Die ständigen Ermittlungen gegen den ehemaligen österreichischen Finanzminister zehren an den Nerven des Society-Ehepaars Karl-Heinz Grasser und Fiona Swarovsky. Sogar Scheidungsgerüchte machen am Society-Parkett bereits die Runde. Doch was hat eigentlich die Finanz und die Staatsanwaltschaft so auf Trab gebracht?

Die Villa am See

Am 22. Juli 2008 erwarb eine erst zwei Wochen zuvor gegründete SMW OG am Lindenplatz in Maria Wörth (Kärnten) die Nachbarliegenschaft von Grassers Vater. Gesellschafter der SMW OG sind Burckhard Graf und Karl-Heinz Grasser. Graf ist ein alter Vertrauter von Grasser, sein sogenannter "Nennonkel". Ein recht unspektakulärer Hausumbau wurde auf dem Grundstück begonnen. An und für sich ein nicht außergewöhnliches Unterfangen. Doch der Steuerstrudel begann sich bereits zu drehen.

Die Liechtensteiner Stiftung

Bei Ermittlungen gegen einstige Grasser-Vertraute, wie etwa seinen Trauzeugen Walter Meischberger, und den Ex-Finanzminister selbst stellte sich nun heraus, dass die SMW OG gar nicht der wahre Eigentümer der Villa von Grasser und der Mieterin Fiona Swarovsky ist. Die SMW OG ist vielmehr nur Treuhänder für eine Liechtensteiner Stiftung, deren Begünstigter wiederum Karl-Heinz Grasser ist. So hat also ein Häuslbauer mit einem Freund eigens eine Firma gegründet, die sein Haus treuhändig für eine im Steuerparadies Liechtenstein errichtete Stiftung hält. Die Ehegattin darf für das Haus die Miete bezahlen.

Lukratives Investment der Stiftung

Karl-Heinz Grassers Anwalt Manfred Ainedter nennt das Strafverfahren in dieser Causa gegen seinen Klienten als "ein lukratives Investment" der Liechtensteiner Stiftung. Österreichs Finanz und die Staatsanwaltschaft sehen das etwas differenzierter. Der Verdacht geht in die Richtung, dass Grasser möglicherweise "dem Inland zurechenbare Einkünfte aus ausländischen Gesellschaften" bezogen hat. Anwalt Ainedter hört das nicht gerne. Für ihn ist es nicht erklärbar, warum gegen seinen Mandanten ein Finanzstrafverfahren eingeleitet wurde: "Man will ihm mit aller Gewalt ein Steuerdelikt anhängen."

Die Leidenschaft für komplizierte Finanztransaktionen

Auf Karl-Heinz Grasser dürften komplizierte Finanztransaktionen eine gewisse Anziehungskraft ausüben. So hat beispielsweise Hypo-Investor Tilo Berlin an Grasser Kumpel Walter Meischberger eine email geschickt, aus der hervorgeht, dass Grasser - damals noch Finanzminister - einen Genussschein über 500.000 Euro zeichnen soll. Bezahlt wurden die 500.000 Euro vom Konto der Schweizer Ferint AG bei der Meinl Bank. Am 7. August 2008 wurden auf das Konto der Ferint AG 763.626,90 Euro rücktransferiert.. Als wirtschaftlich Berechtigter des Ferint-Kontos scheinen Grassers Schwiegermutter Marina Giori Lhota und eine gewisse Irma Tonta auf, deren Identität nicht ganz geklärt ist. Der zuständige Staatsanwalt Gerald Denk meint dazu: "Es besteht der Verdacht, dass der Hypo-Genussschein über 500.000 Euro trotz des angeführten Treuhandverhältnisses zu Marina Giori Lhota und Irma Tonta tatsächlich für Mag. Grasser gezeichnet und auch der Gewinn von diesem lukriert wurde:"

Für alle genannten Personen in diesem Artikel gilt die Unschuldsvermutung.

Quellen: News 02/2011; Falter