
- 13 Semester, Filmplakat, Max Riemelt - 20th Century Fox
In der Studenten-Komödie "13 Semester – Der frühe Vogel kann mich mal“ ziehst du in der Rolle des Momo für einen Studienplatz in "Wirtschaftsmathematik“ von Brandenburg an die TU nach Darmstadt. Wieviel Max Riemelt steckt in dieser Rolle? Könntest du dir als Autodidakt ein Schauspielstudium in einer anderen Stadt vorstellen?
Max Riemelt: "Meine romantische Fantasie vom Studieren beläuft sich auf das, was der Film aussagt: Party, viel Spaß haben, eine gute Zeit erleben, neue Leute kennen lernen. Letztendlich habe ich nicht studiert und mich ziemlich schwer in der Schule getan. Der Lernstoff war zu trocken für mich. Die Art und Weise, die ich verstand - das große Ganze, das ich nicht verstand. Mein Interesse und das Ziel, das ich vor Augen hatte, lagen woanders. Ich hatte auch keine konkrete Vorstellung, was ich mit dem Abitur anfangen sollte. Drehen war eine Ausnahme, etwas Besonderes – ich hatte das nie für selbstverständlich genommen. Das Wesentliche, worauf es im Studium letztendlich ankommt, ist für mich ziemlich schwer, deswegen kann ich mir studieren nicht vorstellen. In der Figur Momo, die ich mit Frieder Wittich (Regisseur von "13 Semester") zusammen erarbeitete, steckt ziemlich viel von mir. Ich stellte mir immer Frieder vor: seinen Humor, seine Art und Weise (er hat eine ziemlich gute Bildersprache) aufzunehmen und ihn ein bisschen hineinzubringen."
Wie ist deine Meinung zum Studentenleben, Auslands-Praktikas, den ausgelassenen Partys jede Woche? Ist das die "Time of a life"?
Max Riemelt: "Das ist bei jedem anders, das sagt der Film auch aus. Jeder Mensch ist individuell, funktioniert anders und braucht deswegen auch manchmal mehr Zeit, manchmal weniger Zeit, um sich zu entwickeln. Der eine braucht eine Auszeit und der andere zieht sein Ding voll durch. Ich kann mir natürlich vorstellen, ein Auslandssemester zu machen, dadurch neue Leute kennen zu lernen und zu feiern. Ich lerne die Leute aber auch ohne Studium gut kennen. Dem Gesellschaftsideal möchte ich überhaupt nicht entsprechen. Ich bin total zufrieden, mit dem was ich mache, da es sehr vielseitig ist."
Weshalb gibt es kaum Studentenfilme in Deutschland und so viele College-Filme in den USA?
Max Riemelt: "Warum das genau so ist, muss der Deutsche Film noch für sich entdecken. Vielleicht waren noch nicht genug Potential oder Ideen da, um ein gutes Drehbuch zu schreiben. Es gibt Filme wie "Anatomie“ mit Studentenhintergrund, aber für Studentenkomödien ist es schwer, gute Dialoge zu entwickeln, die die Geschichte spannend machen, denn der Studentenalltag ist sicherlich nicht allzu lustig – kann zwar lustig sein, aber dann muss man sich schon ordentlich was einfallen lassen."
Wie stehst du zur "Early Bird“-Einstellung "Der frühe Vogel kann mich mal“? Ist das eine gesunde Lebenseinstellung oder eher ein Fluch?
Max Riemelt: "Das ist stimmungsabhängig. Klar kann das ein Lebensgefühl sein. Das ist bei vielen Leuten so, dass sie mal so drauf sind und mal so. Ich nehme das Sprichwort nicht allzu wörtlich, sondern auf den übertragenen Sinne aufs Leben: ob man immer hinterher ist, die Leute nervt oder Dinge einfach passieren lässt."
Hast du bereits in einer WG gelebt?
Max Riemelt: "Ich hab mich immer gegen eine WG gewehrt und die meiste Zeit alleine gelebt. Ich brauche meine eigenen 4 Wände (auch bei Filmdrehs). Ich kann mich schwer auf Kompromisse einlassen. Ich will auch einfach mal meine Ruhe haben und die ist in einer WG sehr schwierig zu finden."
Australien ist ein beliebtes Studenten-Reiseziel. Strebst du Down Under auch als Backpacker an, oder interessieren dich eher andere Länder?
Max Riemelt: "Ich kann mir natürlich sehr gut vorstellen, eine Weile in Australien zu verbringen, dort gibt es sehr viel zu sehen! Einige Szenen im Film wurden ja in Australien gedreht und so kommt man auch mit Menschen in Verbindung, die man sonst nicht unbedingt treffen und als Tourist auch nicht kennen lernen würde, weil man direkt mit Ihnen durchs Arbeiten in Kontakt kommt."
Der Film "13 Semester“ bringt es auf den Punkt: "Was im Leben wirklich zählt!“ Was zählt im Leben?
Max Riemelt: "Das Leben so bewusst wie möglich erfahren, ehrlich zu sich sein können, Dinge genießen und verwirklichen können, die man sich vorstellt und erträumt – darum geht es im Leben."
Musstest du selbst bereits Sinnkrisen bewältigen?
Max Riemelt: "Diverse! Mir fällt jetzt keine ein, die ich nicht bewältigt hätte! Es sind immer einige gegenwärtig."
Siehst du Momos Studentenzeit in "13 Semester“ als vergeudete Zeit?
Max Riemelt: "Nein, denn jeder muss seine Erfahrungen selbst machen und selbst herausfinden, ob etwas richtig oder falsch ist. Deswegen ist keine Zeit vergeudet. Das ist ja letztendlich auch die Moral von der Geschichte."
Die Filmmusik in "13 Semester“ ist mit "Bonaparte“ sehr speziell. Ist das eine Band, die du dir auch privat anhörst?
Max Riemelt: "Oh ja, ich höre viel Musik! Ich mag "Bonaparte“, denn sie sind sehr kreativ, geben dem Film eine ganz eigene Note und machen ihn noch ein Stück besser. Wir starteten eine Aktion für Leute, die den Film kennen und das Lied "Anti Anti“ toll finden: Sie können ihre eigenen Videoclips zum Filmsong drehen und wir machen wiederum einen eigenen Clip daraus."
Ist deine Aussage "Das schlimmste ist die Zeit zwischen zwei Filmen“ noch aktuell?
Max Riemelt: "Ich habe viel zu tun: ein sehr lebendiges Privatleben (Max Riemelt ist vor zwei Jahren Vater geworden), ich mache auch gerne Urlaub, Castings, Nachsynchronisieren, TV-Auftritte und Interviews. So verbringe ich die Zwischenzeit bis zum nächsten Projekt."
