im Jahr 2004 dem Paläontologen Neil Shubin, von der Universität Chicago, mit der Entdeckung von Tiktaalik. Der Name stammt aus der Sprache der Inuit, da die Fundstelle 1500 km nördlich des Polarkreises liegt. Mit Tiktaalik scheint das Bindeglied zwischen Fisch und Amphib gefunden zu sein. Das absolute Hoch der Quastenflosser war der obere Devon und es ist ziemlich sicher, dass in dieser Zeit auch die ersten Landgänge stattgefunden haben. Von welcher Gattung der Quastenflosser der Landgang ausging, ist noch nicht zu sagen.
Dipnoi (Lungenfische)
Abb.4 Lungenfisch Dipterus valenciennesi aus dem mittleren Devon von Schottland 10 cm lang. Die ersten Lungenfische treten im mittleren Devon auf und haben im oberen Devon ihre größte Verbreitung. Früher nahm man an, dass die Eroberung des Landes von den Lungenfischen ausging. Heute weiß man, dass Lungenfische ein Seitenzweig der Quastenflosser sind, die mit dem Landgang nichts zu tun hatten. Die Lunge der Lungenfische hat sich aus der Schwimmblase gebildet, die schon eine Funktionsänderung durchgemacht hatte. Rezent gibt es noch 3 Gattungen der Lungenfische. Diese 3 Gattungen zeigen mit Südamerika (Lepidosiren) Afrika (Protopterus) und Australien (Neoceratodus) eine ausgesprochene Gondwanaverbreitung. Sie leben auf den Platten, die im Erdmittelalter den Kontinent Gondwana gebildet haben. Von den heutigen Gattungen ist Neoceratodus aus Australien der ursprünglichste aller Lungenfische. Die Lungenfische waren und sind Süßwasserbewohner, die sich bei Trockenheit eingraben und in einer Art Trokenstarre diese Zeit überleben.
Quellen
Fossilien Atlas Fische K.A. Frickhinger Verlag für Natur und Heimtierkunde 1991
Lebende Fossilien Erich Thenius Verlag Dr. Friedrich Pfeil München 2000
Paläontologie und Evolution der Wirbeltiere R.L. Carroll G.Thieme Verlag Stuttgart 1993
Der Fisch in uns Neil Shubin Verlag S. Fischer 2008
