Spätestens im zweiten Quartal eines jeden Jahres geht es den Autoverkäufern in Deutschland immer etwas besser, denn Frühlingszeit ist Autokaufzeit. Mittlerweile werden jedoch nur noch 20 Prozent aller Autos, die von Privatpersonen gekauft werden, tatsächlich bar bezahlt (Quelle: Verband der deutschen Automobilindustrie VDA, Stand 2009). Üblich sind heute ein Kauf auf Kredit oder Leasing.
Der Unterschied zwischen Kauf und Leasing
Beim Kauf erwirbt der Käufer das Auto und kann es als Selbstständiger dann über vier Jahre abschreiben. Dazu kann er die Zinsen steuerlich geltend machen. Beim Leasing dagegen mietet man das Fahrzeug nur für eine gewisse Zeit und gibt es dann zurück. Dafür bezahlt man dann die Leasingrate und gegebenenfalls auch noch zu Vertragsbeginn eine Sonderzahlung. Wenn man Kredit- und Leasinggesamtkosten miteinander vergleicht, ist der Kredit in der Regel etwas günstiger als Leasing. Für Selbständige ist Leasing nach Steuern jedoch oft ein wenig günstiger, da sowohl die Raten wie auch die Sonderzahlung voll steuerlich absetzbar sind.
Barzahlung bringt kaum noch Vorteile
Während man früher beim Händler als Barzahler die besten Chancen auf höchste Rabatte erhielt, ist dies heute nicht mehr so. Das Finanzierungsgeschäft hat sich für die Autohersteller von der reinen Absatzförderung zu einem lukrativen eigenständigen Geschäftsfeld entwickelt. Fast alle Automobilkonzerne habe heute eine eigene Bank, die das Geschäft rund um Kredit und Leasing abwickelt. Es tummeln sich aber seit Jahren Banken auf dem Markt, die sich auf die Vergabe von Konsumentendarlehen spezialisiert haben. Das Angebot ist also vielfältig und dem Händler ist es heute egal, ob er das Geld vom Käufer direkt oder über den Umweg der Bank erhält.Mit dem Risiko, dass der Käufer seinen Darlehensverpflichtungen nicht nachkommen kann, hat er nichts zu tun.
Fallstricke beim Autokredit
Zahlreiche Plattformen im Internet machen die Angebote der Banken vergleichbar. Doch lohnt sich hier ein genauer Blick, denn der im Vergleich angegebene Zins ist meist bonitätsabhängig. Wer also z.B. einen negativen Schufa-Eintrag hat, kann nicht damit rechnen, den günstigsten Zins auch tatsächlich zu erhalten. Unter Umständen wird der Antrag sogar abgelehnt. Es gibt jedoch auch Banken, die für alle den gleichen Zins anbieten, auch für Selbständige. Meist handelt es sich dabei um die Banken der Hersteller oder aber um Banken, die gerne und viel mit freien Gebrauchtwagenhändlern zusammenarbeiten, wie etwa die Santander Consumer Bank. So kann ein bonitätsunabhängiger Effektivzins von 5,9 Prozent am Ende günstiger sein als das Angebot, das zuerst günstiger erschien, aber nach der individuellen Bonitätsprüfung bei 7,9 % endete.
Wer bei freien Gebrauchtwagenhändlern ein Auto kaufen möchte, wird vielleicht feststellen, dass die Zinsen dort um drei bis vier Prozent variieren, obwohl alle mit derselben Bank zusammenarbeiten. Dies liegt daran, dass einige Händler auch noch an der Darlehensvermittlung mitverdienen möchten. Deren Provision wird dann in den Zins mit eingerechnet. Insofern ist also heute eher das Gegenteil der Fall, nämlich dass sich der Händler besonders freut, wenn der Käufer nicht als Barzahler auftritt. Er macht dann so zwei Mal Gewinn, zuerst am Auto, dann am Kredit.
