Familienrat - ein Ritual, das nicht nur Patchworkern Halt gibt

Halt durch Nähe - johnnyb/pixelio
Halt durch Nähe - johnnyb/pixelio
In Patchworkfamilien prallen unterschiedliche Gemüter aufeinander. Es kann hilfreich sein, Rituale zu entwickeln, die die neue Gemeinschaft unterstützen.

Im Familienmodell Patchworkfamilie gibt es die unterschiedlichsten Zusammensetzungen. Mutter mit Kind plus ihrem neuen Partner, Vater mit Kindern, er und seine neue Partnerin bekommen zusätzlich noch ein eigenes Kind oder - beide Partner bringen Kinder mit. Das sind längst nicht alle möglichen Konstellationen. In jedem Fall ist es eine bunte Mischung, die für alle zu einem schwierigen Unterfangen werden kann. Jede Familie kommt mit ihren eigenen Gewohnheiten, die Partner haben unterschiedliche Erziehungsansichten, die Kinder müssen viele Emotionen verarbeiten, um sich mit dem neuen Familienmodell zu identifizieren.

Es gibt Rituale, die hilfreich sein können, mit diesen Schwierigkeiten besser umzugehen. Eines davon ist der Familienrat.

Was ist der Familienrat?

Der Familienrat ist ein Zusammentreffen aller Familienmitglieder, zu dem sich diese im Vorfeld verabredet haben. Jeder bekommt die Möglichkeit, über Dinge zu sprechen, die ihm gerade auf dem Herzen liegen. Das können belastende, aber auch positive Dinge sein. Alles kann in dieser Runde auf den Tisch.

Ablauf des Familienrats

Wählen Sie einen Leiter, der, sobald alle anwesend sind, die Teilnehmer begrüßt und durch die Runde führt. Sie können auch mit einer kurzen Meditation beginnen, vorausgesetzt, die Kinder sind alt genug.

Der Leiter fragt in die Runde, ob jemand beginnen möchte. Es kommt vor, dass einem Familienmitglied etwas unter den Nägeln brennt, oder ein anderer normalerweise nicht so gerne spricht, dann aber froh ist, wenn er sein Thema möglichst schnell losgeworden ist. Stellt sich keiner freiwillig zur Verfügung, beginnt der Leiter selbst. Wichtig ist: Niemand muß etwas sagen! Es ist durchaus möglich, dass für den Einen oder Anderen nicht immer etwas ansteht. Auch nur Zuhören ist erlaubt. Sollte es jedoch vorkommen, dass sich ein Teilnehmer wiederholt aus der Runde ausnimmt, haken Sie nach, was dahinter steckt.

Wichtig ist die Einhaltung einiger grundliegenden Kommunikationsregeln. Dazu gehört z. B., dass jeder ausreden darf, dass alle zuhören usw. Es darf alles gesagt. Kleinere Kinder erzählen auch gern eine Anekdote aus dem Kindergarten oder der Schule. Das können Dinge sein, die sie gerade bedrücken und daher in dieser Runde willkommen sind.

Es gibt nicht immer eine Lösung

Der Familienrat dient dazu, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem jeder offen sagen kann, was ihm auf dem Herzen liegt. Es kommt vor, dass sich jemand durch die Worte eines Anderen verletzt fühlt. Jeder kommt an die Reihe, um dann auch zu geäußerten Vorwürfen Stellung zu nehmen. Manchmal scheint die Lösung eines Konflikts vielleicht aussichtslos. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Geben Sie allen den Raum, Gesagtes aufzunehmen und nachzuspüren.

Es hilft den Teilnehmern in der Regel, die Dinge einfach auszusprechen. Es kommt dann vor, dass sich Konflikte plötzlich von allein auflösen. Das hängt damit zusammen, dass das Gesagte erst wirken muß, und das geschieht später. Dann, wenn sich die Runde längst aufgelöst hat und auch noch Tage danach. Beim nächsten Treffen kann man Themen noch einmal aufnehmen und prüfen, ob sich etwas verändert hat.

Wie lange dauert der Familienrat und wie häufig sollte er stattfinden?

Die Dauer des Familienrats hängt stark von den Teilnehmern ab. Unterschätzen Sie die Wirkung des Treffens nicht. Es kostet alle Teilnehmer viel Energie, abhängig von den Themen und vom Alter der Kinder. Kleinere Kinder, etwa im Vorschulalter, ermüden schnell und wirken abgelenkt. Je älter die Kinder sind, desto intensiver kann die Runde sein und desto länger halten sie durch. Es ist die Aufgabe des Leiters, zu spüren, wann es genug ist.

9 bis 12-jährige etwas schaffen bereits bis zu einer Stunde. Länger jedoch sollte der Familienrat für niemanden dauern. Je öfter man die Runde wiederholt, desto weniger Themen wird es geben, dann kann sich alles bereits nach 10 Minuten erledigt haben, und die Teilnehmer sind zufrieden.

Am Ende faßt der Leiter der Gruppe die besprochenen Themen noch einmal zusammen. Falls es größere Konflikte gab, kann es hilfreich sein, sich für einen Moment an den Händen zu fassen, um wieder zueinander zu finden. Auch eine kurze Meditation ist ein schöner Abschluß.

Wie oft der Familienrat wiederholt wird, hängt ebenfalls von der persönlichen Situation ab. Empfohlen wird eine Regelmäßigkeit, alle vier bis sechs Wochen, wobei in der ersten Zeit nach Gründung der Patchworkfamilie alle vier Wochen ratsam ist. Versuchen Sie, diese Regelmäßigkeit einzuhalten, auch wenn sich alle nur zusammen setzen, um festzustellen, dass es nichts zu besprechen gibt. Das gibt ein Gefühl von Gemeinschaft und hat eine positive Wirkung, weil offensichtlich jeder zufrieden mit der Situation ist.

Es ist nie zu spät, mit diesem hilfreichen Ritual zu beginnen, und auch in der Regelfamilie spricht nichts gegen einen regelmäßigen Austausch in Form des Familienrats.

Tine Möller, Tine Möller

Tine Möller - Während meines Fernstudiums zur Drehbuchautorin entdeckte ich nicht nur die Freude am Schreiben. Die Erkenntnis, dass Mut zur ...

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