Wenn deutsche Touristen ohne ausreichende Englischkenntnisse Großbritannien bereisen, kommt es beinahe unweigerlich zu Aussagen folgender Machart: „I become a beer…” Ein verständnisvoller Barmann schmunzelt daraufhin vielleicht nur britisch dezent, denn die Verwechslung des deutschen Wortes bekommen mit dem ähnlich lautenden englischen Ausdruck become (werden) ist ein altbekannter Klassiker unter den sogenannten False Friends. Der Tourist hat also soeben verkündet: „Ich werde ein Bier...“
Warum es „falsche Freunde“ gibt
Vermutlich jeder, der eine Fremdsprache erlernt, ist froh über Vokabeln, die den Wörtern der eigenen Muttersprache ähneln. In Europa haben diesen Umstand die großen Völkerwanderungen der Vergangenheit ebenso bewirkt, wie politische und kulturelle Gestaltungsprozesse. So entstand beispielsweise die englische Sprache einerseits aufgrund angelsächsischer Einwanderer aus unseren Breiten. Später kam es durch französische Normannen jedoch zur Vermischung mit der romanischen Sprachkultur. Die Normannen („Nordmänner“) selbst wiederum stammten ursprünglich aus Skandinavien und beeinflussten von dort aus nahezu ganz Europa...
False Friends: Die falschen Freunde aus Großbritannien
Bei Hose und Rock denken wir Deutschen selbstverständlich an die entsprechenden Kleidungsstücke. In Großbritannien sollten wir diese Begriffe jedoch besser nicht in einem Modegeschäft verwenden, denn mit Rock bezeichnet man dort Felsgestein. Hose wiederum ist der korrekte Begriff für einen Schlauch!
Zu ähnlich fatalen Verwechslungen kann es bei Schriftsachen kommen. Mit dem Wort brief drückt der Engländer lediglich aus, dass etwas im zeitlichen Sinne kurz ist, und das Wort roman bezeichnet keine Literaturgattung, sondern wird einfach nur mit „römisch“ übersetzt. Wer wiederum englisch über sein topmodernes Mobiltelefon plaudern will, sollte keinesfalls sagen: My actually handy, denn vermutlich erntet er für diesen Kauderwelsch („mein eigentlich nützlich“) nur fragende Blicke. Auch über die korrekte Anwendung der Begriffe Callboy, Chef, Bord und viele andere sollte man sich besser vorher informieren.
Faux amis: Falsche Freunde aus Frankreich
Selbst mit dem scheinbar international verständlichsten Wort kann man bei den Franzosen gewaltig ins Fettnäpfchen treten. Wer eine junge Mutter als „Mamie“ bezeichnet, erntet schnell böse Blicke, denn dieses französische Wort entspricht dem deutschen Wort „Oma“. Analog verhält es sich mit der Vokabel „Papi“, die für einen Opa verwendet wird.
Doch auch wir selbst sollten beim Plaudern mit den französischen Nachbarn nicht allzu schnell beleidigt sein. Die Formulierung „un visage extraordinaire“ ist nicht als Beschimpfung gedacht, sondern bedeutet, dass jemand ein außergewöhnliches Gesicht hat. Ein Gesicht bezeichnet man in Frankreich zudem gelegentlich als figure, womit jedoch auch eine Persönlichkeit gemeint sein kann. Vorsicht also mit der vorschnellen Gleichsetzung von figure mit dem gleichlautenden, deutschen Substantiv. Korrekt ist dies nur, wenn es sich um eine künstlerische, mathematische oder akrobatische Figur handelt.
Keine Sorge besteht, falls ein französisches Kind von der maitresse erzählt. Zwar kann es sich dabei um die Geliebte eines verheirateten Mannes handeln, doch zu den vielfältigen Übersetzungsmöglichkeiten des Wortes gehören auch die Begriffe Kindergärtnerin oder Grundschullehrerin. Ähnlich verhält es sich mit la concubine. Der Begriff ist keineswegs anrüchig oder ehrenrührig. Er stellt in Frankreich die ganz normale Bezeichnung für eine unverheiratet mit ihrem Partner zusammenlebende Frau dar.
