
- Awkward I - Everything On Wheels
Käse, Holzschuhe und gute Fußballer kommen schon immer aus den Niederlanden, seit geraumer Zeit auch gute Indiepop-Bands. Zwei davon gilt es mit Neuheiten vorzustellen: Awkward I und Moss.
Awkward I mit dem Album „Everything On Wheels“
Hinter Awkward I steckt der Holländer Djurre De Haan, der ehemalige Bassist von Alamo Race Track, der uns nach dem Debüt „I Really Should Whisper“ nun den Nachfolger „Everything On Wheels“ präsentiert. Genug geflüstert, nun wird gerollt, aber kein Rock’n’Roll sondern melancholische Zahnräder treiben den fein ziselierten Indie-Folk von Awkward I voran. Die Kompositionen auf „Everything On Wheels“ wirken bei flüchtigem Zuhören beinahe naiv, offenbaren jedoch mit jedem weiteren Durchlauf ihre Detailverliebtheit. Mal ist es ein Glockenspiel, dann wieder be- und verzaubernde Streicherarrangements oder eine weibliche Harmoniestimme, die das Klangbild von Awkward I bereichern. Dazu schmachtet Djurre De Haan voller Melancholie und Sehnsucht in die Welt hinaus, dass es eine märchenhafte Freude ist. Unterstützt von fantasievollen Keyboards, zärtlich gezupften Gitarrensaiten, wird dem Zuhörer ein klangliches Zauber- und Märchenland in die Ohren getupft.
Dass das Ganze aber auch jede Menge Dynamik hat, lässt sich bspw. anhand des Songs „Hannah Hung Heavy“ aufzeigen, ganz zu schweigen von den wundersamen Melodien, die in diversen Farben und Formen daherkommen. Spielfreude und Melancholie ist die Formel, die „Everything On Wheels“ zugrunde liegt. Songs wie rund ineinanderlaufende Zahnrädchen, ziemlich gut gemacht das Ganze!
Moss mit dem Album „Ornaments“
Die niederländische Band Moss – nicht zu verwechseln mit den Doom Metallern gleichen Namens – starteten mit ihrer Indiepop-Platte „The Long Way Back“, um dann 2011 mit „Never Be Scared / Don’t Be A Hero“ mehr als ordentlich nachzulegen. Dazu durfte man Ambient-Indie-Folk-Pop sagen und sich die musikalische Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Ihr neuestes Werk nennen Moss „Ornaments“, darf man also mit mehr Ausschmückungen des Sounds rechnen? Beim ersten Durchlauf fällt zunächst der vermehrte Einsatz von Keyboards und Electronica auf, der Gitarrenanteil wurde gegenüber dem Vorgänger reduziert. Nach wie vor nehmen die hellen Harmoniestimmen einen wesentlichen Teil des gesamten Klangbilds ein. Energie und Dynamik sind auf einem hohen Level, ruhigere Songs wie z.B. „Tiny Love“ bleiben die Ausnahme. Auf „Give Love To The Ones You Love“ und phasenweise auf einigen anderen Songs klingen sie ein wenig nach dem aktuellen Album von Mount Washington.
Im Gesamten betrachtet hatte „Never Be Scared / Don’t Be A Hero“ die besseren Momente und Melodien, nichtsdestotrotz muss man Moss zu Gute halten, dass sie der Wiederholung und dem Stillstand trotzen. Keine zusätzlichen Ornamente, vielmehr hat der Wechsel zu synthetischeren Sounds stattgefunden. Dennoch ist „Ornaments“ gut gemachter Indie-Pop.
Awkward I – Everything On Wheels (Excelsior Recordings / Cargo, 2012)
Moss – Ornaments (Excelsior Recordings / Cargo, 2012)
