Falsche Freundin von Rosa Ribas (Suhrkamp, 2012)

Falsche Freundin von Rosa Ribas - Suhrkamp Verlag
Falsche Freundin von Rosa Ribas - Suhrkamp Verlag
Der dritte Roman um die deutsch-spanische Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor führt sie tief in das Milieu des Frankfurter Drogenschmuggels. Rezension.

Eine auf den ersten Blick recht komplexe Geschichte, dieser neue Roman von Rosa Ribas. Und nein, damit ist gar nicht einmal der Inhalt des Krimis gemeint, sondern sozusagen dessen Begleitumstände. Um es kurz zusammenzufassen: die Autorin Rosa Ribas ist in Barcelona geboren, lebt aber seit Jahren schon in ihrer Wahlheimat Frankfurt am Main; sie hat unter anderem bislang drei Romane um eine deutsch-spanische Kommissarin, Cornelia Weber-Tejedor, die bei der Frankfurter Mordkommission arbeitet, veröffentlicht, die sie auf Spanisch geschrieben hat und von Peter Schwaar wieder zurück ins Deutsche übersetzt wurden, damit die deutschen Leser sich an einer weiteren Krimi-Reihe aus dem Rhein-Main-Gebiet erfreuen können... Liest sich verwirrender, als es in der Tat ist – schließlich fühlt man sich beim Schreiben in der Muttersprache doch immer noch am wohlsten.

Krimis aus Hessen erfreuen sich seit längerem größter Beliebtheit

Nun aber zum Buch. Hessenkrimis sind nicht erst seit den Erfolgen von Nele Neuhaus („Schneewittchen muss sterben“, „Eine unbeliebte Frau“...) ein absoluter Renner auf dem Regional-Krimi-Markt. Auch die Bücher des vor einem knappen Jahr verstorbenen Bestseller-Autors Andreas Franz erfreuten sich trotz recht hölzernen Schreibstils bei der Klientel großer Beliebtheit – und spielen zu einem Großteil in Frankfurt oder Offenbach. Rosa Ribas‘ Reihe um Cornelia Weber-Tejedor wird diesbezüglich keine Ausnahme machen, zu spannend und packend versteht es die Deutsch-Spanierin, ihre Leserschaft beim Schlafittchen zu packen und erst einmal nicht mehr loszulassen.

Undercovereinsatz für Cornelia Weber-Tejedor in „Falsche Freundin“ von Rosa Ribas

„Falsche Freundin“ (mit „En caída libre“, also „im freien Fall“ im Original anders, aber genauso passend betitelt) spielt zum Großteil auf dem Frankfurter Flughafen und beginnt mit einem Zufall. Eine Reinigungskraft verlässt nach ihrer Arbeit ein Flugzeug, das gerade aus Santiago de Chile gelandet ist, stürzt auf der Gangway und fällt diese so unglücklich hinab, dass sie an den Folgen des Sturzes stirbt. Gleichzeitig wird aus dem Main eine weibliche Leiche gefischt, ohne Arme und mit aufgeschlitztem Bauch – eine sogenannte Körperschmugglerin, eine meist junge Frau, die in ihrem Körper Kokain nach Deutschland schmuggelt. Diese beiden scheinbar unabhängigen Ereignisse setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, an deren Ende sich das Team um die Kommissarin mit der internationalen Drogenmafia konfrontiert sieht. Um den Machenschaften einer Bande von Drogenschmugglern mit Basis im Flughafenpersonal auf die Schliche zu kommen, begibt sich Weber-Tejedor, als Reinigungskraft Cornelia Lenz getarnt, undercover in die Höhle des Löwens...

Spannender Pageturner: „Falsche Freundin“ von Rosa Ribas

Der Roman ist in erster Linie dies: ein spannender, weitgehend gut geschriebener Krimi, dessen Figuren lebendig gezeichnet und vielschichtig sind. Wie sich die Kommissarin in ihr Alter Ego verwandelt und in Neu-Isenburg eine völlig neue Identität annimmt – und dabei praktisch „im freien Fall“ zu einem gewissen Punkt ihre professionelle Ebene verlässt, was zu allerhand durchaus lebensbedrohlichen Situationen und Cornelia Weber-Tejedor nebenbei an ihre ganz persönlichen Grenzen führt –, wie sie sich als „falsche Freundin“ den drogenschmuggelnden Kolleginnen im Reinigungspersonal Schritt für Schritt nähert, das packt den Leser, das nimmt ihn an der Hand und das lässt ihn vor allen Dingen das Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit: ein gutes Buch trotz wirklich bösem Grammatik-Schnitzer

Der einzige Vorwurf, der sich dem Buch und seiner Autorin machen lässt, ist die Tatsache, dass sich manche Passagen doch ein wenig hölzern und gewollt lesen. Dies mag indes wohl eher der Übersetzung geschuldet sein. Wie aber dem Suhrkamp-Lektorat der folgende grammatikalische Fauxpas von Super-GAU-Dimensionen entgehen konnte, bleibt wohl besser ebenso dessen Geheimnis, wie die Tatsache, dass der Übersetzer diesen Satz überhaupt erst hat schreiben können, ohne vor Scham tot vom Hocker zu fallen: „Am nächsten Tag setzte sie sich in der Mittagspause zu denen ihrer Schicht.“ [S.115]. Dem Rezensenten stellten sich beim Lesen dieses Un-Satzes jedenfalls direkt sämtliche Finger- und Zehennägel auf...

Dies soll jedoch keineswegs überbewertet werden, denn wer sich gerne ein oder zwei kalte Winterabende mit einer netten Lektüre auf die Couch lümmelt, der ist mit „Falsche Freundin“ von Rosa Ribas auf jeden Fall sehr gut bedient.

Rosa Riba: Falsche Freundin. Suhrkamp Verlag, 2012. ISBN-Nummer: 9783518463024. Preis: 9,99 Euro. 413 Seiten.

Dieser Artikel wird auch in der Ausgabe 134 der Zeitschrift Hispanorama erscheinen.

Wolfgang Weitzdörfer, Fotostudio Sabine Winkler

Wolfgang Weitzdörfer - Werdegang Abitur 1996Ausbildung zum Heilerziehungspfleger 1998-2001Berufstätigkeit 2001-20082008 - 2011: Studium BA ...

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