Facebook will an die Börse

Facebook - Menschen sind Märkte - google images
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In Zeiten von Finanzkrise und Schuldenbergen kündigt Mark Zuckerberg den Börsengang seines Unternehmens für 2012 an. Wie gewagt ist dieser Plan?

Facebook will an die Börse: Von Experten schon seit einiger Zeit erwartet, schlug diese Nachricht, die eine Sprecher des sozialen Netzwerkes am 29.11.2011 zunächst gegenüber dem Wall Street Journal verlauten ließ, einige Wellen.

Wie Facebook sich finanziert

Mark Zuckerbergs Geschäftsidee bleibt so einfach wie genial und sein Unternehmen floriert. Facebook hat nach eigenen Angaben über 800 Millionen Nutzer, davon 500 Millionen, die sich täglich einloggen. Die Beteiligten der riesigen Community geben unbekümmert persönliche Informationen preis, damit bieten sie wertvolle Kundeprofile. Das Management von Facebook nutzt diese Profile mit der gleichen Unbekümmertheit, um sie an Werbefirmen zu vermarkten. Auf diese Art und Weise hat es das Unternehmen seit seiner Gründung 2004 auf einen geschätzten Jahresumsatz von 2 Millliarden US-Dollar gebracht.

Jedes Profil im Social Network ist so öffentlich wie sein Besitzer es gestaltet. Es steht jedem frei, unter welchem Namen, ob mit oder ohne Foto er sich präsentiert und welche Informationen er veröffentlichen möchte. Des weiteren ist nicht zu vergessen, dass es nicht nur Facebook ist, das die Daten seiner Nutzer für sich benutzt. Es gibt Unmengen von Tools zur Messung des Traffics auf Internetseiten, die der Zielgruppenanalyse dienen. Die sind nicht dafür konzipiert, die Website ästhetisch zu modifizieren, sondern den Nutzer als Werbezielscheibe besser kennenzulernen und auszubeuten. Es macht also eigentlich keinen Unterschied, ob man auf Facebook Fotos von seinem aktuellen Hausumbau mit Kommentaren versehen seinen Freunden zeigt oder ob man sich regelmäßig auf den Seiten verschiedener Baumärkte über deren Produktpalette informiert. Am Ende wird man beim Einschalten des Internets immer von Werbebannern zu den Themen Baumaterialien und Baufinanzierung attackiert werden.

Ist der Gang an die Börse realistisch?

In Zeiten, in denen man sich vielleicht nicht einmal mehr auf die chinesische Industrie verlassen kann, scheint das Marktkonzept soziales Netzwerk manchem Investor eine letzte Goldgrube zu sein. So investierten Im Janur 2011 Goldman Sachs und weitere Anleger 1,5 Milliarden US-Dollar in Facebook. Dabei wurde Facebook mit 50 Milliarden US-Dollar bewertet, und es wurde bekannt, dass Facebook 2009 einen Nettogewinn von 200 Millionen US-Dollar und einen Umsatz von 777 Millionen US-Dollar erzielt haben soll.

Auch wenn das Unternehmen seine echten Geschäftzahlen noch nicht offengelegt hat, der Schritt an die Börse erstaunt ob derartiger Einschätzungen nicht. Und doch bestehen weiterhin einige Risiken. Da sind zu allererst die schwache US-Wirtschaft und die Schuldenkrise in Europa zu nennen, die einen denkbar ungeeigneten Boden für Gehversuche an der Börse bieten. Des weiteren wird befürchtet, dass der lose Umgang mit der Privatsphäre, der dem Unternehmen bereits einige Male Probleme bereitet hat, es irgendwann ganz unvermittelt zu Fall bringen könnte.

Doch wer nicht wagt der nicht gewinnt. Wo auf der einen Seite Bedenkenträger und Datenschützer gegen Facebook stehen, sind es auf der Seite die User. Laut Comscore, einem globalen Dienstleister zur Messung des Traffics auf Internetseiten, verbringen 790 Millionen Besucher sechs Stunden auf den Seiten des sozialen Netzwerks. Bei Google sind es zwar 1,1 Milliarden Besucher, aber sie bleiben nur vier Stunden auf den Seiten. Ausgegoogelt kann man da nur sagen.

Auch ansonsten scheint Facebook die Suchmaschine mal wieder übertrumpfen zu wollen. Google startete seinen Börsengang im August 2004 mit Einnahmen von 1,9 Milliarden Dollar, Zuckerberg und seine Mitgründer streben einfach mal gut das Fünffache, nämlich 10 Milliarden Dollar Einnahmen ein. Damit würden sie einen neuen Rekord brechen, nämlich den des größten Börsengangs eines IT-Unternehmens.

Und wie bereits Google plant Facebook den Börsengang im Alleingang, ohne das sonst übliche Konsortium von Bankern. Trotzdem müsste das Unternehmen seine Zahlen Ende des Jahres offenlegen, wenn der IPO im zweiten Quartal 2012 über die Bühne gehen soll. Dann wird sich zeigen, ob die Unternehmensbewertung von 100 Milliarden Dollar realistisch ist oder die größenwahnsinnige Überschätzung eines Selfmade-Jungmilliardärs.

Facebook wird jedem Vergleich der Peer-Group mit bereits börsennotierten Unternehmen standhalten, denn seine Peer-Group ist so vielfältig wie nur irgendeine, sie ist global, sie übergreift Generationen und soziale Schichten. Wie auch immer geartete Konstellationen auf dem Weltmarkt werden die Internauten vielleicht davon abhalten, in Banken oder Immobilien zu investieren, doch bestimmt nicht davon, sich ihres liebsten sozialen Netzwerkes zu bedienen. Die Menschen bleiben als Märkte bestehen.

Anuschka Kirschnick, Dainora Usaite

Anuschka Kirschnick - Nach einem Studium der deutschen und russischen Literaturen habe ich in verschiedenen bodenständigen Berufen wie Köchin, ...

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