
- Am Flüsschen Vidourle - Judith Weibrecht
Sommières ist wie bei Radroute 1 an der Via Domitia Teil dieses Rundkurses, den man ab/bis Vérargues fahren kann. Der Einstieg in die Rundkurse ist praktisch von jedem Ort am Weg aus möglich. Und hier in Vérargues lässt es sich bei der charmanten Madame Leichtnam im Mas de l’Olivier trefflich speisen, übernachten und mit anderen Reisenden und Einheimischen klönen. Gerade schaut der befreundete Weinbauer Lucien Creus mit seiner Frau vorbei und bringt einen Roten zur Probe mit. Monsieur Creus produziert einen Wein namens „Terre Inconue“ und will die Radfahrer zur Weinernte im Herbst anheuern. „Jedes Jahr kommen viele Leute aus aller Welt zu mir und helfen!“, erzählt er. Man parliert über den Wind, worüber sonst und über den Wein. Haben die Römer den Wein nach Südfrankreich gebracht? Römischer Wein? „Aber ja, Madame! Die Griechen und die Phönizier führten ihn ein, die Römer haben seinen Anbau verfeinert und perfektioniert.“ Und man goutiert das formidable Menü. Schlemmen wie die Römer in Frankreich. Fehlte nur noch das Speisesofa, die Trauben hat man ja schon. Es folgen Träume von Römern mit Weinreben.
Auf dem Fahrrad entlang der Via Domitia nach Sommières
Diese Route an der Via Domitia führt zum Oppidum d’Ambrussum durch wogende, rote Mohnfelder über welliges Land. Wieder bläst der Wind unbarmherzig über alles hinweg und sorgt für Gesprächsstoff. Eine Straße führt über das Flüsschen Vidourle, fast meint man, hineinzufahren, so tief liegt sie, und man landet im bezaubernden mittelalterlichen Sommières. Vor dem Café an der römischen Brücke lehnen vier ältere Herrschaften an der Mauer und beobachten einen Angler. Gleichzeitig drehen sich ihre Köpfe: „Bonjour!“. Tiberius ließ diese Brücke im 1. Jahrhundert erbauen, sieben ihrer siebzehn Bögen sind noch zu bewundern. Gegenüber am Uhrturm schlägt es zwölf. In den Gassen schießt die Sonne nur an den oberen Stockwerken hoch. Man hat eng gebaut.
Der Radweg führt zum Oppidum d’Ambrussum
Das Oppidum d’Ambrussum, Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus von den Galliern erbaut, liegt einmal mehr auf einer Anhöhe. Also die Räder abgesperrt und hinaufgekraxelt. Sogar ein Stück der mit Kopfstein gepflasterten Via Domitia mit tief eingekerbten Spurrillen der Karren lässt sich hier noch erkennen, denn die Räder waren mit Eisen „bereift“ und die Wagen schwer. Darum herum liegen Teile der ehemaligen Befestigungsmauer und ehemalige Wohngebäude. Unten am Vidourle stehen noch Reste der Pont Ambroix oder Pont d’Ambrussum. Von den einstmals elf Bögen steht noch einer im hellgrünen Wasser des Flusses. Ein Museum dazu soll nächstes Jahr eröffnet werden.
Auf dem Rückweg sollte man Lunel mit seinen Markthallen einen Besuch abstatten. Auf den Muscat de Lunel, einen süßen Dessertwein, ist man stolz. Und auf die unblutigen Stierkämpfe, die in der Arena von Lunel stattfinden, auch. Die 3. Radroute an der Via Domitia führt zum Oppidum Altimurium.
