Von Prof. Dr. Mintken

Aktualisiert: 2013-09-20

Qualifikationsarbeiten, Forschungsvorhaben und Entwicklungsprojekte erfordern einen beachtlichen Ressourceneinsatz. Es ist deshalb zweckmäßig, vor dem Einsatz der Ressourcen abzuschätzen und zu prüfen, ob sich das Vorhaben realisieren lässt, ein angemessener Nutzen zu erwarten ist und in welchem Umfang Zeit, Geld und andere Ressourcen benötigt werden. Derartige Überlegungen folgen in gewerblichen Betrieben und anderen größeren Organisationen einem standardisierten Ablauf. So werden auch im Wissenschaftsbereich Förderanträge bei den bekannten Förderinstitutionen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder der Volkswagenstiftung in standardisierten Verfahren mit entsprechenden Prüfschritten bearbeitet. Zur Prüfung der Realisierbarkeit und eines vertretbaren Ressourceneinsatzes ist auch bei kleineren Projekten oder bei akademischen Qualifikationsvorhaben ein aussagekräftiger Antrag erforderlich, so zum Beispiel für die Zulassung zur Promotion.

Nach der jeweiligen Promotionsordnung wird ein Exposee mit Angaben zum Inhalt und zur Methodik des geplanten Forschungsvorhabens gefordert, auf dessen Grundlage die Zulassung zur Promotion erfolgt, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Das professionelle Exposee bildet zugleich die Grundlage für die Betreuung des Forschungsvorhabens durch einen Professor.

Wesentlicher Inhalt eines Exposees für ein Promotionsvorhaben

Für das Exposee wird zunächst der Arbeitstitel des Vorhabens formuliert. Dieser sollte nicht zu eng gewählt werden, eine weitere Einschränkung der Untersuchung ist später durch Hinzufügung eines Untertitels oder durch entsprechende Hinweise in der Einleitung möglich.

Im Mittelpunkt des Exposees stehen die Punkte

  • Gegenstand der Untersuchung
  • Untersuchungsfragen
  • Methodik der Untersuchung
  • Erwartetes Gesamtergebnis
Zur Kennzeichnung des Gegenstandes der Untersuchung dienen Angaben zur Zielsetzung des Forschungsvorhabens und zum speziellen Umfang des in Aussicht genommenen Untersuchungsbereiches. Dabei soll deutlich werden, welcher Beitrag zum Erkenntnisgewinn oder zur Problemlösung von der beabsichtigten Forschungsarbeit zu erwarten ist. Hierzu muss der aktuelle Stand der Forschung auf dem betreffenden Gebiet in Grundzügen unter Angabe der jeweiligen Literaturbelege dargestellt werden; eventuelle Kontroversen, die zu schließende „Forschungslücke“ und der Problemkontext müssen dabei deutlich erkennbar werden.

Aus den allgemeinen Angaben zur Zielsetzung werden Untersuchungsfragen stringent hergeleitet, die im Zuge der Forschung weiter zu operationalisieren und zu beantworten sind. Es sind verschiedene Ziele denkbar, wie die Überprüfung vorhandener Hypothesen mit neuen Methoden, die Erhebung von Daten zur Entwicklung neuer Hypothesen, die Übertragung von Methoden aus einer anderen Wissenschaftsdisziplin auf den Untersuchungsbereich oder der systematische Vergleich vorgeschlagener fachbezogener Alternativen oder Theorien. Hierzu sind geeignete Methoden wie zum Beispiel empirische Erhebungen, Text- und Inhaltsanalysen, Experimente oder Simulationen begründet auszuwählen.

Ergänzend sind ferner die wichtigsten Randbedingungen und eventuell notwendige Kooperationsbeziehungen für das Forschungsvorhaben darzulegen. Schließlich sind auch der finanzielle Aufwand, der Zeitbedarf sowie der Programm- und Gerätebedarf sachkundig zu schätzen. Auf dieser Basis lassen sich bereits eine vorläufige Gliederung der Arbeit sowie das sachlich und zeitlich gegliederte Arbeitsprogramm formulieren. Die Machbarkeit des Vorhabens ist insgesamt schlüssig zu begründen.

Im Anhang zum Exposee wird das sachlich und zeitlich gegliederte Arbeitsprogramm in tabellarischer Form angefügt. Das Arbeitsprogramm soll deutlich machen, in welcher Abfolge und mit welchem Zeitbedarf die einzelnen Forschungsphasen vorgesehen sind und wann das wissenschaftliche Ziel erreicht werden soll. Erfahrungsgemäß führen die verschiedensten Unwägbarkeiten dazu, dass der anfänglich geschätzte Zeitbedarf überschritten wird, es sind daher ausreichend Pufferzeiten einzuplanen.

Anhand des zu erwartenden Gesamtergebnisses wird der Nutzen des Forschungsvorhabens dargestellt. Der Nutzen kann sich auf die weitere Forschung, aber auch auf die praktische Anwendung der erwarteten Ergebnisse beziehen.

Formale Gestaltung des Exposees

Das Exposee wird formal nach den üblichen Regeln für wissenschaftliche Arbeiten gestaltet. Es sind also ergänzend zu dem eigentlichen Text ein Titelblatt, ein Inhaltsverzeichnis, ein Literaturverzeichnis und ein Anhang erforderlich. Wichtige Hinweise hierzu liefern die Normen DIN 1421 und DIN 1422 des Deutschen Instituts für Normung (DIN). Insgesamt ist ein Umfang von etwa 10 bis 15 Seiten üblich.

Literatur- und Quellenhinweise

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Leitfaden für die Antragstellung, Projektanträge. DFG-Vordruck 54.01 – 1/12, Bonn o.J. (2012)

DIN 69901-5: 2009-01: Projektmanagement – Projektmanagementsysteme – Teil 5: Begriffe

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