In seinem Handbuch zum Überleben als Familienmensch "Familie für Einsteiger" schreibt Autor Robin Alexander ausgiebig über die Tücken des Alltags vor während und nach der Geburt des kostbaren Lebens. Mit dem Schalk nicht nur im Nacken, sondern auch in der Feder, gelingt es ihm das Thema auch denen nahe zu bringen, die vielleicht noch nicht zu den glücklichen Mitgliedern im Elternclub gehören.
Wenn das Kind kommt
Zu Beginn gibt es den News-Schock - es wird ein Baby kommen. Wenn die Freundin einem zwei große Echsen auf den Tisch legt und daneben eine klitzekleine, dann sollte Mann klar werden, warum sie während des romantischen Dinners auf Alkohol verzichtet hat. Aus zwei werden drei und Robin Alexander sieht sich vermutlich schon einen "Baby an Bord"-Aufkleber kaufen gehen. Er schreibt zunächst jedoch über die entspannte Anfangsphase, die Ruhe vor dem Sturm, die Vorteile, wenn die Freundin schwanger ist, über die beginnende Ratschlagswelle, die über ihnen herein bricht - und er entdeckt, warum auch der werdende Vater zu einem Schwangerschaftsbäuchlein kommt und was uns die Natur damit sagen will. Dabei nimmt er sich selbst genauso auf die Schippe wie seine kleine Familie und alle um sie herum. Ob es jetzt Wutklumpen, Saboteur oder Rabenmutter ist, kein Wort wird gescheut, um dem Leser verständlich zu machen, was es bedeutet, mit der Konsequenz von ganz viel Kuscheln umgehen zu müssen. Es ist ein Lernprozess und er ist lang und die blanke Härte.
Ab heute zu dritt
Die Mutter nimmt sich eine Auszeit für ihr Kind? Pustekuchen. Der moderne Mann ist selbstverständlich auch an der Elternzeit beteiligt. Dabei lernt er nicht nur, wo man den besten Latte Macchiato in der Gegend kriegt, sondern auch welche Müttersorten es gibt und warum die Männer am Spielplatz, die die Kinder beobachten nicht zwangsläufig die Bösen sind. Die ersten Anschaffungen sind nötig, zum Beispiel ein Auto für mehrere tausend Euros oder die Wickelunterlage für nicht mal zehn Euros. Und Alexander geht auf, weshalb der Begriff"Elternzeit" eigentlich irreführend ist. Von "Mütterpolizei" und dem Drama, wenn die Mama nun wieder arbeiten geht, ist die Rede. Aber auch der Bekanntenkreis und seine Veränderungen, der kleine Bruder des Sensenmannes und die potentielle Heirat werden besprochen.
Verwandte kann man sich nicht aussuchen
Hier verliert sich der Autor in den Unterschieden zwischen Ost und West und den dort jeweils ansässigen Großeltern. Es geht auch um diverse Tanten, die entweder im Chaos oder absoluter Kontrolle verhaftet sind. Alexander bemerkt, wie schwierig es ist, den Verwandten in Sachen Geschenken zuvor zu kommen und was in der Erziehung als falsch und richtig angesehen wird. Von Impfung bis Spielzeugbagger kann sich der gestresste Elternteil hier ein paar nette Ratschläge anlesen und sie entweder anerkennen oder darüber schmunzeln.
Über Freund und Feind
Der kurze abschließende Teil beschäftigt sich mit Männerfreundschaft und Familienwerten. Es geht wieder zurück zum Anfang, denn Alexander's Freundin hat noch eine kleine Überraschung parat - eine neue Echse.
Robin Alexander, "Familie für Einsteiger", 2007, Rowohlt Berlin Verlag, ISBN 9783871345715
