
- Möwe - Oliver Elm
Im Ulster-Zyklus wird Fand als unsterbliches, göttliches, feenartiges Wesen von außerordentlicher Schönheit geschildert. Sie war ein direkter Nachkomme der keltischen Göttin Duna, die wiederum das irische Urvolk Tuatha dé Danaan begründete. Ob ihr Name "Perle der Schönheit" oder "Eine Träne" bedeutet, konnte von Sprachwissenschaftlern niemals eindeutig geklärt werden.
Fand ist die Göttin der Meere
In den alten Legenden wurde Fand ursprünglich als Göttin der Meere, später als Königin der Feen erwähnt. Es heißt, dass sie des Öfteren, in Gestalt eines Meeresvogels, in das irdische Raum-Zeitgefüge wechselte, um den Sterblichen bei der Genesung zu helfen. Doch die meiste Zeit lebte Fand auf einer für Menschenaugen verborgenen Insel, inmitten von unendlicher Freude, Jugendlichkeit und lediglich von weiblichen Wesen umgeben.
Die Königin der Feen und Cú Chulainn
In der irischen Provinz Ulster wird erzählt, eines Tages sei ein unglaublich schöner Seevogelschwarm von dieser magischen Insel an die Küste Nordirlands gelangt. Jeweils zwei der mystischen Vögel waren durch eine silberne Kette verbunden und bildeten somit ein Paar, innerhalb der Gruppe. Göttin Fand und ihre Schwester Lí Ban, beide ebenfalls in der Gestalt eines Meeresvogels, führten die Schar an.
Der Ire Cú Chulainn, Kämpfer und "Held der Kriegervereinigung vom Roten Zweig", beobachtet vom Strand aus den absonderlichen Vogelzug. Aus unerfindlichen Gründen schleuderte er kleine Steinchen nach den geflügelten Tieren, traf Fand am Flügel und zog sich den Zorn der irischen Seegöttin zu.
Fand trudelte dem Übeltäter entgegen, hob ihren selbstauferlegten Verschleierungszauber auf, zeigte sich in ihrer wahrhaftigen, wunderschönen Gestalt und drosch erzürnt mit einem Ebereschenzweig auf den verblüfften Cú Chulainn ein.
Kurz darauf wurde der Steinewerfer bettlägerig und war außerstande, seine Schlafstelle zu verlassen. Ein volles Menschenjahr hielt ihn die "Göttin der Meere" in der Verwünschung gefangen. Wie es heißt, erschien ihm Fand täglich in seinen Träumen, und so kam es, dass er sich allmählich in das anmutige, überirdische Wesen verliebte.
Der Pakt gegen die Formorier
Fand hatte mittlerweile große Probleme mit drei Formoriern (missgestalteten und gewalttätigen Kreaturen), welche die irische See zu beherrschen suchten.
Längst war der klugen Göttin zu Ohren gekommen, dass Chulainn für seinen Mut in der Welt der Menschen geehrt und geachtet war. Diesen Umstand wollte sie sich zunutze machen, und so erschien sie ihm wiederum in einem seiner Träume, versprach den Helden von seinem Leiden zu erlösen, falls er ihr in die Anderwelt folgte und ihr im Kampf gegen die Repräsentanten der Dunkelheit hilfreich zur Seite.
Cú Chulainn willigte nur allzugern ein, knüpfte jedoch eine weitere Bedingung an das Abkommen. Nicht nur die Genesung müsse garantiert sein, auch solle die Göttin fortan seine Mätresse werden, dann wolle er gegen die Dämonen kämpfen, forderte der Ire.
Am Liebsten hätte Cú Chulainn ein Eheversprechen durch den Handel erzwungen, doch Fand und auch er waren bereits gebunden. Fand lebte zwar getrennt von ihrem Gatten, dem See und Wettergott Manannan mac Lir , war jedoch immer noch verheiratet und auch Cú Chulainn hatte schon längere Zeit eine Gemahlin namens Emer, die ihm während seiner Bettlägerigkeit immerzu treu und ergeben diente.
Liebe und Ehebruch
Mittlerweile war Fand ihrem ehemaligen Peiniger in inniger Liebe zugetan und willigte bereitwillig in den ungewöhnlichen Handel ein. Das junge Glück wurde allerdings jäh gestört als die eifersüchtige Emer von der Affäre ihres Mannes erfuhr und sofort Gegenmaßnahmen ersann, um die Zuneigung des Gatten zurückzugewinnen.
Anfangs schrieb Emer dem untreuen Angetrauten Gedichte und versuchte sein Herz mittels lieblicher Gesänge zu erweichen, doch als ihre Anstrengungen keinerlei Wirkung zeigten, stellte sie in rasender Eifersucht eine angriffslustige Frauentruppe zusammen. Die Streiterinnen warteten, bis das ehebrecherische Paar von seinen Kriegsstreifzügen zurückkehrte, überraschte die Fremdgänger durch eine Blitzattacke und bedrohte sie mit wuchtigen Messern.
Götter und Sterbliche im Ulster-Zyklus
Fands Ehemann Manannan mac Lir beobachtete das Spektakel, sah das Reich der Sidhe durch das Verhältnis seiner Frau mit dem Sterblichen gefährdet. Er beschloss, dem Ganzen unverzüglich ein Ende zu bereiten, da die Situation zu eskalieren begann, als die messerbewaffnete Frauentruppe in das Gemach des Pärchens eindrang und die Ehebrecher zum Kampf herausforderte.
Der Sohn des Meeres Lir trennte Cú Chulainn von Fand durch einen nebelartigen Schleier, der sie für alle Zeiten entzweite. Fand kehrte auf ihre verborgene Insel zurück und betrat niemals wieder das Reich der Menschen.
Tragische Liebesgeschichte als Sinfonie
Emer und Cú Chulainn ließen sich von einem Druiden (keltischer Priester) den Trank des Vergessens reichen, löschten somit jedwede Erinnerung an die irische See-Göttin und die Geschehnisse seit sie als Meeresvogel an der Küste von Ulster ihre wahre Gestalt offenbarte.
Lange Zeit fand die tragische Liebesgeschichte aus dem Ulster-Zyklus keine große Beachtung bis der englische Komponist Arnold Edward Trevor Bax (1883 bis 1953) die altirische Sage, in seiner sinfonischen Dichtung "Garden of Fand" wieder aufleben ließ.
