Ex-Präsident Katzav muss wegen Vergewaltigung ins Gefängis

Urteilsverkündung - Martina Reuter
Urteilsverkündung - Martina Reuter
Der ehemalige isrealische Präsident Moshe Katzav wird vom Gericht in Tel Aviv zu sieben Jahren Haft und zwei Jahren Bewährung verurteilt.

Am Morgen des 22. März 2011 gibt das oberste Gericht in Tel Aviv bekannt, dass der frühere Präsident Israels, Moshe Katzav, wegen Vergewaltigung in zwei Fällen und sexueller Belästigung schuldig gesprochen wurde. Es ist das erste Mal in Israels Geschichte, dass ein ehemaliger Präsident vor Gericht steht und auch verurteilt wird.

Kuhhandel bewahrt Katzav vor Gefängnisstrafe

Im Jahr 2007 musste der Likud-Politiker gezwungenermaßen wegen des Sex-Skandals zurücktreten. Obwohl Katzav seine Unschuld immer beteuerte, hatte er schon damals das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Ein umstrittener Justizkompromiss, der von der Bevölkerung als Kuhhandel bezeichnet wurde, ersparte dem damals amtierenden Staatsoberhaupt eine Verurteilung und ließ ihn mit einer Bewährungsstrafe davon kommen. Im Rahmen dieser außergerichtlichen Einigung zwischen Staatsanwaltschaft und dem Präsidenten ließ man die Anschuldigung wegen Vergewaltigung fallen und Katzav war bereit, sich der verbleibenden Anklagepunkte schuldig zu bekennen, die Zeugin unsittlich berührt zu haben. Wie vereinbart trat Moshe Katzav von seinem Amt als Staatspräsident zurück, und zwar zwei Wochen vor Ablauf seiner regulären Amtszeit.

Wütende Frauen demonstrieren gegen die Entscheidung des Gerichts

Gegen diesen Deal, den der Staatsanwalt Menahem Masus ermöglichte, protestierten mehr als 20.000 Demonstranten auf den Straßen von Tel Aviv. Während Masus seine Entscheidung damit begründete, dass die karge Beweislage den Vorwurf der Vergewaltigung nicht erhärtet hätte, titelten die Tageszeitungen damit, dass die Opfer mit diesem Urteil zu Verbrechern gemacht worden wären. Tatsächlich hatte Staatsanwalt Masus in einem Interview eingeräumt, dass es sogar Beweise für den Vergewaltigungsvorwurf gab, er diese aber benutzt hätte, um Katzav zu seinem Schuldbekenntnis für die nicht so schwerwiegenden Vorwürfe der sexuellen Belästigung zu bewegen. Die Kritiker und organisierte Frauenverbände liefen Sturm gegen diese Erklärungen des Rechtsberaters der Regierung und reichten Widerspruch gegen das Urteil ein.

Katzavs Anwälte wollen Revision einlegen

Vier Jahre später, im Dezember 2010, wird Moshe Katzav vom Gericht schuldig gesprochen. Am 22. März 2011 folgt die Verkündung des Strafmaßes. Nach der Urteilsverkündung beteuert der Ex-Präsident unter Tränen erneut, dass sich alle irren und das Ganze eine Lüge sei. Das Gericht begründet hingegen, dass die Klägerin die Wahrheit gesagt habe und es bewiesen sei, dass es keine Einwilligung zum Geschlechtsverkehr gab. Katzav habe Gewalt eingesetzt und sich in Lügen verstrickt, so der Richter bei der Urteilsverkündung.

Dadurch, dass Moshe Katzav die Sexualstraftaten gegen drei Frauen während seiner Amtszeit als Tourismusminister (1996-1999) und seiner Präsidentschaft (2000-2007) beging, fällt das Strafmaß höher aus. Die Richter begründen die härtere Bestrafung mit der Tatsache, dass Katzav eine Symbolfigur ist und sein Amt missbraucht habe.

Quelle: Israel National News

Martina Reuter, Foto: F. Salm

Martina Reuter - Martina Reuter studiert Philosphie und Publizistik an der FU Berlin, Schauspiel an der Hochschule der Künste Berlin und im Anschluss ...

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