
- Maria Jô Jô mit einer Guitarra Portuguesa - Lou Avers
Wer sich für Portugals vertonte Seele interessiert, kann mit dem Besuch eines Fadorestaurants den richtigen Einstieg finden. Doch gilt es das Lokal gut auszuwählen. Hier ein Tipp der Autorin: Maria Jô Jô ist die Wirtin und Hauptsängerin des urigen Fadolokals Taverna d´el Rey. In der Alfama gibt es Fado an jeder Ecke, doch nicht alle Shows sind wirklich authentisch. Viele Restaurants engagieren Amateursänger, um Geld zu sparen. Die Taverna d´el Rey beschäftigt nur professionell ausgebildete Fadointerpreten und Musiker. Die Hausherrin selbst ist ein Beispiel für ein Leben mit und für den Fado. Seit ihrem 16. Lebensjahr steht sie auf der Bühne. Die 1999 verstorbene Amália Rodrigues, Portugals Stimme für vier Jahrzehnte, ist ihr großes Vorbild und bleibt für sie die beste Fadista aller Zeiten.
Fado – der portugiesische Blues
Fado ist der portugiesische Beitrag zur Weltmusik und die vertonte Seele des Landes. Traurig, rhythmisch, verschmitzt, getragen, wehmütig und meistens mit den Themen Liebe, Herzschmerz, Patriotismus und Heimweh – so zeigt sich auch heute noch die bekannteste Musikrichtung aus Portugal. Der Name leitet sich wohl vom lateinischen fatum = Schicksal ab. Seine Anfänge nahm der Fado in den Tavernen und zwielichtigen Hafenbars, wo er vorwiegend von Huren und Gaunern zum Besten gegeben wurde. Später wurde er salonfähig. Die einzigartige Amália Rodrigues war es, die den Fado in die Welt hinaustrug und bekannt machte. Mehr als vier Jahrzehnte war sie die Stimme Portugals. Sie starb 1999, ist aber bis heute die meist gespielte Fadointerpretin. Aktuelle international bekannte Fadistas sind Mariza, Mísia, Ana Moura oder Dulce Pontes. Nach einem Fado muss man weinend aus dem Lokal gehen, sagen die Einheimischen. Sonst war er nicht gut.
Die Taverna del Rey in der Alfama
Authentischen Fado mit einer typisch portugiesischen Küche erlebt der Gast im Fadolokal „Taverna d´el Rey“ in Lissabons Alfama. Die Alfama ist das älteste Viertel und nostalgisches Herz der portugiesischen Hauptstadt. Nur wenige Meter vom Museu do Fado entfernt, werben zahlreiche Fadolokale und Restaurants mit täglichen Shows. Die Taverne d´el Rey ist eines der traditionsreichsten. Die Künstlerin und eingefleischte Fadista Maria Jô Jô übernahm das Lokal 1979 und restaurierte es nach ihrem Geschmack und in landestypischer Art. An der Decke ließ sie eine Holzkonstruktion anbringen, die an die Galeeren der Seefahrer erinnern soll. Die Wirtin ist die Hauptsängerin und beschäftigt noch weitere zwei Sängerinnen und zwei Gitarristen. Alle sind professionell ausgebildete Künstler und fest angestellt. Was die Taverna von den anderen Lokalen unterscheidet, wie Maria Jô Jô bestätigt. Es gibt viele Fadorestaurants, doch die meisten bieten Amateurfado mit Hobbysängern oder spontan inszenierten Vorführungen.
Maria Jô Jô – ein Leben für den Fado
Maria Jô Jô begann ihre Gesangskarriere bereits mit 16 Jahren. Sie ist eine Fadista wie sie leibt und lebt. Ihre ganze Leidenschaft gehört dem Fado. Sie kannte Amália persönlich und sang mit berühmten Persönlichkeiten wie Carlos do Carmo oder Tristao da Silva. In Hotels und Casinos stand sie über Jahre hinweg täglich auf der Bühne, reiste mit ihren Shows nach Spanien, in die USA, Frankreich, Deutschland, Prag, Marokko und Macau. Eine Fadista singt nicht nur ihr Repertoire herunter, sie leidet und vibriert mit den Texten und der melodiegebenden Guitarra Portuguesa. Zum traditionellen Outfit einer Fadosängerin gehört eine Stola um die Schultern, so wie sie die erste Fadista überhaupt, A Severa, trug. Maria Jô Jô komponiert auch eigene Texte und Musik. Ihre CD „Abraço do Chiado“ erschien unter dem portugiesischen Label Metro-Som.
Die Künstler der Taverna del Rey im Kurzportrait
Neben Maria Jô Jô singen auch noch Isabel Raimundo und die aus Angola stammende stimmgewaltige Ana Maria Dias, die im Übrigen als die einzige schwarz-afrikanische Fadista in Lissabon gilt. Manchmal ist auch noch ein männlicher Gastsänger dabei. Auf der für den Fado unerlässlichen mandolinenartigen Guitarra Portuguesa begleitet sie jeden Abend Carlos Macedo, die Akustik- Gitarre spielt Manuel Mendes. Die Shows sind täglich zwischen 18 Uhr und 2 Uhr zu sehen.
Wo die Taverna del Rey zu finden ist
Die Taverna del Rey liegt im Herzen des historischen Alfama Viertels am Largo Chafariz de Dentro, 14-15, in Lissabon. Ganz in der Nähe befinden sich der Bahnhof Santa Apolonia und das neue Museu do Fado, das ausführlich über die Geschichte der portugiesischen Nationalmusik informiert.
Wer keinen Fado gehört hat, war nicht in Portugal, heisst es im Volksmund. In der Taverna del Rey kommt man gleich in den Genuss mehrerer hervorragender Interpreten und Musiker sowie einer landestypischen Küche. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage des Lokals.
Quellen und weiterführende Informationen
Silivia Baumann, Kulturschock Portugal, Reise Know How 2010, ISBN: 978-3-8317-1927-3, 312 Seiten, 14,90 €
