Kurzfilm-Abend mit experimentellen Videos

Wolfram Weiße zeigte nicht-kommerzielle Werke deutscher Autoren

Der Geretsrieder Filmemacher Wolfram Weiße präsentierte Kurzfilme. Es waren künstlerische Filmgedichte, Bildtableaus, Musikfilme und Animationen.

Wolfram Weiße zeigte experimentelle Filme, die unter die Haut gehen, die faszinieren, die irritieren und im Bereich der bildenden Kunst einen festen Raum einnehmen. Auf dem Kurzfilmabend, im Rahmen des Kulturherbstes in Geretsried, südlich von München, präsentierte der Filmemacher eine Auswahl von Filmgedichten, Selbstporträts und Animationen – eigene und die von anderen Filmautoren Deutschlands.

Keine leichte Kost: Experimentelle Kurzfilme

Gerade noch die ersten beiden Kurzfilme “Die Äpfel des Piazzolla“ eine musikalische Impression in einer alten Saftkelterei von Lukas Kremmler und die “Ballnacht“ eine experimentelle schwarz-weiß-Inszenierung, nach Vorlage einer Kurzgeschichte Franz Kafkas vom Röntgen Gymnasium in Würzburg, hatten einen Handlungsablauf. In den folgenden elf Kurzfilmen löst sich dieser dann zusehends auf. “Sie werden immer heftiger und künstlerischer, haben alle nichts gemein mit Spiel- und Dokumentarfilmen“, kündigt Weiße an. So dauerte es vier Minuten, bis sich eine alte Frau, die exzessiv Gitarre spielt, vor den Augen der Zuschauer zur grotesken Gestalt verwandelt, bis sie sich schließlich in einem Farbstrudel völlig auflöst. Ein bedrückendes Gefühl von der eigenen Endlichkeit schleicht sich an. “Das ist keine leicht Kost, heute Abend“, hört man jemanden sagen. Der Film heißt provokant “Spielend älter werden“ von Myrite Herden aus Köln. Weiße kennt sie und die Münchner Künstlerin Gisela Grosse gut. “Man findet auf Filmfestivals Kontakt in der Branche“, sagt Weiße.

Gisela Grosses Experimentalfilm “Wechselbad“: Psychedelisch verätzt und verwischt

Ganz anders ist Grosses Experimentalfilm “Wechselbad“. Man könnte ihn als dynamische Malerei einordnen. Eine Collage eines Frauengesichtes, mit Augen, die aus der Leinwand ins Leere starren. Die Mimik wird von blubberndem Farbfluss verändert, langsam psychedelisch verätzt, verwischt und aufgelöst. Verwundbarkeit symbolisiert diese Filmcollage, die mit aggressiv synthetischer Musik ihren Betrachter fest am Kragen packt.

Eine "Decollage" aus zerstörten Materialien

Der Film ist ein Kommunikations-Medium, mehr als die Malerei, findet Weiße. Die Auswahl, die er an diesem Abend zeigt, hat er von Geretsried bis Berlin gesammelt. Es sind Autoren im Alter zwischen 18 und 75 Jahren. Weiße organisiert solche Filmabende, weil er findet, dass ein “Film erst lebt, wenn er gesehen wird.“ Auch Weißes Film-Gemälde braucht knapp fünf Minuten Beachtung. Seine “Decollage“ ist aus zerstörten Materialien zusammengesetzt. Darin wechseln sich Aufnahmen von Alltagszenen ab – schemenhaften Menschensilhouetten oder Details von Abbruchfassaden – und werden von fließenden Farbschichten überlagert. Eine dynamische Bewegung entsteht, die verwirrt, beruhigt oder aufregt – ganz sicher aber, bei jedem etwas anderes auslöst. Diesen Freiraum lässt Weiße.

Das Labyrinth des Anish Kapoor“ von Wolfram Weiße rundet das Programm ab

Nach zwei Stunden Gefühlspotpourri endet der Abend mit einem Experimentalfilm von Wolfram Weiße: Das “Labyrinth des Anish Kapoor“. Noch einmal entführt Weiße die Besucher in die Irrealität. Er filmte Menschen, wie sie in Kapoors Spiegelkabinett-Ausstellung durchs Haus der Kunst irrten. Alles schwankte in Weißes Film, letztlich schwanken auch die Geretsrieder Gemüter. Am Ende ist Weißes Rat “noch ein wenig zu verweilen und zu plaudern“ gerade angebracht.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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