Die Restschuldversicherung macht das Darlehen teuer
Gerne wird beim Darlehen auch noch eine Restschuldversicherung (RSV) mit verkauft. Diese soll den Kreditnehmer im Fall von Arbeitslosigkeit oder langer Krankheit davor schützen, seine Raten nicht bezahlen zu können. Meist sind die Versicherungsbedingungen bei diesen Produkten jedoch so komplex, dass nur in wirklich ganz wenigen Fällen eine Leistung gezahlt wird und wenn, dann entweder nur für zwölf oder maximal 24 Monate. Wer jedoch auf die RSV verzichtet, bekommt von der Bank meist einen um 0,5 bis 1 Prozent höheren Kreditzins vorgelegt. Die Bank versucht dann das entgangene Geschäft (denn die RSV ist mit Provisionen überfrachtet) auf andere Art zu kompensiere.. Rechnet man beide Versionen gegeneinander, sind die Gesamtkosten beim Darlehen ohne RSV aber in der Regel niedriger – trotz etwas höherem Zins.
Beim Leasing kommt die böse Überraschung meist zum Schluss
Wer seinTraumauto leasen möchte, kann zwischen Restwertleasing und Kilometer-Leasing wählen. Beim ersten Fall wird der Wert des Fahrzeugs zum Laufzeitende nach etwa drei Jahren kalkuliert. Bei der Rückgabe des Fahrzeugs erfolgt die Wertermittlung und die Differenz zwischen kalkuliertem und tatsächlichem Wert muss der Leasingnehmer zahlen. Diese Spanne ist häufig sehr hoch und damit nicht kalkulierbar für den Leasingnehmer, weshalb man von dieser Form des Leasings im Allgemeinen abrät. Beim Kilometer-Leasingsieht es heutzutage nicht viel besser aus. Zu Vertragsbeginn wird hier für etwa drei Jahre eine Gesamtlaufleistung von 60.000 KM festgelegt. Bei Rückgabe des Fahrzeugs erhält man dann für weniger gefahrene ein paar Cent zurück, mehr gefahrene Kilometer muss man entsprechend nachzahlen. Dies alles wird bei Vertragsabschluss festgelegt und somit kalkulierbar.
Früher konnte man das Fahrzeug bei Ablauf alternativ zu einem bei Vertragsbeginn festgelegten Preis zurückkaufen. Dies wird heute kaum noch angeboten. Auch beim Kilometerleasing wird bei Fahrzeugrückgabe nicht allein auf den Tacho geschaut, sondern auch auf Kratzer und Dellen, die sich während der Laufzeit am Fahrzeug angesammelt haben. Gehen diese über eine für den Gebrauch übliche Stärke hinaus, muss der Leasingnehmer die Reparaturkosten dafür zahlen bzw. den so für den Händler beim Verkauf erzielbaren Minderwert ausgleichen. Den Restwert, den der Händler jedoch bei Vertragsbeginn kalkuliert hat, kennt der Kunde nicht. Damit wird auch bei diesem Modell der Manipulation Tür und Tor geöffnet und die Klagen verprellter Kunden häufen sich in der Vergangenheit, weil Streit darüber entstand, was denn nun gebrauchsübliche Spuren sind und was nicht oder wie sich ein Minderwert erklärt oder teure Reparaturkosten. Letzteres liegt vor allem daran, dass viele Teile mit kleinen Dellen oder Kratzern gar nicht mehr instandgesetzt werden, sondern einfach ausgetauscht, was natürlich oftmals deutlich teurer ist als eine Reparatur.
Wer also ein Fahrzeug unbedingt leasen will, sollte vor der Rückgabe am besten selbst bei einer professionellen Werkstatt alle Schrammen und Dellen selbst beseitigen lassen. Beim Händler wird es in der Regel teurer. Am besten ist es jedoch für Privatpersonen, das optisch günstig erscheinende Leasing zu meiden, und über einen Kredit zu finanzieren. Das hat des Weiteren den Vorteil, dass im Fall eines Falles das Auto auch einfach verkauft und das Restdarlehen abgelöst werden kann. Beim Leasing mit einer festen Vertragslaufzeit kommt man in der Regel nicht vor dem Ablauf aus seinem Vertrag heraus.
