Der international bekannte Erziehungsberater und Familientherapeut Steve Biddulph sieht die Fremdbetreuung von Kindern in Kinderkrippen- und Kindertagesstätten kritisch. Zahlreiche Studien in verschiedenen Ländern zeigten, so Biddulph, dass Säuglinge und Kleinkinder dadurch in ihrer Entwicklung negativ beeinflusst würden. Während der ersten drei Lebensjahre wäre seiner Meinung nach die ideale Betreuungsform eine Eins zu Eins-Betreuung durch eine liebevolle, einfühlsame Person (Eltern, nahe Verwandte oder, falls nicht anders möglich, auch eine Tagesmutter). Dies gelte insbesondere für Jungs, bei denen die Trennungsangst im Durchschnitt stärker ausgeprägt sei.

Wieso auswärtige Kinderbetreuung trotzdem ratsam sein kann

Die Realität von Familien sieht jedoch so aus, dass viele Eltern gar keine andere Wahl haben, als die Dienste von Kinderbetreuungs-Einrichtungen in Anspruch zu nehmen. Meist sind es finanzielle Gründe, die Single-Eltern oder Elternpaare zur Berufstätigkeit zwingen, oft aber auch persönliche Gründe wie ein großes Bedürfnis nach Berufstätigkeit. Eltern, die Elternzeit nehmen und ihre Kinder selbst erziehen, sind oft von sozialen Kontakten abgeschnitten, fühlen sich isoliert und leiden darunter. Nicht wenige entwickeln in dieser eigentlich so schönen Phase Depressionen. In diesen Fällen ist es letztendlich für alle Beteiligten besser, wenn die Eltern die Kinder auswärtig betreuen lassen und wieder (eventuell in Teilzeit) arbeiten gehen beziehungsweise auch Dinge ohne Kind unternehmen. Solange Eltern in vielfacher Hinsicht auf sich alleine gestellt bleiben und ihnen oft nicht ermöglicht wird, auf Wunsch die eigenen Kinder während der ersten drei Jahre selbst Zuhause zu erziehen, und es wirklich kinderfreundliche, bezahlbare Betreuungseinrichtungen mit möglichst niedrigem Betreuer-Kind-Schlüssel gibt, könnte Steve Biddulphs Richtlinie zur Kinderbetreuung Eltern etwas Orientierung geben, um das Richtige für sich und ihre Kinder zu finden.

Welche Betreuungsform eignet sich für welches Alter?

Für Babys im ersten Lebensjahr rät Biddulph, den Säugling wenn irgendwie möglich durch einen Elternteil oder nahen Verwandten betreuen zu lassen – und Babysitten durch andere Personen auf kurze Zeiträume zu beschränken. Kleinkinder im 2. Lebensjahr sollten am besten weiterhin von den Eltern oder nahen Verwandten betreut werden, wobei Eltern jetzt einen kurzen Fremdbetreuungs-Tag einführen können – idealerweise mit einem Betreuungsschlüssel von eins zu eins bis eins zu drei.

Im dritten Lebensjahr kann die bereits begonnene Betreuung auf zwei kurze Tage in der Woche ausgedehnt werden. Alternativ dazu kann man mit halben Tagen in einer Kindertagesstätte oder einem Kindergarten beginnen – falls das Kind sich gut darauf einlässt. Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren können fünf halbe Tage in einer guten Betreuungseinrichtung betreut werden. Dabei sollte man auf Folgendes achten:

  • Niedriger Betreuungsschlüssel
  • zum kreativen Spiel anregende Umgebung
  • ein gut strukturierter Tagesablauf ohne verfrühtes intellektuelles Lernen
  • gute Lärmdämmung
  • Verzicht auf Fernsehen, Computer und andere Medien

Betreuungsoptionen in bevorzugter Reihenfolge

Für Eltern, die ihr Kind nicht selbst betreuen, gibt Biddulph eine Richtschnur für denkbare, akzeptable Betreuungs-Arrangements in bevorzugter Reihenfolge an.

  1. Als erstes sollte man, falls möglich, einen nahen Verwandten oder Freunde um Hilfe bitten. Es sollte sich um jemanden handeln, der gerne Ihr Kind betreut und mit Kindern umgehen kann.
  2. Sollte das nicht möglich sein, rät Biddulph als nächsten Schritt, eine/n vertrauenswürdige/n Tagesmutter/Tagesvater mit der Betreuung des Kindes zu beauftragen – wobei sicher gestellt werden sollte, dass individuell und regelmäßig auf Ihr Kind eingegangen wird.
  3. Falls auch das nicht möglich sein sollte, suchen Sie eine wirklich gute Kindertagesstätte/ Kinderkrippe mit möglichst stabilem Mitarbeiter-Team und gutem pädagogischen Konzept (siehe oben). Beginnen Sie langsam – mit kurzen Zeiten und begleiten Sie Ihr Kind mindestens einen Tag lang zur Eingewöhnung.
Welche Betreuungsoption Sie auch wählen, bleiben Sie sich bewusst, dass Sie als Eltern immer noch den wichtigsten Einfluss auf Ihr Kind darstellen. Eine gesunde Familie bedeutet, dass es jedem gut geht – auch den Eltern. Sind Eltern unglücklich oder gar depressiv, weil sie nicht arbeiten gehen können und sich in der Elternzeit isoliert fühlen, sollte eine andere Lösung gefunden werden, auch zum Wohl der Kinder.

Mama und Papa sind die Besten

Die ideale Situation, um dies zu wiederholen, ist jedoch natürlich, wenn Mama oder Papa sich selbst um die eigenen Kinder unter drei Jahren kümmern können – vorausgesetzt, sie tun dies gerne - weil diese Zeit so zentral für die Entwicklung der Kinder und den Aufbau einer tragfähigen, vertrauensvollen Beziehung zwischen Eltern und Kind ist. Und es geht dabei nicht nur um „Quality Time“ – diese Dinge brauchen einfach sehr viel Zeit – und was in dieser sensiblen Phase verpasst wird, lässt sich kaum wieder aufholen. Diese Zeit kommt nicht wieder und wer sie sich nimmt, wird mit vielen zauberhaften Momenten belohnt, die ein Erinnerungsschatz für das ganze Leben sein können.

Quellen und verwandte Artikel: