Exmoorponys im Hutewald

Kleine Wildpferde als Landschaftspfleger

Exmoorpony im Wald - Sylvia K. Brehm
Exmoorpony im Wald - Sylvia K. Brehm
Warum werden Exmoorponys in Naturschutzprojekten eingesetzt? Wovon ernähren sich die Ponys im Wald? Was ist ein Hutewald?

Einige deutsche Züchter nutzen ihre Exmoorponys weniger zum Reiten und Fahren, sondern sie züchten sie, weil ihnen die Ponys gefallen und sie zum Erhalt der Rasse beitragen wollen. Dazu gehören auch viele Natur- und Tierparks. In manchen Parks wird den Ponys eine möglichst naturnahe Lebensweise ermöglicht, so dass ihr Wildpferde-Charakter erhalten bleibt. So auch im romantischen Tierpark Sababurg im Reinhardswald bei Kassel, dort hat auch die Deutsche Exmoor-Pony-Gesellschaft ihren Sitz. Schon seit 1974 gibt es Exmoors im Tierpark Sababurg. Auf 13 Hektar Weidefläche tummeln sich hier der zehnjährige, gekörte Hengst Ernie (von Alcaide), acht Stuten und deren Nachzucht. Drei der Sababurger Stammstuten sind im Stutbuch der Exmoor Pony Society eingetragen, ihre Fohlen erhalten daher die volle Anerkennung des Mutterverbandes und das entsprechende Brandzeichen. Die übrigen Stuten haben keine von der Exmoor Pony Society anerkannten Papiere, ihre Fohlen erhalten daher nur einen Nummernbrand. Die Fohlen stehen nach der Registrierung zum Verkauf.

Exmoorponys pflegen die Landschaft

Immer häufiger kommen die anspruchslosen Exmoorponys in Deutschland aber auch als „Landschaftspfleger“ in extensiven Beweidungs- und Naturschutzprojekten zum Einsatz. Meist gemeinsam mit ursprünglichen Rinderrassen beweiden sie dabei ganzjährig großflächige, naturnahe Biotope. So „arbeiten“ Exmoorponys beispielsweise für die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im direkt an der Eider gelegenen Stiftungsland Hammer nördlich von Mielkendorf bei Kiel, für das Umweltzentrum BUZO e.V. auf den Rüppurrer Wiesen bei Karlsruhe, am Leipziger Porschewerk und im Hutewald-Projekt des Naturpark Solling-Vogler.

Das Hutewald-Projekt im Solling

Gemäß der Theorie „Große Weidetiere prägen Landschaften“, greift das Hutewald-Projekt im Solling auf fast vergessene forstwirtschaftliche Methoden zurück. Der Solling ist durch zahlreiche Reste ehemaliger Hutewaldwirtschaft geprägt. Hutelandschaften sind selten gewordene Überbleibsel einer jahrhundertelang intensiv betriebenen Beweidung des Waldes durch Schweine, Schafe, Rinder und Pferde, die hier fast ganzjährig Nahrung fanden. Durch den meist viel zu hohen Tierbesatz bei dieser früher üblichen Hutehaltung, verbunden mit Laubstreu- und Holzaustrag, kam es zu einer massiven Übernutzung und in deren Folge Verarmung der Wälder, so dass schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts die Waldweide und Laubstreunutzung verboten wurde.

Das vom Naturpark Solling-Vogler und der Fachhochschule Lippe und Höxter auf den Weg gebrachte Projekt „Hutelandschaftspflege und Artenschutz mit großen Weidetieren“ machte es möglich, dass seit dem Sommer 2000 ganzjährig Exmoorponys und Heckrinder in den lichten Eichenwäldern nahe der Ortschaft Amelith im Solling (Südniedersachsen) weiden. In dem 171 Hektar großen, zum Forstamt Winnefeld gehörenden Projektgebiet im Reiherbachtal soll damit eine ökologisch und historisch bedeutende Waldlandschaft, mit ihrer Arten- und Lebensraumvielfalt, erhalten und die Verzahnung von Wald und Offenland gefördert werden. Die robusten, ganzjährig im Freien lebenden Ponys und Rinder fressen neben Gräsern und Kräutern auch Blätter, Knospen, Zweige, Rinde und Früchte von Bäumen und Sträuchern. Wie einst Auerochsen, Wisente und Wildpferde sorgen sie damit auf natürliche Weise für eine Auflockerung des landschaftlich reizvollen und aus Naturschutzsicht bedeutsamen lichten Eichenwaldes. Der massiv aufkommende Buchenjungwuchs, der dem Lebensraum vieler licht- und wärmebedürftiger Tier- und Pflanzenarten auf lange Sicht Licht und Wärme nehmen würde, soll in erster Line kurz gehalten werden. Dabei leisten vor allem die Exmoorponys eine unschätzbare Hilfe, denn sie sind ideale Waldlandschaftspfleger, die sich selbst im Winter zu einhundert Prozent von dem ernähren, was der Wald hergibt.

Erstmals in Deutschland haben hier Besucher die Möglichkeit, ein weitgehend natürliches Verhalten von “Waldpferden“ und „Waldrindern“ zu beobachten. Der durch das Gebiet führende „Hutepfad“ bietet Einblicke in die Entwicklung der Solling-Landschaft seit der letzten Eiszeit und veranschaulicht die Zusammenhänge zwischen einer behutsamen Nutzung des Waldes durch Weidetiere und dem Vorkommen von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Ein 4,5 Hektar großes Schaugehege bietet zudem die Möglichkeit einige Exemplare der Heckrinder und Exmoorponys zu beobachten. Daneben gehören eine Informations-Ausstellung, Hutewaldschule und Naturspielplatz zum Hutewald-Projekt.

Etwa 30 Exmoorponys leben aktuell in verschiedenen Herden im Reiherbachtal. Die Nachzucht ist verkäuflich.

Sylvia K. Brehm , Sylvia K. Brehm

Sylvia K. Brehm - Sylvia Kirsten Brehm ist am 16. Januar 1965 in Rotenburg a.d. Fulda geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem ...

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