Fakten zum Designer-Outlet-Center an der Blume in Remscheid

Bäume lockern das Straßenbild auf - Kadereit
Bäume lockern das Straßenbild auf - Kadereit
Der Plan, in Remscheid ein Designer-Outlet-Center zu errichten, ließ kontroverse Ansichten deutlich werden. Eine Bürgerbefragung soll dazu Klarheit bringen

Der Standort wird deshalb favorisiert, weil im Einzugsbereich 21 Millionen Menschen angesiedelt sind und das Terrain verkehrsgünstig gelegen ist. Der Investor McArthurGlen betreibt in Europa bereits 22 solcher Center und kann daher auf einen breiten Erfahrungsschatz zurück greifen. Es gehört naturgemäß zu den „ersten Hausaufgaben“ des Planungsmanagers - in diesem Fall Development-Director Henning Balzer - für eine reibungslose Verkehrsanbindung des Gebietes zu sorgen, weil Autoschlangen die möglichen Käufer weitgehend vom Besuch abhalten würden. In anderen Centern kommen die Besucher durchschnittlich drei- bis viermal jährlich, was bei schlechter Verkehrsstruktur nicht erreichbar wäre. Maßnahmen an Verkehrsknotenpunkten sind daher einfach notwendige Voraussetzungen.

Baustil des DOC in Remscheid an die Region angepasst

Bei der Frage nach dem „Flächenverbrauch“ muss man wissen, dass Remscheid eine Fläche von rund 75 Quadratkilometern hat, von denen 70 Prozent unter Landschafts- oder Naturschutz stehen. Für ein solches Center würde voraussichtlich etwa ein Zehntel Quadratkilometer benötigt, also etwas mehr als ein Promille der gesamten Fläche. Experten meinen, dass man daher diese Frage vernachlässigen kann.

Die Entwässerung des Gebietes ist ebenfalls ins Gespräch gebracht worden, wobei seitens der Stadtplanung erklärt wurde, dass diese Fragen bereits bei der Ausweisung „der Blume“ als Gewerbegebiet berücksichtigt sind. Der Baustil soll sich an der jeweiligen Region ausrichten. Auf ausdrückliche Nachfrage wurde von Henning Balzer versichert, dass sich der bergische Baustil - die Farben schwarz, weiß und grün sowie Schiefer und Fachwerk - im Objekt wiederfinden wird.

Zusammenarbeit mit Stadtteilen Lennep und Lüttringhausen

Das Centermanagement will, wie in allen Centern üblich, mit benachbarten Verbänden, Marketingräten, Bürger- und Verkehrsvereinen sowie Citymanagern zusammen arbeiten, um gemeinsam die gesamte Region zu einem Magneten für den Tourismus zu machen. Da im Durchschnitt die Besucher der Center nur zwei bis drei Stunden für den Einkauf aufwenden, ist es nahe liegend, dass die „Shoppingtouristen“, die im Durchschnitt in Gruppen von zwei bis drei Personen anreisen, den Tagesausflug mit dem Besuch anderer Örtlichkeiten in der Nähe verbinden. Dazu zählen sowohl Sehenswürdigkeiten als auch andere Einkaufsziele, weil das DOC nur ein sehr begrenztes Sortiment anbietet.

Beschränktes Angebot im Center

Das geplante DOC würde etwa 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten. Davon wären 80 Prozent mit den Branchen Bekleidung, Wäsche, Schuhe, Lederwaren und Sportartikel belegt, während 14 Prozent auf Elektroartikel, Haushaltwaren, Wohnen, Schmuck und Kosmetik entfallen. Die Gastronomie macht 6 Prozent aus, ist jedoch nur in Form von Schnellgastronomie vertreten. In den Textilläden fände man ausschließlich bekannte Namen wie Prada, Diesel, Boss, Esprit, Joop, Mexx und Puma. Die Waren würden zwischen 30 und 70 Prozent unter der Preisempfehlung der Hersteller angeboten. Zum Verkauf käme nur Ware aus vergangenen Kollektionen und Überproduktionen sowie zweite Wahl.

Keine Konkurrenz für etablierten Handel

Die Frage, ob ein DOC nicht ganz selbstverständlich dem etablierten Einzelhandel in der Nähe die Basis raubt, beantwortet sich bei einem Besuch in Roermond. Hier befindet sich die City weniger als einen Kilometer vom Center entfernt, und in der dortigen Innenstadt gibt es sieben Textilgeschäfte. Wenn ein DOC eine solch übermächtige Konkurrenz darstellen würde, könnten die eigentlich gar nicht existieren. Roermond hat nur die Hälfte der Einwohnerzahl von Remscheid, aber eine City in einer Größenordnung der Alleestraße. Dort war am 23. September 2011 nur ein einziges leeres Ladenlokal zu finden. In einem DOC, wie in Remscheid geplant, soll es etwa 800 Arbeitsplätze geben. Davon sind zwei Drittel sozialversicherungspflichtige Stellen in Voll- oder Teilzeit. Mit weiteren Arbeitsplätzen im Umfeld ist nach Aussage des Managers zu rechnen. Das DOC soll also für die Ankurbelung des Tourismus im Bergischen Land sorgen, so dass alle Branchen profitieren können.

Für die Entscheidung ist es wichtig, dass viele Remscheider am 16. Oktober zur Bürgerbefragung gehen oder per Briefwahl entscheiden. Auf hohe Wahlbeteiligung in dieser ersten Befragung dieser Art in der Geschichte der Stadt wird gehofft. Die Anträge für die Briefwahl können auch online erfolgen, falls jemand keine Zeit zum Gang ins Wahllokal hat.

Hans Kadereit, Autor aus Remscheid, Bildrechte bei Hans Kadereit

Hans Kadereit - Seit 1974 bin ich journalistisch tätig, habe für Wochenzeitungen, aber gelegentlich auch für Tageszeitungen und das Radio ...

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