Fahrenheit 9/11

Fahrenheit 9/11 ist ein aufwühlender Film des bekannten Regisseurs Michael Moore und setzt sich mit dem 11. September und der Bush-Regierung auseinander.

Krass... Das ist möglicherweise erst einmal alles, was man denken kann, wenn man sich den Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“ des Regisseurs Michael Moore angesehen hat. Um die Eindrücke des Films zu verarbeiten brauchen eher zart besaitete Seelen sicher einige Stunden, denn die Szenen sind teilweise schon sehr brutal und eklig.

Starke Nerven

Es werden Bilder von verstümmelten Menschen und Leichenschändungen gezeigt, Aufnahmen von völlig aufgelösten Eltern die ihre Kinder im Irakkrieg oder am 11. September verloren haben und und und. Man braucht auf jeden Fall starke Nerven um die ganze Zeit hinsehen zu können. Die Freigabe ab 12 Jahren ist eher für gewagt. Wer jedoch Michael Moore und seine kritische Art, wie auch schon im Film „Bowling for Columbine“, kennt, wird von der Machart des Films nicht überrascht sein und voll auf seine Kosten kommen.

Hintergründe des 11. September

Der Film besteht aus Zusammenschnitten von vor allem Reden und Zitaten einiger Politiker, besonders George W. Bushs, Fernsehberichten und Bildern, Nachrichtensendungen und Interviews. Diese Quellen drehen sich vor allem die Präsidentschaftswahl 2000 und um Bushs Amtsantritt, die Beziehungen der USA zu den Saudis und anderen Geldgebern, den 11. September und den Irakkrieg. Hintergründe und Folgen dieser Themen werden erforscht und analysiert. So geht Moore beispielsweise der Frage nach, warum so viele Amerikaner bei Bushs Politik einfach tatenlos zusehen und den Irakkrieg gutheißen oder sogar unterstützen.

Goldene Palme

Es scheint, dass der Erfolg des Films nicht nur in Amerika und auch die goldene Palme von Cannes absolut gerechtfertigt ist, denn es wurde höchste Zeit dass mal einer hinter Bushs eiserne Fassade schaut und seine politischen Machenschaften einmal genauer unter die Lupe nimmt. Ob man die Art und Weise wie Moore dies tut, nun für angemessen hält oder eher der Meinung ist, dass diese Informationsverbreitung genauso Meinungsmache ist wie die der im Film kritisierten „unfreien“ Medien, bleibt jedem selbst überlassen. Je mehr voneinander unabhängige Informationen man bekommt und je selbstständiger man sich seine Meinung bilden kann, desto besser.

Für die Ehre Kinder in den Krieg schicken

Nach Moore gab es nicht nur bei der Wiederwahl Bushs einige Ungereimtheiten. Der Regisseur meint auch, dass dem Volk und der Welt einiges an Bushs Vergangenheit und seiner Politik vorenthalten wurde. So weiß kaum einer von den langjährigen intensiven Beziehungen der Bushs zu den Saudis, auch zu Bin Ladens Familie. Diese genoss noch nach dem 11. September besonderen Schutz des Präsidenten. Moore kritisiert aber nicht nur die Manipulation der amerikanischen Bevölkerung durch Medien und Politiker, sondern auch den (sinnlosen) Irakkrieg an sich, die Rekrutierung von Jugendlichen aus armen Bezirken, die kaum eine andere Wahl als den Wehrdienst haben sowie den übertriebenen Patriotismus einiger Amerikaner, die für die Ehre ihres Landes ihre Kinder in den Krieg schicken.

Geldmacherei der Großen und Mächtigen

Thematisiert werden im Film auch Bushs übertriebene Urlaube zu Beginn seiner Amtszeit, seine zögerlichen Reaktionen auf das Attentat am 11. September 2001, die Geldmacherei der Großen und Mächtigen mit allen Mitteln auf die Kosten des Volkes und die Verstöße der Bush-Gesetze gegen die persönlichen Freiheitsvorstellungen der Amerikaner. So wird beispielweise gezeigt, wie eine harmlose Friedensorganisation durch die Polizei ausspioniert wird, in etwa so wie man sich die Stasimachenschaften in der ehemaligen DDR vorstellt. Niemand soll mehr Vertrauen haben, Angst zu schüren ist ein wirkungsvolles Machtmittel, so Moores These.

Kein Film für einen lustigen Abend

Es wird sich zeigen, ob sein Albtraum von der Wiederwahl Bushs trotz des Films wahr wird. Insgesamt kommen einem die 110 Minuten des Films recht lang vor, besonders da sich gegen Ende die Interviews mit Betroffenen häufen und man fast nur noch die gleichen Gesichter sieht. Englischkönnern muss man die Originalversion empfehlen, da die übersetzte Version mit deutschen Untertiteln einen Teil ihrer Wirkung eingebüßt hat. Es ist zwar kein Film für einen lustigen Abend oder um mal abzuschalten, aber es handelt sich mit Sicherheit um keinen dieser Streifen von denen man nach zwei Wochen sogar den Titel schon wieder vergessen hat.