
- Elton John, Greatest Hits live O2-Arena Berlin - Semmel
Es heißt „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“. Was das für den 64jährigen Paradiesvogel Elton John bedeutet, wagt man sich nicht auszumalen, kostete er sein Leben bisher, vor allem in den Siebziger Jahren, exaltiert aus. Annähernd 10 000 Zuschauer kamen zu seiner Piano-Show in die Berliner O2-Arena. Pünktlich um 20 Uhr erklang „Funeral For A Friend“, das Piano-Instrumental seines 73er-Doppel-Albums „Good Bye Yellow Brick Road“ - sein persönliches Lieblings-Beerdigungs-Lied. Elton singt, als wäre Marilyn Monroe 2.0 im Publikum anwesend, doch „Candle in the wind“ gibt es diesmal nicht. Viele seiner größten Hits wie „I'm still standing“, „Nikita“, „Daniel“, „Healing hands“, „A word in spanish“, „Can you feel the love tonight“ oder „Easier to walk away“ wurden ebenfalls nicht gespielt. Doch als „Don't let the sun go down on me“ und „Sorry seems to be the hardest word“ erklingen, ist der ganze Abend gerettet – eine Legende am Piano – Weltklasse!
Kitsch auf Videoleinwänden und Großbildwand hinter Piano und Band
„Bitch“ (Schlampe) heißt es auf großen Lettern auf der Großbildwand vor der Eltons Band spielt. Marilyn Monroe erscheint darauf; Krokodile, bimmelnde Hochzeitsglocken. Surreale Kunstwerke aus den Farben der englischen Flagge bestehend. Rosarote Flamingos tänzeln im orangefarbenen Sonnenuntergang und vor blauem Sonnenaufgang. Tattoos, Totenköpfe, Stromlinien, Blitzlinien – eine Glitzer-Bühne! Die kroatischen Pop-Cellisten Stjepan Hauser und Luka Sulic wurden fest in das Konzert integriert, sowie vier bombastische Background-, Chor-Sängerinnen und seine alten Eisen Gitarrist Davey Johnstone (seit 1972 dabei) und Schlagzeiger Nigel Olsson (seit 1969 dabei). Außerdem mit von der Partie: Bassist Bob Birch, Percussionist John Mahon und Keyboarder Kim Bullard. Elton Johns Stimme, die in den 80ern nach einem Drogen-Entzug wieder reanimiert wurde, wäre noch besser zur Geltung gekommen, wäre die Band etwas dezenter, prunkloser gewesen.
„Greatest Hits“ aber auch viele unbekanntere Songs wurden gespielt
„The Piano Man“, der inzwischen Vater geworden ist (Sohn Zachary wurde von einer Leihmutter ausgetragen und wird von ihm mit seinem Ehegatten David Furnish großgezogen) trug einen schwarzen Mantel, an Ärmeln mit Blumen und am Rücken mit einem blumenverzierten Totenkopf bestickt. Neben seinen „Greatest Hits“ wie „Saturday night's allright“, „Sad Songs (say so much)“, „Benny and the Jets“, „Tiny dancer“, „Good bye yellow brick road“ und „Crocodile rock“ (Laaalalalalalaaaa wurde allein vom Publikum gesungen) spielte Elton mit seiner Band auch etliche unbekanntere Songs, drei aus seinem aktuellen Album „The Union“, bei denen eine der Background-Sängerinnen wie eine Irre kreischte - das soll nicht heißen, dass das schlecht war - ganz im Gegenteil!
Elton John spielte zweieinhalb Stunden live in Berlins O2-Arena
Es gab nach jedem Song Standing Ovations in und um die bestuhlte Arena, bei „Rocket Man“ konnten die Ordner die Fans nicht mehr halten, die vor die Bühne zu ihrem Idol stürmten. Nach zweieinhalb Stunden bedankt sich Elton bei seinen Fans mit den Worten, dass er sie liebe und ihnen „Liebe, Glück, Gesundheit und Frieden“ wünsche - er gibt die Zugabe „Your Song“. Tränen der Rührung fließen. Elton John – wer liebt ihn nicht?
Elton John „Greatest Hits“ live in Berlins O2-Arena fand am 18. Juni 2011 statt, Konzertveranstalter Semmel
