Familienunternehmen wachsen auch in der Krise

Diese Unternehmensform beschäftigt jeden zweiten Arbeitnehmer

Bedeutung von Familienunternehmen - Rainer Sturm
Bedeutung von Familienunternehmen - Rainer Sturm
Eine umfangreiche Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Familienunternehmen führt zu überraschenden Erkenntnissen.

Die Jahre 2008 und 2009 werden sicher unter dem Zeichen einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. Die Folgen dieser Wirtschaftskrise werden uns wohl auch noch über eine lange Zeit hinweg zu schaffen machen.

Betroffen hiervon sind ausnahmslos alle Unternehmensformen, seien es Publikumsgesellschaften, seien es die Familienunternehmen. Leider standen jedoch vorwiegend die DAX-Unternehmen, die Banken und die Automobilindustrie im Mittelpunkt des Interesses der Politik. Die Interessen der Familienunternehmen finden demgegenüber kaum öffentliches Interesse, obwohl diese den häufigsten Unternehmenstyp in Deutschland repräsentieren und gerade sie die tragende Säule für Wachstum und Beschäftigung sind.

Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Familienunternehmen

Für die Stiftung Familienunternehmen hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Kooperation mit dem Institut für Mittelstandsforschung (ifm) in Mannheim in einer umfangreichen Studie die volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen analysiert. Diese gliedert sich in zwei Teile. Im ersten wird das Gewicht aller Familienunternehmen in der deutschen Wirtschaft analysiert. Der zweite Teil ermittelt die 500 Größten in Deutschland und untersucht die gesamtwirtschaftliche Bedeutung dieser Untergruppe. Inhaltlich orientiert sich diese Studie damit eng an der Untersuchung des IfM Bonn, die 2007 ebenfalls im Auftrag der Stiftung durchgeführt wurde.

Hohe volkswirtschaftliche Bedeutung deutscher Familienunternehmen

Nach den Studienergebnissen beträgt der Anteil der familienkontrollierten Unternehmen an allen Unternehmen etwa 93 Prozent. Dabei entfallen auf die eigentümergeführten Familienunternehmen 91 Prozent und auf die nominellen 79 Prozent. Als nominelle Familienunternehmen werden in der Studie Unternehmen bezeichnet, die einen Familiennamen im Unternehmensnamen führen. Mit dieser Differenzierung geht die Studie über die bisher veröffentlichten Analysen zu Familienunternehmen hinaus.

In Deutschland sind Familienunternehmen unabhängig von der jeweiligen Definition überproportional in der kleinsten Unternehmensgrößenklasse mit weniger als zehn Beschäftigten vertreten. Darüber hinaus sind sie überdurchschnittlich oft Einzelunternehmen und häufiger in der Rechtsform der Personengesellschaft. Hohe Anteile an Familienunternehmen weisen das Baugewerbe, das Gastgewerbe und der Handel auf. Tendenziell ist ihr Anteil in den Stadtstaaten eher gering und in den neuen Bundesländern eher hoch. Die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen zeigt sich darin, dass familienkontrollierte Unternehmen einen Anteil von 54 Prozent an der Gesamtbeschäftigung haben und ihr Anteil am Gesamtumsatz bei 49 Prozent liegt.

Ergebnisse zu den 500 größten Familienunternehmen

Nach der Studie arbeiteten im Jahr 2008 in den TOP 500 Familienunternehmen weltweit etwa 4,3 Millionen Personen. Dabei erwirtschafteten die 500 umsatzstärksten Familienunternehmen einen Umsatz von über 910 Milliarden Euro. Seit 2003 hat diese Gruppe ein Beschäftigungswachstum von knapp 23 Prozent und ein Umsatzwachstum von 44 Prozent erzielt. Die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland stieg in den 500 beschäftigungsstärksten Familienunternehmen von 2006 bis 2008 um vier Prozent von 2,12 Millionen Beschäftigten auf 2,21 Millionen. Demgegenüber weisen die DAX-Unternehmen (ohne die Familienunternehmen im DAX) für den gleichen Zeitraum einen Beschäftigungsrückgang von 0,5 Prozent auf.

Das Umsatzwachstum ist im Jahr 2008 sowohl in den 500 umsatzstärksten Familienunternehmen als auch in den DAX-Unternehmen zwar zurückgegangen. Der Umsatz der Familienunternehmen ist mit fünf Prozent gegenüber 2007 jedoch deutlich stärker gewachsen als bei den DAX-Unternehmen, die lediglich um zwei Prozent zulegten. Von den 500 umsatz- und beschäftigungsstärksten Familienunternehmen sind 330 in nur drei Bundesländern ansässig. Nordrhein-Westfalen stellt mit 135 Unternehmen (nach Beschäftigten) bzw. 138 (nach Umsatz) die meisten, gefolgt von Baden-Württemberg (jeweils 101) und Bayern (99 bzw. 93).

Komplette Studie zur Bedeutung von Familienunternehmen für Deutschland

Weitere Informationen zum Inhalt der Studie über die Bedeutung von Familienunternehmen für die deutsche Volkswirtschaft stehen auf der Webseite der Stiftung Familienunternehmen zur Verfügung. Ferner kann die komplette Studie als pdf-Dokument heruntergeladen werden.

Michael Konetzny, Michael Konetzny

Michael Konetzny - Michael Konetzny, Porta Westfalica, ist seit etwa 20 Jahren vorwiegend in mittelständischen Unternehmen tätig und dort ...

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