
- Exotisches Fleisch: hier Känguruh - C.v.Gerstenberg
Bekanntlich geht dem Deutschen in kulinarischer Hinsicht nichts über Schweinebraten, Schnitzel und Currywurst. In letzter Zeit werden zunehmend auch exotische Fleischsorten wie Gnu, Zebra, Springbock, Känguruh, Phyton und Klapperschlange im Handel angeboten. Hat Fleisch von Exoten eine Chance, sich in der deutschen Küche zu etablieren?
Gnus: Die wilden Rinder der afrikanischen Savanne
Gnus sind afrikanische Kuhantilopen, die in großen Herden leben und die Savanne durchstreifen. Vom Äußeren her ähneln sie Rindern. Wegen ihrer Haut und dem schmackhaften Fleisch mit dem ausgeprägten Wildgeschmack werden sie seit jeher von den Einheimischen gejagt. Ein ausgewachsenes Gnu kann ein Gewicht von zweihundert Kilogramm erreichen. Gnufleisch kann man in Form von Filet, Keule, Steaks und Gulasch erwerben. Auch Gnu-Schinken ist erhältlich. Gebraten schmeckt Gnufleisch besonders gut.
Krokodilfleisch stammt von afrikanischen Zuchtfarmen
In südafrikanischen Krokodilfarmen werden die Tiere nicht nur wegen ihres Leders gezüchtet, das zu Schuhen und Handtaschen verarbeitet wird. Das im Handel erhältliche Fleisch stammt ausschließlich von Farmen, also nicht von wildlebenden Tieren. Es ist zartrosa und ähnelt in Aussehen und Geschmack einer Mischung aus Kalbfleisch und Fisch. Da es ausgesprochen zart und fettarm ist und einen niedrigen Cholesterin- bei einem hohen Proteingehalt aufweist, eignet es sich ideal für den ernährungsbewussten Konsumenten. Angeboten werden Krokodil-Steaks, Gulasch, Filet und Schwanz. Krokodilfleisch wird vor allem gebraten oder im Backofen zubereitet. Dazu passt Reis und Gemüse.
Phyton und Klapperschlange: Die traditionelle Jagd auf gefährliche Tiere
Hierzulande wird sich der eine oder andere schlicht weigern, Schlange zu verspeisen oder dies sogar eklig finden. Es gibt auch Menschen, die keinen geräucherten Aal essen, da dieser einer Schlange ähnelt. Dabei gehören einige Schlangenarten in Nordamerika schon seit langer Zeit ganz selbstverständlich auf den Speisezettel. Auch in Teilen Afrikas werden Klapperschlangen gejagt, getötet und verspeist. Im US-amerikanischen Staat North-Carolina zum Beispiel stellen die hochgiftigen wildlebenden Tiere eine echte Gefahr für die Bevölkerung dar und werden deshalb systematisch gefangen und getötet. Aus der wertvollen Schlangenhaut werden teure Stiefel, Handtaschen und Jacken gefertigt, während man das hellrosafarbene kompakte Fleisch zu schmackhaften Speisen verarbeitet. Phyton- und Klapperschlangenfleisch wird gern gebraten und gegrillt.
Wo kann man exotisches Fleisch kaufen oder bestellen?
Wer Fleisch von Exoten probieren möchte, wendet sich am besten an den Fleischer seines Vertrauens, der mit seinen verlässlichen Bezugsquellen einem interessierten Kunden sicher weiterhelfen kann. Im Internet kann man exotisches Fleisch in einigen speziellen Online-Shops bestellen. Auch im Großhandel findet man immer öfter Exotenfleisch wie Känguruh, Springbock oder Elch. Das Fleisch vom Straußenvogel hat es sogar bis in unsere heimischen Supermärkte geschafft und wird zudem von einigen Discountern in Form von tiefgekühlten Straußensteaks oder Straußenfilet angeboten.
Fleisch von exotischen Tieren ist verständlicherweise teurer als Schweine- oder Rindfleisch aus Massentierhaltung. So muss man für 500 Gramm Krokodil-Filet etwa 35 Euro ausgeben. Ein Kilogramm Klapperschlangen-Filet gehört mit rund 120 Euro zu den ausgesprochen kostspieligen Fleischsorten. 400 Gramm Phyton-Filet kostet etwa 40 Euro. Günstiger sind Gnu-Steaks aus der Keule, für die man pro Kilo etwa 30 Euro, also kaum mehr als für qualitativ hochwertiges Rindfleisch bezahlt.
Ob sich Exotenfleisch in der deutschen Küche auf Dauer durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Vor allem für Schlangenfleisch kann dies bezweifelt werden. Einen Nischenmarkt für Feinschmecker, Gastronomen und experimentierfreudige Hobbyköche bedient es aber allemal.
