F. Scott Fitzgerald – Diesseits vom Paradies

Ein Buch über das Schicksal der verlorenen Generation

Fitzgerald: Diesseits vom Paradies - Diogenes
Fitzgerald: Diesseits vom Paradies - Diogenes
Die Geschichte eines jungen Mannes, der nach dem Sinn des Lebens und der Liebe sucht und dabei der oberflächlichen Gesellschaft der "Jazz Age"-Jahre zum Opfer fällt.

"Diesseits vom Paradies" war Fitzgeralds erster Roman und erschien im Jahre 1920. Das Buch verhalf ihm zu seinem literarischen Durchbruch und war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Der Roman erzählt das Leben des Amory Blaine, von dessen Geburt bis hinein in seine Mittzwanziger. Es ist eine Gesellschaftskritik des "Jazz Age", wie die 1920er Jahre in Amerika damals bezeichnet wurden, in denen die oberen Gesellschaftsschichten ein Leben in Saus und Braus führten und dabei oftmals sich selbst und auch andere zugrunde richteten.

Der Romanheld studiert in Princeton

Die Geschichte beginnt mit Amorys Geburt in ein wohlhabendes Elternhaus. Eine besondere Verbindung hat er zu seiner exzentrischen Mutter Beatrice, deren genussvolle Art zu leben er annimmt und die ihm einen Sinn für die vermeintliche Ästhetik der Welt beibringt. Sie ist es auch, die Amory das Gefühl vermittelt, zu etwas Höherem auserkoren zu sein, ein Gefühl, das ihm noch öfters Probleme bereiten wird. Nach der Schule besucht er das renommierte Princeton College, das seinen Charakter und seine Werte in besonderer Weise formt. Er findet seine Liebe zur Literatur, liest unzählige Bücher und beginnt selbst mit dem Schreiben. Ein guter Bekannter der Familie, Monsignor Darcy, ein Priester, wird ein enger Freund Amorys. Darcy sieht sich selbst in Amory wieder und prophezeit ihm eine herrliche, wenn auch ungewisse Zukunft. Die Ungewissheit ist ein Motiv, das an vielen Stellen des Romans auftaucht. Amory hat einige Freunde in Princeton, mit denen er über Literatur, Politik und den Sinn des Lebens philosophieren kann. Doch wie auch er haben wenige von ihnen eine klare Vorstellung, was sie mit ihrer Elite-Ausblidung anfangen sollen. Bald lernt er auch die schöne Isabelle kennen, die beiden verlieben sich, trennen sich aber bald wieder. Dies sollte nicht das letzte mal sein, dass Amory Pech in der Liebe hat.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Zwar ist Amory äußerst begabt, doch mangelt es ihm an Eifer, so dass er nach einem kurzen Höhenflug nie wieder zu den Besten seines Jahrganges in Princeton zählen wird. Es ist das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, das ihm seine Mutter vermittelt hat, sowie die Versicherung dessen von Seiten des Monsignor Darcy, die ihn zu einem eher faulen Studenten machen. Neben einigen unbedeutenden Liebesaffären sucht Amory verzweifelt nach dem Sinn des Lebens, doch bald schon kristallisiert sich aus seiner dunklen Vorahnung die Erkenntnis, dass er diesen niemals finden wird, da er vermutlich nicht existiert. Amory ist zu zynisch, um das Gute und Unschuldige im Menschen zu sehen, und die kommenden Jahre werden seine Sicht der Dinge noch verstärken.

Amory dient im ersten Weltkrieg in Frankreich

Er wird in Frankreich stationiert, der Autor lässt den Leser im Unklaren über die Erlebnisse Amorys während dieser Zeit. Der Krieg jedoch ist ein beinahe obligatorisches Element, nicht nur in den Büchern Fitzgeralds sondern auch den Geschichten anderer Autoren, die sich mit der "Verlorenen Generation" befasst haben, da die Menschen nach ihrer Heimkehr meist völlig aus der Bahn geworfen wurden.

Amory lernt mit Rosalind Connage seine große Liebe kennen, die ihn später zugrunde richten wird

Nach dem Krieg beginnt Amory als Werbetexter zu arbeiten. Kurz darauf lernt er die wunderschöne Rosalind kennen. Für beide sollte es Liebe auf den ersten Blick sein. Rosalind kommt aus einer gut gestellten Familie, die allerdings in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Dies ist es auch, was die Beziehung schließlich ruiniert. Amory hat zwar eine Villa von seinen Eltern geerbt, steht sonst aber mit leeren Händen da. Obwohl sie ihn von ganzem Herzen liebt, wendet Rosalind sich auf Drängen ihrer Mutter von Amory ab, zugunsten eines jungen Mannes mit besserem finanziellen Hintergrund. Dies ist kennzeichnend für die Werte der damaligen "guten" Gesellschaft, in der Prestige und finanzielle Sicherheit weit über wahre Gefühle gestellt wurden. Somit ist es auch diese Gesellschaft, die Amory zugrunde richtet. Er verkraftet die Trennung von Rosalind nicht, gibt seinen Job, der ohnehin nicht erfüllend war, auf und flüchtet sich in den Alkohol. Hier zeigt Fitzgerald, wie auch in seinen späteren Romanen, die grundsätzliche Verkommenheit der Gesellschaft des "Jazz Age". Dies stellt denn auch Amory fest, bereits in seinen Zwanzigern seine jugendliche Kraft verloren hat.

"Diesseits vom Paradies" ist Fitzgeralds erste Abrechnung mit dem Amerika der 1920er Jahre

Francis Scott Fitzgerald hat einige autobiographische Einflüsse in seinen ersten Roman einfließen lassen. Auch er lernte in Princeton, war damals unglücklich verliebt und stand fragend vor einer Gesellschaft, deren Werte er nicht mehr als "gut" ansehen konnte. In "Diesseits vom Paradies" schildert er, was die damalige Zeit aus einem Menschen machen konnte, dem einst eine große Zukunft vorhergesagt war, letztlich aber der Oberflächlichkeit der Gesellschaft zum Opfer fällt.

F. Scott Fitzgerald: Diesseits vom Paradies. Diogenes 2006 (Revidierte Übersetzung). Taschenbuch, 429 Seiten. Euro 24,90.

Simon Strauch, Simon Strauch

Simon Strauch - Geboren und aufgewachsen in Wuppertal. Interesse an fremden Kulturen durch ausgedehnte Reisen nach der Schulzeit geweckt. Mittlerweile ...

rss