
- Familie Reimann in Texas - Alexander Hauk / pixelio.de
Nerven muss man haben und die hatten die Reimanns, als sie sich 2003 entschlossen, ihre sichere Existenz in Deutschland aufzugeben und ohne nennenswerte Englisch-Kenntnisse in den US- Bundesstaat Texas auszuwandern. Mittlerweile hat sich die Familie dort gut eingelebt und sich mit viel Arbeit eine neue Existenz aufgebaut.
Die Reimanns wandern nach Texas aus
Nach einem dreiwöchigen Campingurlaub in den USA (Texas) 2002 entschlossen sich Konny Reimann und seine Lebensgefährtin Manuela mit ihren Kindern Janina und Jason auszuwandern. Nicht um einem trostlosen Dasein in Deutschland zu entfliehen, sondern aus reiner Abenteuerlust. Als erstes heirateten Manuela und Konny in Las Vegas, um die Auswanderung vorzubereiten. Dann nahm Manuela an der Greencard-Verlosung teil und gewann gleich im ersten Anlauf. Damit waren die Weichen endgültig gestellt.
Am 07. Juli 2004 war es dann so weit. Mit Sack und Pack, einem Container und den Haustieren, Papagei Erwin und Hund Murphy, ging es auf nach Gainesville, Texas. Das Magazin RTL Extra mit Birgit Schrowange dokumentierte die Übersiedlung und verfolgte auf Zuschauerwunsch auch in den nächsten Jahren den Werdegang der Reimanns.
Zunächst kaufte die Familie direkt in Gainesville ein Haus. Mutter Manuela und Vater Konny besorgten sich Jobs, was aber gerade für Konny Reimann mit vielen Schwierigkeiten verbunden war. Er sprach praktisch gar kein Englisch und so konnte eine Pizza-Bestellung für ihn schon zum Alptraum werden. In den folgenden Jahren bemühten sich die Reimanns sehr, sich zu integrieren und ließen nichts aus, was amerikanische Lebensart anbelangt: Ob Teilnahme an Paraden, am Rodeo, Bus-Wettrennen oder Schießübungen.
Familie Reimann erobert Konny Island
Gainesville war aber nicht das Endziel. Konny Reimann träumte von einem Haus am See. Als Hamburger vermisste er das Wasser. Nach ein paar Monaten Suche fanden die Reimanns Ende 2005 am Moss Lake endlich ein Grundstück, das ihren Vorstellungen entsprach. Das Haus war zwar in einem schlechten Zustand, aber es gab noch ein Bootshaus und vor allem war das Grundstück sehr groß. Der Preis war akzeptabel. Die Reimanns schlugen zu.
Ein Trailer auf dem Grundstück wurde zur neuen Heimat. Neben seinem neuen Job in einem Geschäft für Schweißerzubehör restaurierte Konny das marode Bootshaus auf dem neuen Familiengrundstück, dass sie „Konny Island“ nannten. Es wurde in die „Hafenkneipe“ umgewandelt. Manuela arbeitete derweil als Kassiererin in einem Kasino und versuchte gleichzeitig mit ihren Näharbeiten Geld zu verdienen.
Kaum war die Hafenkneipe halbwegs fertig gestellt, errichtete Konny ab 2006 das erste Ferienhaus „Haus Blankenese“. Im April 2007 war es bezugsfertig und die ersten Gäste kamen. Ab jetzt versuchte Konny auch nebenbei sein eigenes Geschäft für Kälte- und Klimaanlagen aufzubauen. 2008 wurde das zweite Ferienhaus „Haus Dithmarschen“ fertig gestellt. Zu schaffen war dieses Programm nur mit der Unterstützung von Bauarbeitern aus Deutschland, die Konny Reimann gegen freie Kost und Logis zum Bauurlaub anwarb.
Die Reimanns gehen ihren Weg in Texas weiter
Seit 2009 arbeitet Konny Reimann als Schweißer in einer Maschinenbaufirma für Plastikrohre. Manuela hatte einen neuen Job bei einer Bank, der ihr keinen Spaß machte, weil sie vor Langeweile bald umkam. Zuletzt (Sommer 2010) stand sie als Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft vor der Kamera.
Seit das dritte Gästehaus “Haus Schenefeld” fertig gestellt wurde, baut Konny fleißig an dem 500 Quadratmeter große Traumhaus mit Leuchtturm für sich und seine Familie, die immer noch in einem Trailer auf dem Grundstück wohnt. Die Reimanns hoffen zu Weihnachten 2010 dort einziehen zu können. Mittlerweile arbeitet Konny nur noch drei Tage in der Woche als Schweißer und kümmert sich den Rest der Zeit um den Aufbau seines Geschäfts.
Konny Reimann macht Geschäfte
Durch die Berichterstattung im Magazin RTL Extra wurden die Reimanns in Deutschland ungeheuer populär. Konny Reimann nutzte die Gunst der Stunde und machte Werbung für seine Gästehäuser. Im Oktober 2008 brachte Konny Reimann sogar ein Buch heraus: “… aber das ist eine andere Geschichte”. Im darauf folgenden Jahr begab er sich auf eine kleine Vortagsreise in Deutschland, die „Moin, Moin-Tour“, die so erfolgreich war, dass sie im November 2010 wiederholt wird. Daneben machte Konny Reimann Werbung für Baumaterial und Würstchen. Auf der Homepage werden T-Shirts, Grillsaucen und Bücher angeboten und im Herbst 2010 soll sogar eine Comicserie veröffentlicht werden.
Um sein eigenes Geschäft mit dem Einbau und der Wartung von Klimaanlagen in Schwung zu bringen, setzt Konny Reimann vor allem auf Mundpropaganda. Dazu gehört auch sehr viel Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft. Er fängt wilde und teilweise gefährliche Tiere von Grundstücken, aus Pools oder den Mülltonnen. Wenn die dankbaren Hilfesuchenden einmal eine neue Klimaanlage brauchen, werden sie sich sicher an Konny Reimann wenden, den sie bereits als hilfsbereit, zuverlässig, freundlich und zupackend erlebt haben. Diese typisch deutschen Eigenschaften werden auch in Texas sehr geschätzt.
War der Erfolg der Familie Reimann in Texas vorprogrammiert?
Wer glaubt, alles falle einem in den USA in den Schoß, befindet sich in einem Irrtum. Tellerwäscher waren die Reimanns nie. In Deutschland hatten sie gute Positionen und waren finanziell gesichert. Als sie in die USA einwanderten, brachten sie im Vergleich mit anderen Auswanderern sehr viel Eigenkapital mit.
Durch harte Arbeit, Durchhaltevermögen und jede Chance nutzend haben sie es geschafft, am Lake Moss eine eigene Welt, Konny Island, aufzubauen. Sie waren und sind bereit rund um die Uhr zu arbeiten, nach Feierabend und am Wochenende. Laut Konny Reimann dürfte es trotzdem noch etwa geschätzte 35 Jahre harte Arbeit dauern, bis sie (vielleicht) Millionäre werden. Nicht zuletzt hat auch der enge Zusammenhalt der Familie zu ihrem Erfolg beigetragen. Von nichts kommt nichts. Dieses alte Sprichwort trifft genau auf die Familie Reimann zu.
Quellen: Spiegel Online, RTL
Bildquelle: © Alexander Hauk / pixelio.de
