Fabergé-Eier – Kostbarkeiten aus der Zarenzeit

Goldschmiedekunst in Vollendung

Die kaiserlichen Prunkeier - Prestel-Verlag
Die kaiserlichen Prunkeier - Prestel-Verlag
Der Goldschmied Fabergé erlangte Weltruhm, vor allem wegen seiner Ostereier, die von großem fachlichen Können und Fantasie zeugen, aber auch Geschichten erzählen

Carl Peter Fabergé wurde am 30. Mai 1846 als Sohn einer Hugenotten-Familie aus der Picardie in St. Petersburg geboren. Sein Vater Gustav betrieb dort bereits ein Goldschmiedegeschäft. Im Jahr 1860 zog die Familie nach Dresden. Darauf folgten für Carl Peter Reisen, eine Lehre in Frankfurt am Main beim Juwelier Friedmann und danach in Florenz, wo er in die Steinschneidekunst eingeführt wurde.

Carl Peter Fabergé – Goldschmiedemeister in St. Petersburg

Nach dem Tod des Geschäftspartners des Vaters konnte er 1881 mit eigenen Kreationen das Geschäft in St. Petersburg mitgestalten. Schmuck und Dekorationsobjekte im Stil der Zeit wurden geschaffen. Der junge Fabergé wurde zum Hofgoldschmied, Schätzer des kaiserlichen Kunstkabinetts und erhielt den St. Annenorden III. Klasse verliehen. Darüber hinaus fand er auch Anerkennung in Schweden und Norwegen, wo er ebenfalls zum Hofgoldschmied ernannt wurde. Das Unternehmen umfasste über 500 Mitarbeiter, darunter die Werkmeister Michael Perchin und Georg Stein, und es war 1900 auf der Pariser Weltausstellung vertreten, dem Trend der Zeit folgend, mit dem Maiglöckchenei im Art Nouveau-Stil. Dort wurde Fabergé zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und von der Pariser Goldschmiedegilde erhielt er den Titel Maître.

Die erfolgreiche Karriere endete abrupt mit der Oktoberrevolution 1917. Über Finnland und Wiesbaden ging Fabergé nach Lausanne ins Exil, wo er am 24. September 1920 verstarb.

Mit dem Ei und der Henne fing alles an

Im Jahr 1885 gab der Zar Alexander III. für seine Gemahlin Maria ein Ei als Osterpräsent in Auftrag. Fabergé kreierte ein schlichtes weißes Emaille-Ei, das einem wirklichen Ei sehr ähnlich war. Wenn man es öffnete, kam ein goldener Eidotter zum Vorschein. Dieser wiederum barg eine Henne in unterschiedlichen Goldfarben und mit Rubin-Augen. Um einen Eindruck von der Größe zu vermitteln, das Ei misst 6,4 cm, der Dotter 4 cm, die Henne 3,5 cm. Die Zarin fand Gefallen an der schlichten, aber doch sehr einfallsreichen Arbeit mit der Folge, dass auch Nikolaus II., der Nachkomme Alexanders, in den folgenden Jahren jeweils zwei Eier zu Ostern in Auftrag gab, eines für seine Mutter, das andere für seine Ehefrau. Dieses erfolgte bis zur Revolution 1917. Es wird behauptet, in der Zeit seien 50 Eier im Hause Fabergé entstanden, jedes zu einem anderen Thema, und stets kunstvoll gestaltet, wobei bei der Verarbeitung an kostbaren Materialien nicht gespart wurde. Fast immer waren auf den Werken der Zar oder ein Familienmitglied auf einem Miniaturmedaillon abgebildet und es wurde bei der Kreation Bezug zu einem bestimmten Ereignis aus dem Leben der Herrscherfamilie hergestellt. Als kostbarstes Ei gilt das Krönungs-Ei, in das die minutiös nachempfundene Kutsche eingearbeitet wurde, mit der 1897 die Romanows durch Moskau zu den Krönungsfeierlichkeiten fuhren. Um auch mal von Geld zu sprechen, Sotheby’s schätzte den Wert dieses Eis auf ungefähr 24 Mio. Dollar.

Das Schicksal der Kunstwerke nach der Oktoberrevolution

Mit der Oktoberrevolution 1917 wurden die meisten Fabergé-Eier konfisziert, in den Kreml verbracht und damit in sowjetischen Staatsbesitz überführt. Unter der Stalin-Ära musste der größte Teil des Schatzes mangels Devisen veräußert werden und so kamen die meisten Kunstwerke vor allem nach Paris, London und in die USA und gingen maßgeblich in Privatbesitz über.

Im Jahr 2004 wurde die Fabergé-Sammlung der Milliardärsfamilie Forbes vom zweitreichsten Mann Russlands Victor Vekselberg gekauft und trat die Reise zurück in ihr Ursprungsland an. Darunter sollen sich auch neun der kaiserlichen Fabergé-Eier befinden. Die Sammlung wurde nun auf die Reise geschickt, zuerst durch Russland und danach durch Europa. 2004 war die erste Station Berlin, da die Romanows schließlich deutsche Wurzeln hätten, wie Vekselberg geäußert haben soll. Seitdem ist diese Wanderausstellung in ganz Europa zu sehen.

Fabergé beim Karneval in Venedig

Wen wundert es da, dass ein Goldschmied aus Bielefeld das Thema Fabergé zu seinem Motto gewählt hat, um zum wiederholten Mal mit seinen Kostümen beim Karneval in Venedig zu aufzutreten. Horst Raack hat 2009 mit „Die Reisen des Marco Polo“ in Venedig den ersten Preis für seine Kostümgruppe gewonnen. Nun ist ihm das Thema gewissermaßen von Berufs wegen auf den Leib geschneidert. Es bleibt abzuwarten, ob seine glitzernde Pracht vor den Augen der Jury Gefallen findet.

Vera Carius, Sieke-Marthe Hamann

Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

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