
- Fantasy - © Maren Beßler / Pixelo.de
Auch wenn Fantasy-Literatur von manchen Kritikern als Pop-Trash bezeichnet wird, ist sie doch alles andere als eine Erscheinung der Neuzeit. Obgleich sie nicht von Anfang an mit dem modernen Anglizismus Fantasy bezeichnet wurde, existiert diese Literatur schon seit Jahrhunderten. Fantasy hat ihre Wurzeln in der antiken Mythologie. Abgeleitet aus dem englischen Wort für Phantasie stellt diese literarische Gattung magische Elemente in den Mittelpunkt. Der Handlungsort wird zumeist in eine fiktive Welt verlegt, die sich deutlich von der Realität abgrenzt. (vgl. Wischnik, Ariane 2006, S. 12)
Als eigenständiges Genre etablierte sich die Fantasy in Deutschland etwa ab 1870 mit dem Aufkommen von Massenliteratur und Jugendbibliotheken. Der Grundstein zur Fantasy-Literatur wurde zu dieser Zeit von Autoren wie Jules Verne, Mary Shelley, Bram Stoker, und Oscar Wilde gelegt. (vgl. Saprà, Nessun 2005, S.5) Im 20. Jahrhundert lässt vor allem J.R.R. Tolkien in den 60/70er Jahren die Begeisterung für Fantasy-Werke wieder aufflammen. Heute sind es in erster Linie verfilmte Fantasy-Bücher, die das Genre boomen lassen. Dazu gehören neben J.K. Rowlings Harry Potter auch die Herr-der-Ringe-Triologie von Tolkien, „Der goldene Kompass“ von Philip Pullman sowie „Die Chroniken von Narnia“ von C.S. Lewis. (vgl. Wischnik, Ariane 2006, S. 10)
Literarische Einordnung der Fantasy-Literatur
Allgemein kann Fantasy wie Mystik- oder Horror-Literatur zur Phantastik gerechnet werden. Anders als die Science-Fiction-Literatur, die versucht, die übernatürlichen Elemente logisch-wissenschaftlich zu begründen, werden Magie und Mystik in Fantasy-Werken als gegeben hingenommen. (vgl. Wischnik, Ariane 2006, S. 12). Ein Großteil der Fantasy-Werke entstammt dem Bereich der Kinder- undJugendliteratur – allerdings verschwimmen durch den aktuellen Boom die Grenzen merklich. Letztlich gibt es keine verbindliche Definition für Fantasy-Literatur. Häufig ist sie jedoch gekennzeichnet durch den Eindruck von Historizität, denn die fremden Welten befinden sich oftmals in vergangenen Epochen, zum Beispiel dem Mittelalter. Auch Anthropomorphisierung, d.h. die Vermenschlichung von Tieren oder Gegenständen, sowie Motive aus der Abenteuerliteratur, mit der es zahlreiche Überschneidungen gibt, spielen eine wichtige Rolle. (vgl. Saprà, Nessun 2005, S.5)
Der Wert von Fantasy-Literatur für Kinder und Jugendliche
Die Meinungen über den Wert von Fantasy-Literatur gehen weit auseinander. Allgemein wird davon ausgegangen, dass das Hineindenken in andrer Welten Kreativität und Vorstellungsvermögen von Kindern fördere. Figuren und Handlungsschauplätze seien oft soweit verfremdet, dass sie für Kinder nicht bedrohlich wirken und auch emotional schwierige Themen wie Tod und Verlust könnten dadurch leichter thematisiert werden. Demgegenüber stehen allerdings Kritiker, die der Fantasy-Literatur vorwerfen, dass sie Probleme der Alltagswelt verdränge und sich stattdessen in fremde, häufig zivilisatorisch rückständige Traumwelten flüchte. Dem Eskapismus der Jugendlichen würde damit Vorschub geleistet.
Die Frage, ob Kinder und Jugendliche durch das Folgen des Fantasy-Trends tatsächlich mehr lesen, lässt sich kaum präzise beantworten. Fakt ist allerdings, dass Lesen auch in der heutigen Zeit für die Freizeitgestaltung von Jugendlichen von Bedeutung ist. Dies belegt auch die Jugend- Information- und (Multi-) Media-Studie 2007. Demnach sei zwar die alltägliche Mediennutzung von elektronischen Medien dominierend, doch immerhin 37 Prozent der Jugendlichen lesen regelmäßig. Ein Viertel der 12 bis 19-Jährigen greift sogar täglich zum Buch. (vgl. JIM 2007, S. 23)
Quellen:
- Wischnik, Ariane (2006): Spielarten des Phantastischen - Science fiction und Fantasy im Vergleich, Berlin: Logos
- Saprà, Nessun (2005): Lexikon der deutschen Science Fiction und Fantasy 1870-1918. Materialien und Untersuchungen zur Utopie und Phantastik. Oberhaid: Utopica.
- JIM 2007: Jugend, Information, (Multi-)Media Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Herausgeber: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest.
Bildnachweis: © Maren Beßler / Pixelo.de
