Fähnlein Kieselschweif im Kindergarten

Glücksbringer, Handschmeichler, Schmuck, Baumaterial, Klangkörper, Material zum Verschönern von Beeteinfassungen, Wegen im Garten - Kiesel.

Welches Kind sammelt keine Steine? Wer findet Kiesel nicht schön? Je nach Aussehen und Beschaffenheit verwerten Kinder (und Erwachsene) sie als Glücksbringer, Handschmeichler, Schmuck, Baumaterial, Klangkörper oder einfach nur, weil sie so besonders sind. Kiesel stellen im Kindergarten ein wunderbares Spielzeug dar und können bestens in vielen Bereichen eingesetzt werden. Und sei es als Suchauftrag bei einem Spaziergang.

Vom Brocken zum Ton – was sind eigentlich Kiesel?

Wie bei den Sandkörnern werden Kiesel nach Korngrößen unterschieden. Da sie von Flüssen und Meeren abgelagert wurden, gehören sie zur Familie der Ablagerungs- beziehungsweise Sedimentgesteine. Wie die Feuersteine und Sandsteine. Kiesel sind Lockersedimente, keine Steine und gehören doch zu ihnen, weil sie aus mehreren Arten von Gesteinen bestehen. Wer sich Feuersteine einmal genauer anschaut, wird feststellen, dass sie oft Einschlüsse von anderen Gesteinen besitzen oder/ und von Kreide umhüllt werden. Viele Flusskiesel sind hell oder dunkel und oft von verschiedenen Streifen durchzogen, auch diese sind vermischt.

Die Entstehung eines Kiesels kann beispielsweise so aussehen: Von einem Berg löst sich ein großer Felsbrocken und fällt in einen Fluss mit viel Strömung und Fließgeschwindigkeit. Das Wasser transportiert den Felsen, wobei er nicht nur gerundet wird sondern auch an festen Hindernissen Splitter verliert. Der Brocken wird mit der Zeit immer kleiner, lagert sich mal ab und reist so mit dem Fluss peu á peu weiter. Glatt geschliffen, gerundet und wesentlich kleiner als in den Bergen gelangt er so zum handlichen Format des Kiesels. Wenn er noch mehr Gelegenheit erhält, kleiner zu werden, wird er irgendwann ein Sandkorn. Dieses kann sich noch zum feineren Schluff, besser bekannt unter Lehm, und zum ganz feinen Ton verkleinern.

Kinder in die Kiesgrube?!?

Bedingt durch die Eiszeiten gibt es in vielen Regionen Deutschlands große Kies- und Sandvorkommen. So werden die begehrten Rohstoffe in vielen Steinbrüchen und Gruben abgebaut. Einige von ihnen können auf Anfrage besichtigt werden. Ein fachkundiger Mitarbeiter begleitet in der Regel Führungen und Begehungen. Für Kinder ist es spannend zu sehen, mit welchen Geräten wo Kies abgebaut wird. Jedoch vor allem, wie mächtig die Sand- und Kiesschichten sein können sowie welche Unterschiede es in Farbe und Körnung gibt. Aber auch außerhalb von diesen Abbauunternehmen lassen sich Kiesel finden: In ausgetrockneten Flussbetten oder am Ufer von Bächen und Flüssen, an der Ostseeküste, am Strand von Nordsee und Seen, im Wald und in den Bergen.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Sprichwörter rund um (Kiesel-) Steine sind zahlreich. Haben Sie schon den „Stein der Weisen“ entdeckt? Oder sind mit den anvertrauten Kindern über „Stock und Stein“ gerannt, sind gar „steinreich“ dabei geworden oder bei Aktionen in der „Steinzeit“ gelandet? Wer sich Märchen von Wilhelm Hauff gerne zu Gemüte führt, wird wissen warum „wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen soll“. Stete Tropfen höhlen ihn zwar wirklich aus, aber das dauert Jahrtausende. So lange bleibt kein Mensch am Leben.

Labyrinth oder Spirale?

Labyrinthe werden häufig aus Steinen gelegt und sind seit Jahrtausenden in allen Kulturen bekannt. In Wales finden sich sogar welche am Strand oder auf Wiesen. Von einem Kreuz oder einer Spirale ausgehend werden fünf oder mehr Halbkreise gezogen, die einen Pfad bilden. Er zweigt nicht ab, bildet keine Irrwege oder Sackgassen, sondern geht immer hin und her bis zum Zentrum des Ganzen. Hier findet die Umkehr statt und der Pfad führt wieder von innen zum Ausgang zurück. Das ist das klassische Labyrinth. Es ist ein Spiegel für die Lebenswege, aber es kann auch einfach der Ruhefindung dienen.

Im Außengelände von Kindertagesstätten können kleine Labyrinthe oder Spiralen ebenso entstehen. Die Skizze zeigt, wie sie gelegt werden können. Nach diesem Muster werden Kiesel im Gelände ausgelegt, so dass Pfade entstehen. Sie sollten so breit sein, dass darin getanzt und gelaufen werden kann. Tanzen? Ja, Kreistanzen in Spiralen oder hintereinander her hüpfen und dabei pfeifen oder einfach nur nacheinander oder im eigenen Rhythmus den Weg finden. Auch Kinder fühlen dabei das Besondere und es kann sein, dass sie auch einfach nur so mal während der Pausen im Labyrinth sind. Weil es so gut tut und entspannt. Wichtig ist, dass die Kinder nicht mit Erläuterungen überhäuft werden, sondern ihre Sinne beim Begehen auf ihre eigenen Arten und Weisen erspüren dürfen. Nur so erschließt sich die Wirkung. Über die nachher auch gesprochen werden darf.

Silke Bicker - Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsentwicklung Büro für "natürliche" Öffentlichkeitsarbeit und Ökologie in Worten und ...

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