Fachliche Lebenshilfe bei Suizidgefahr

Eine effektive Selbstmord Prophylaxe

Waldweg im Nebel - Monika Hermeling
Waldweg im Nebel - Monika Hermeling
Der Leiter des Arbeitskreis "Leben" in Freiburg, Diplom Sozialpädagoge Wolfgang Stich und Kranhenhausseelsorgerin Waltraud Reichle, informieren über Hilfsmöglichkeiten.

Ehrenamtliche Helfer aus der Hospizbewegung, den Krankenhausbesuchsdiensten, aber auch Menschen die "professionell pflegerisch" in verschieden Einrichtungen tägig sind, kommen bevorzugt in der „dunklen“ Jahreszeit oft mit dem "Tabuthema Suizid" in Kontakt. In den Medien wird verstärkt über eine Sterbehilfe in Deutschland diskutiert. Diplom Sozialpädagoge Wolfgang Stich und Kranhenhausseelsorgerin Waltraud Reichle müssen sich täglich mit diesem Thema auseinandersetzen. Sie machen auf Mängel in den sozialen Rahmenbedingungen aufmerksam und betonen den Vorteil von Präventionsmaßnahmen.

Lebenskrise nur nach vorheriger Absprache?

Den Eindruck, dass man Lebenskrisen nur am Montagmorgen ab acht Uhr und nach vorheriger Wartezeit von etwa sechs Wochen haben darf, haben Hilfsbedürftige auf dem Land schnell, wie Diplom Sozialpädagoge Wolfgang Stich berichtete.

Rundgerechnet 1 500 Baden-Württemberger wählten in den vergangenen Jahren durchschnittlich den Freitod als einzig Möglichkeit aus ihrer Krise. Ernst zu nehmende "Scheinriesen" seien es oft, die Angst erzeugen und Probleme unüberwindbar erscheinen ließen, erklärte der Pädagoge.

Der Suizid ist "männlich"

Entgegen der langläufigen Meinung, wählten jährlich weit über tausend Männer in Baden-Württemberg den Freitod. Es sei ein starker Anstieg der Suizidrate ab 65 Jahren zu verzeichnen. Eine positive Entscheidung für das Leben falle offensichtlich gläubigen Menschen leichter, bestätigte Stich. Er machte die Aussage, dass die Suizidrate in evangelischen Bundesländern etwas höher sei. Ganz genau führte er auf, welche Faktoren zusammentreffen müssten, um zum Entschluss: "Ich bring mich jetzt um", zu führen. Freiwillige oder bedingte Einsamkeit oder unheilbare Krankheiten nährten diesen Gedanken häufig. "So viele Opfer - so viele Tode", seien es.

Keine unhaltbaren Versprechungen!

Als Helfender sei es wichtig, Vertrauen aufzubauen, den Entschluss erst einmal zu registrieren und dann zu entscheiden, ob er alleine die Situation mittragen könne. Mit Absprache des Lebensmüden böten sich oft klärende Gespräche mit Freunden und Familienangehörigen, aber auch Hilfe durch Fachleute und Medizinern an. Stich warnte vor übereilten Versprechungen: "Ich bin immer für dich da", die meist nicht erfüllbar sind und Vertrauen brechenden Anruf „hinter dem Rücken des Kranken“ bei der psychiatrischen Ambulanz. "Wir halten Dich aus, wie du bist", sei der helfende Grundtenor, den die Bedürftigen bei der "Arbeitsgemeinschaft Leben" zum Nachdenken anrege. Antidepressiva seien kurzfristige Hilfsmöglichkeiten. Der Helfende dürfe keinen coolen unbeteiligten Eindruck machen, aber auch nicht vor Mitleid dahinschmelzen. Als Vorbeugung empfahl Wolfgang Stich, eine gute nachbarschaftliche Kommunikation wieder zu beleben.

Wenig hilfreich wirklichkeitsfremde Rahmenbedingungen

Wie sich bei Umfragen bei sozialen Institutionen herausstellte, seien es oft wirklichkeitsfremde politischen und sozialen Rahmenbedingungen, die zu einem "Tröpfeln", statt zu einem ausreichenden Geldfluss für Helfer in diesem Bereich führen. Die Statistiken sagen eindeutig aus, dass die Selbsttötungen in der Vergangenheit die Zahl der Verkehrs- und Drogentoten in Baden-Württemberg überstiegen. „Jedes Jahr werden für die Unfallsprävention große Summen zur Verfügung gestellt. Die Suizidprävention, ein Tabuthema, muss mit mühsam errungenen "Brosamen" auskommen“, prangerte der Referent an. Dass müsse sich ändern.

Die Krankenhausseelsorgerin Waltraud Reichle ergriff das Wort als davon die Rede war, dass der Mensch nicht das Recht habe sein Leben zu beenden. Sie erklärte, dass es in der katholischen Kirche mehrere diesbezügliche Glaubensrichtungen gibt. Einige streitbare Theologen sind der Ansicht, dass die Menschen ihren freien Willen sinnvoll einsetzen dürften. Siehe auch Sterbebegleitung statt Sterbehilfe. Sie selber halte es für christlich, Angehörigen von Suizidopfern kein pseudochristliches Stigma anzuheften.

Suizidgefährdete gehen oft ohne psychische Behandlung nach Hause

Wie das Krankenhauspersonal bedauert, werden Kinder und Alte meist blitzschnell nach einem Suizidversuch ohne psychische Betreuung wieder nach Hause entlassen. Einer Wiederholung sei oft der Weg geebnet. Hilfe bei Suizidgefährdung.

Besonders im ländlichen Raum sei es wichtig "ein Schiff zu reparieren so lange es im Hafen ist", das heißt, eine sinnvolle Prophylaxe zu betreiben, denn das Beratungsangebot in Notlagen ist gerade an diesen Orten knapp, eine Wartezeit von mehreren Wochen nicht ungewöhnlich.

Einen besonders hohen Stellenwert haben aus diesem Grund, wie Waltraud Reichle lobend feststellte, die vielen Ehrenamtlich in Hospizgruppen, Krankenhausbesuchsgruppen oder die in der Nachbarschaftshilfe (Wie gewinne ich meinen Expartner zurück)aktiv tätigen Freiwilligen. Sie dürfen sich, so bestätigte der Referent, nicht von Fehlschlägen entmutigen lassen, sondern überdenken, in wie vielen Fällen sie hilfreich sein durften. Als Ansprechpartner stehen im südlichen Baden-Württemberg, evangelische, katholische und freikirchliche Pfarrer und die Telefonseelsorge zur Verfügung.

Arbeitskreis Leben, (AKL) Freiburg, Hilfe in Lebenskrisen, 0761-33388 0ffene Sprechstunde Montag von 15-17Uhr., Träger Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e.V.

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