
- Akt von Traudl Klor - Andrea Weber
Die Klappe fällt, Regisseur Andreas Jordan-Drost sagt laut „Bitte“ – für alle Anwesenden das bestimmende Signal, dass jetzt gedreht wird, dass Stille zu herrschen hat. Assistenten, Statisten, Beleuchter drängen in den Hintergrund. Die eifrige Geschäftigkeit hört abrupt auf – Film ab, die Kamera läuft: Anna Rombach, die Bürgermeisterin von Küblach, gespielt von Julia Grimpel, hat zur Vernissage eingeladen. Sie nickt freundlich aber kühl, während sie die Gäste begrüßt. Drei Personen wandeln umher, sehen sich mit vermeintlichem Kennerblick um. Ein Bild sticht hervor. Das leuchtende Rot will beachtet werden, die Erotik eines Liebesaktes provoziert. Er greift ihr an die Brust, seine andere Hand scheint dort hin zu wollen, wo die Gefühle explodieren. Das Bild ist expressiv, nicht obszön, schon gar nicht anrüchig. Darf es auch nicht sein, denn hier wird „Forsthaus Falkenau“ gedreht. Die älteste deutsche Fernsehserie, die seit zwanzig Jahren im Vorabendprogramm des ZDF läuft. Die zwanzigste Staffel wird im kommenden Jahr ausgestrahlt.
Expressionismus spielt die Hauptrolle
Die Handlung: Eine Sekretärin, gespielt von Billie Zöckler, hat das Bild heimlich gemalt, es in den Wettbewerb unbekannter Künstler geschmuggelt und gewinnt schließlich damit den ersten Preis. In Wirklichkeit ist das Gemälde mit dem schlichten Titel „Ein Liebespaar“ von der im Münchner Süden lebenden Kunstmalerin Traudl Klor. Sie ist heute zu Gast bei den Drehaufnahmen der siebten Folge im Freisinger Rathaus. Nicht Klor steht hier im Rampenlicht, es ist ihr expressiver Malstil und ihre Farbgewalt. Es ist die starke Ausdruckskraft ihrer Malerei. „Meine Bilder sind wie Seelsorger“, sagt Klor, „weil sie von intimsten Gefühlen sprechen.“ Nur wenn sie sich in die Gefühle hineinversetzt, könne sie so authentisch sein, erklärt die Künstlerin.
Klassische Filmproduktion
Traudl Klor darf schwitzen, wie alle anderen auch, denn es ist heiß am Set, zwischen all den Scheinwerfern, Kameras und der Tontechnik. Aufnahmeleiter Peter Drexler schiebt sich während der Drehpause zwischen Filmleuten und Technik durch, checkt noch einmal und koordiniert. „Je mehr Schauspieler mitspielen, desto mehr Einstellungen machen wir mit der Kamera.“ Rund ein Minute dauert die Szene des Vernissage-Empfangs. Muss wer husten, wird sie neu gedreht. Bis heute Abend werden rund sieben Minuten fertiger Film im Kasten sein, eine Folge dauert 45 Minuten. „Wir machen eine klassische Filmproduktion, mit analoger Aufnahmetechnik, Filmschnitt und genügend Zeit für jede Einstellung“, erklärt Drexler. Unterdessen sitzen im kühlen Rathaus-Innenhof die Schauspieler Veronika Fitz, Martin Lüttge, Markus Böker und andere im Kreis. Sie reden nicht, sind in sich gekehrt, warten auf ihren Einsatz.
Papierschnipsel sucht Akt
Als Traudl Klor in einem Künstlerbedarfs-Großhandel bei München einen Papierschnipsel unter den Aushängen las, auf dem „Suche Akt“ stand, hat sie angerufen. Dann seien die Filmemacher von der „Neuen Deutschen Filmgesellschaft“ NDF zu ihr ins Atelier gekommen, erzählt sie, und hätten am liebsten gleich gedreht. Eine Wand und eine Fensterfront sollten weichen. Klor lacht: „Das ging gar nicht.“ Sie sagt nicht zu allem Ja und Amen, auch nicht wenn es um die Karriere geht. In ihrem Atelier steht das Lebenswerk der heute 70-jährigen Künstlerin. Sie malt seit 1957, hat lange bei Ludwig Maurer-Franken gelernt, der ein Meisterschüler von Ludwig von Herterich war, ein bedeutender deutscher Porträtmaler. Die Gleichstellung von Mann und Frau, der natürliche Umgang mit der Nacktheit, das Selbstverständnis der Sexualität sind zentrale Themen, die Traudl Klor in ihrer Aktmalerei zum Ausdruck bringt. Ihre Frauenkörper sind wie befreit von Unterdrückung und jahrelangen Zwängen, stellen sich selbstbewusst zur Schau, recken ihre Gliedmaßen, spreizen anmaßend die Beine. Die Gesichter erzählen von Unterdrückung, von Trauer, Verletzlichkeit aber auch von Sinnlichkeit und Begierde. Ebenso gefühlvoll zeigt sie eine andere Seite, die der leidenschaftlichen Liebe, einer geborgenen Zweisamkeit von Mann und Frau, von Mutter und Kind. Ihr Expressionismus und die kraftvollen Farbharmonien ihrer Bilder bringen die Wahrheit unverblümt auf die Leinwand. „Meine Bilder sollen berühren, erschüttern und nachdenklich machen“, sagt die Künstlerin.
„Wir haben lange nach so einem Bild gesucht, das kraftvolle Erotik zeigt, ohne pornografisch zu wirken“, so der Regisseur Jordan-Drost. Das starke Rot hat es dem Filmemacher angetan. „Es ist wie ein Signal, das die Zuschauer auf sich ziehen wird“, ist er sich sicher. „Das Liebespaar“ von Traudl Klor wird noch eine Weile am Drehort bleiben, denn es wird noch Schicksale zusammen führen, mehr verrät der Regisseur nicht.
